Die Abrechnung beim Finanz­amt steht vor der Tür. Viele Steuerzahler können dieses Mal mehr absetzen.

Die Steuererklärung lohnt sich. Rund 900 Euro holen Arbeitnehmer im Schnitt zurück. Auch Rentner und Pensionäre freuen sich oft über Rück­zahlungen.

Besser als 2013 schneiden diesmal Mieter und Wohnungs­eigentümer ab. Berufs­tätige, die viel auswärts gearbeitet haben, profitieren von neuen Verpflegungs­pauschalen. Viele Arbeitnehmer dürfen für ihre Arbeits­wege mehr abrechnen. Wie immer dürften auch diesmal Geld erwarten:

  • Eltern, die ein Kind bekommen haben,
  • Ehepartner oder gesetzliche Lebens­partner mit ungüns­tigen Steuerklassen,
  • zeit­weise beschäftigte Arbeitnehmer,
  • Anleger, deren eigener Steu­ersatz güns­tiger als die Abgeltung­steuer für Kapital­einkünfte ist.

Tipps für alle Steuerzahler

Lohnens­wert sind Spartipps und das Anhängen an offene Verfahren.

Versicherungen. Versicherte tragen nicht nur ihre Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge auf der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Sie geben auch Beiträge an, die sich bisher nicht auswirken – etwa für

  • Arbeits­losen-, Haft­pflicht-, Kranken­tagegeld­versicherungen,
  • Zusatz­versicherungen etwa für Chef­arzt­behand­lungen, Zahn­ersatz oder Brillen.

Der Steuer­bescheid bleibt dazu auto­matisch offen. In einem Verfahren beim Bundes­finanzhof (BFH) wollen Kläger solche Ausgaben absetzen. Bei Erfolg können auch andere auf Nach­schlag hoffen.

Krankheiten. Jeder macht im Mantelbogen außerdem Kosten wie Arzt­honorare und Rezept­gebühren als außergewöhnliche Belastung geltend. Das Finanz­amt lässt Steuer­bescheide dazu ebenfalls offen. Der BFH soll klären, ob alle Kosten vom ersten Cent an zählen müssen. Bisher geht eine zumut­bare Belastung ab Tabelle: Selbstbeteiligung.

Pflege. Pflegen Steuerzahler Angehörige mit Pfle­gestufe III oder Buch­stabe „H“ für Hilf­losig­keit im Behinderten­ausweis, beantragen sie den Pausch­betrag von 924 Euro oder weisen ihre Kosten als außergewöhnliche Belastung nach. Der Nach­weis lohnt sich, wenn das Finanz­amt nach Abzug der zumut­baren Belastung mehr anerkennt.

Unterhalt. Wer Angehörige oder Lebens­gefährten unterstützt hat, darf 224 Euro mehr als 2013 als außergewöhnliche Belastung abrechnen. In der Anlage Unterhalt lohnen sich bis zu 8 354 Euro und der Betrag für die Kranken- und Pflege­versicherung.

Scheidung. Geschiedene und getrennte gesetzliche Lebens­partner rechnen im Mantelbogen Anwalts- und Gerichts­kosten als außergewöhnliche Belastung ab. Das Finanz­amt wird zwar ablehnen, später ist aber ein Einspruch sinn­voll. Der BFH soll beur­teilen, ob Scheidungs­kosten unter den Tisch fallen dürfen. So lange bleiben Steuer­bescheide nach Einsprüchen offen.

Sonder­ausgaben. Im Mantelbogen lohnen sich außerdem Sonder­ausgaben, wie

  • Kirchen­steuern, Spenden und
  • Unterhalt an den Expartner.

Eltern tragen auf der Anlage Kind Betreuungs­kosten bis zu 6 000 Euro für jedes Kind unter 14 Jahren ein – etwa für die Tages­mutter oder den Kinder­garten.

Tipps für Mieter und Eigentümer

Mehr denn je lohnt sich die Steuererklärung für Mieter und Eigentümer, die Hand­werker oder Haus­halts­hilfen beschäftigt haben.

Haus­halts­hilfen. Arbeits­kosten gehören in den Mantelbogen – etwa für Putz­kräfte, Pflege­dienste oder die Firma, die auf oder jetzt auch vor dem Grund­stück Schnee geräumt hat. Der BFH hat dafür gesorgt, dass auch diese Kosten anerkannt werden.

Ein anderes BFH-Urteil kann Steuerzah­lern helfen, denen ein Behindertenpausch­betrag zusteht. Wollen sie Pflege­kosten absetzen, nehmen sie entweder den Pausch­betrag oder weisen ihre Kosten als außergewöhnliche Belastung nach (Az. VI R 12/12). Beim Nach­weis geht die zumut­bare Belastung ab. Dafür gibt es die Steuerermäßigung für Dienst­leistungen im Haushalt.

Hand­werker. Zu den Hand­werk­erarbeiten, die neu zählen, gehört der nach­trägliche Anschluss an die öffent­liche Wasser­versorgung, der Dach­ausbau im Eigenheim oder der Anbau eines Wintergartens. Auch hier folgt die Finanz­verwaltung dem BFH.

Solche Investitionen zählen wie Wohnungs­renovierungen, Badsanierungen oder Garten­arbeiten. Auch die Reparatur des Schorn­steins gehört dazu, ebenso Kehr- und Wartungs­arbeiten. Diesmal ausgeschlossen sind dagegen Gutachter­tätig­keiten wie das Messen und Über­prüfen der Heizung.

Rabatt. Mieter und Eigentümer rechnen Arbeits-, Fahrt- und Maschinen­kosten ab, außerdem Ausgaben für Reinigungs-, Spül-, Schmier­mittel und Streu­gut. Für Hand­werker dürfen sie bis zu 6 000 Euro im Mantelbogen angeben, für Haus­halts­hilfen bis zu 20 000 Euro im Jahr. 20 Prozent erhalten sie als Steuerermäßigung zurück. Hat etwa der Gärtner 1 000 Euro Lohn bekommen, sinkt die Einkommensteuer um 200 Euro.

Tipps für Arbeitnehmer

Interes­sant für Arbeitnehmer sind Werbungs­kosten auf der Anlage N. Infrage kommen Gewerk­schafts­beiträge und Kosten für berufliche Fort­bildung sowie für Arbeits­mittel wie Fachbücher und Notebooks.

Der Nach­weis lohnt sich, wenn alle Werbungs­kosten 2014 höher als 1 000 Euro sind. Wer insgesamt 230 Tage gearbeitet hat und mindestens 15 Kilo­meter entfernt von der Firma wohnt, schafft die Grenze schon.

Weg zur Arbeit. Für den Weg von der Wohnung zur Arbeits­stätte – der ersten oder einzigen – rechnet jeder die einfache Entfernung ab. Dasselbe gilt neuerdings auch für Fahrten zu Sammelstellen, die auf Anweisung des Arbeit­gebers aufgesucht werden, bevor es zu wechselnden Einsatz­stellen oder Arbeits­plätzen wie Bussen und Schiffen weitergeht. Zusteller und andere Arbeitnehmer mit weit­räumigen Tätig­keits­stätten können für die Anreise ebenfalls die einfache Entfernung geltend machen.

Das Finanz­amt berück­sichtigt bei jedem entweder je Kilo­meter pauschal 30 Cent oder die Kosten für öffent­liche Verkehrs­mittel. Der Nach­weis der Ticket­kosten lohnt sich, wenn die Pauschalen weniger bringen.

Dienst­fahrten. Arbeitnehmer, die 2014 außer­halb der ersten oder einzigen Arbeits­stätte gearbeitet haben, dürfen ihre Ausgaben auf der Anlage N als Reise­kosten abrechnen. Das kommt beispiels­weise für Dienst­reisen, Fort­bildungen und Kongresse infrage. Die Arbeit kann sich im Außen­dienst abge­spielt haben, an wechselnden Arbeits­orten oder inner­halb eines größeren Tätig­keits­gebiets. Reise­kosten setzen außerdem alle ab, die wie Kunden­dienst­monteure keine erste Arbeits­stätte haben.

Es zählt jeder dienst­lich hin- und zurück gefahrene Kilo­meter. Für Pkw-Fahrten berück­sichtigt das Finanz­amt entweder die Pauschale von 30 Cent oder den nachgewiesenen Kilo­meter­satz aus Fahr­zeug­kosten und Fahr­leistung. Dazu können Kosten für öffent­liche Verkehrs­mittel, Miet­autos, Park­gebühren und Über­nachtungen kommen.

Verpflegung. Für Verpflegungs­kosten, die der Arbeit­geber nicht über­nommen hat, erkennt das Finanz­amt zum Teil güns­tigere Pauschalen an. Je nach Abwesenheit von der Wohnung oder Arbeit betragen sie:

  • 12 Euro am Tag bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit,
  • 24 Euro am Tag bei 24 Stunden Abwesenheit,
  • je 12 Euro für den An- und Abreisetag, wenn auf Dienst­reisen über­nachtet wurde.

Verpflegungs­pauschalen abrechnen dürfen auch:

  • Arbeitnehmer, die erst zu Sammelstellen und danach zu wechselnden Einsatz­stellen oder Fahr­zeugen als Arbeits­platz gefahren sind. Sie rechnen die Beträge je nach Abwesenheit von der Wohnung ab. Nur wenn ihr Betrieb die erste Tätig­keits­stätte ist, nehmen sie die Abwesenheit vom Betrieb.
  • Auch Arbeitnehmer mit weit­räumigem Tätig­keits­gebiet setzen Pauschalen ab, wenn sie am Tag mehr als 8 Stunden von der Wohnung abwesend waren.

Mahl­zeiten. Neu ist, dass jede gratis erhaltene Mahl­zeit ange­rechnet wird. Für ein Hotel­frühstück sinkt die Tages­pauschale um 4,80 Euro, für ein Mittag- oder Abend­essen um 9,60 Euro. Wer aber so viel selbst beigesteuert hat, darf die volle Pauschale bean­spruchen. Ein Angestellter war zum Beispiel fünf Tage auf Dienst­reise. Er hat an vier Tagen im Hotel gratis gefrühstückt. Für die An- und Abreise rechnet er 24 (2 x 12) Euro als Pauschale ab. Für die anderen Tage sind es 72 (3 x 24 ) Euro. Insgesamt trägt er 96 Euro in die Anlage N zur Steuererklärung ein.

Die vier Frühstücke schlagen mit 19,20 (4 x 4,80) Euro zu Buche. Dieser Betrag ist ebenfalls in Anlage N anzu­geben. Das Finanz­amt zieht ihn später von den Pauschalen ab und berück­sichtigt nur 76,80 Euro.

Doppelter Haushalt. Neu rechnen müssen auch Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen einen Zweit­haushalt haben. Sie dürfen für Einrichtungs-, Miet-, Betriebs­kosten oder Abschreibungen nur noch bis zu 1 000 Euro monatlich absetzen, außerdem Umzugs­kosten und in den ersten drei Monaten Verpflegungs­pauschalen.

Am Heimat­ort wird zum ersten Mal eine Beteiligung an den Kosten der Lebens­führung verlangt. Mit mehr als 10 Prozent müssen sich zum Beispiel Ledige beteiligen, die keine eigene Wohnung haben.

Tipps für Azubis und Studenten

Steuererklärung 2014 Special

Studenten rechnen Ausbildungs­kosten wie Fahrten zur Uni ab.

Viele Auszubildende und Studenten können Studien­gebühren, Fahrt­kosten und Ausgaben für Arbeits­mittel auf der Anlage N als Werbungs­kosten abrechnen. Für Beträge, die sich mangels steuer­pflichtiger Einnahmen nicht auswirken, lassen sie mit einem Kreuz zu Beginn des Mantelbogens Verluste fest­stellen. Die werden dann mit späteren Einkünften verrechnet.

Wer aber das erste Mal studiert oder die erste Berufs­ausbildung macht und dafür kein Arbeits­verhältnis einge­gangen ist, kann nur bis zu 6 000 Euro im Jahr als Sonder­ausgaben angeben. Ohne zu versteuerndes Einkommen spart er keine Steuern.

Diese Azubis und Studenten geben ihre Ausgaben als Werbungs­kosten an und lassen Verluste fest­stellen. Lehnt das Amt ab, sollten sie Einspruch gegen den Steuer­bescheid einlegen und auf einen Beschluss des Bundes­finanzhofs verweisen: Kosten für das erste Studium und die erste Berufs­ausbildung sind immer Werbungs­kosten und könnten sich später günstig auswirken. Jetzt hat das Bundes­verfassungs­gericht das letzte Wort (BFH, Az. VI R 2/12 und 8/12).

Bis zur Klärung bleiben Bescheide nach Einsprüchen offen. Fällt das Urteil der Verfassungs­richter günstig aus, ist der Weg zur Steuerersparnis frei. Es geht um mehrere tausend Euro – so wie in vielen anderen Muster­prozessen.

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