Steuererklärung 2013: Solo oder Duo

Steuertipps für Paare. Ehepartner und gesetzliche Lebens­partner müssen neu über­legen, ob sie sich besser gemein­sam oder einzeln veranlagen lassen.

Die meisten Ehepaare sind am besten bedient, wenn sie im Mantelbogen zur Steuererklärung in Zeile 24 die gemein­same Veranlagung ankreuzen. Auch für gesetzliche Lebens­partner ist dies meist die beste Entscheidung. Das liegt am Splitting­tarif, den alle erhalten, die sich zusammen veranlagen lassen.

Beim Splitting­tarif zählt vom gemein­samen Einkommen nur die Hälfte. Die Einkommensteuer dafür wird wie bei Allein­stehenden nach dem Grund­tarif berechnet und dann verdoppelt. Das ist fast immer günstig, wenn Partner unterschiedlich viel verdienen. Je größer der Unterschied ist, desto besser.

Versteuert zum Beispiel ein Partner 40 000 Euro Einkommen und der andere 60 000  Euro, gewinnen beide zusammen rund 360 Euro, wenn sie für 2013 gemein­same Sache machen. Verdient einer allein, steigt der Gewinn auf rund 8 607 Euro, wenn er 100 000 Euro Einkommen versteuern muss. Haben beide gleich viel Einkommen, bringt der Splitting­tarif dagegen nichts.

Tipp. Auch wenn Sie 2013 erst im Verlauf des Jahres den Bund fürs Leben geschlossen haben, können Sie den Splitting­tarif wählen. Haben Sie sich 2013 getrennt, ist er zum letzten Mal möglich. Als Witwe oder Witwer erhalten Sie den Splitting­tarif für 2013 noch, wenn Ihr Partner im Jahr 2012 oder 2013 gestorben ist.

Neue Wahl

Statt der gemein­samen Steuer­ver­anlagung kommt in der Steuererklärung 2013 zum ersten Mal die Einzel­ver­anlagung infrage. Diese Variante ersetzt die alte getrennte Veranlagung und kann sich in folgenden Lebens­situationen lohnen:

  • Partner sind Arbeitnehmer oder Pensionär und haben Neben­einkünfte von weniger als 1 620 Euro im Jahr.
  • Das Finanz­amt erkennt bei einem Partner weniger Versicherungs­beiträge an als beim anderen, weil ein Partner Arbeitnehmer und der andere Rentner, Pensionär oder Selbst­ständiger ist.
  • Ein Partner hatte 2013 hohe Krank­heits­kosten, aber deutlich weniger Einkünfte als der andere.

Mehr Krank­heits­kosten absetzen

Ausgaben für Krankheiten und Pflege­leistungen erkennt das Finanz­amt nur an, wenn sie höher als die zumut­bare Belastung sind. Bei der Einzel­ver­anlagung ermittelt das Finanz­amt für jeden Partner einzeln, wie viel er von solchen außergewöhnlichen Belastungen ohne Steuer­vorteil bestreiten muss. Die zumut­bare Belastung hängt von den Einkünften ab, die jeder einzeln hat.

Beispiel. Hat ein Ehepaar ohne Kinder 2013 gemein­sam Einkünfte von 80 000 Euro, rechnet das Finanz­amt dem Paar bei der gemein­samen Veranlagung 4 800 Euro (6 Prozent) als zumut­bare Belastung an. Steuert die Frau Einkünfte von 30 000 Euro bei, beträgt ihre zumut­bare Belastung bei der Einzel­ver­anlagung dagegen nur 1 800 Euro (6 Prozent laut Tabelle).

Gibt die Frau bei der Einzel­ver­anlagung Zahn­arzt­kosten von 4 000 Euro an, erkennt das Finanz­amt wie bei Allein­stehenden 2 200 Euro als außergewöhnliche Belastung an, nachdem es die zumut­bare Belastung abge­zogen hat. Bei 29 Prozent persönlichem Grenz­steu­ersatz bringt die Zahn­arzt­rechnung fast 640 Euro Steuerersparnis. Das Paar muss zwar auf den Splitting­tarif verzichten, spart aber mit Solidaritäts­zuschlag trotzdem rund 150 Euro mehr, wenn es die Einzel­ver­anlagung wählt.

Tipp. Das Finanz­amt erkennt Ihre Arzt­rechnung bei der Einzel­ver­anlagung nur voll an, wenn die Über­weisung vom gemein­samen oder eigenen Konto erfolgt. Ihr Partner darf nichts von seinem Konto über­weisen.

Steuerfreie Neben­einkünfte erhöhen

Interes­sant ist die Einzel­ver­anlagung auch für Arbeitnehmer und Pensionäre mit Neben­einkünften. Lassen sie sich einzeln veranlagen, sind bei jedem Neben­einkünfte bis 410 Euro im Jahr steuerfrei. Machen sie gemein­same Sache, bekommen sie die Frei­grenze von 410 Euro zusammen nur einmal.

Beispiel. Ein Ehepaar hat gemein­sam Miet­einkünfte von 820 Euro im Jahr. Bei der Zusammen­ver­anlagung sind diese Einkünfte voll steuer­pflichtig. Wählen beide Partner die Einzel­ver­anlagung, schlägt bei jedem 410 Euro zu Buche, sodass sämtliche Miet­einkünfte steuerfrei bleiben.

Auch wenn die Neben­einkünfte höher als 410 Euro sind, kann sich die Einzel­ver­anlagung lohnen. Liegt die Summe unter 820 Euro im Jahr, ist nur ein Teil steuer­pflichtig. Bei der Einzel­ver­anlagung sind bei jedem Partner Neben­einkünfte unter 820 Euro teil­weise steuerfrei. Bei der gemein­samen Veranlagung müssten beide Partner zusammen unter 820 Euro bleiben.

Versicherungs­abzug optimieren

Ist ein Partner Arbeitnehmer, der andere aber Pensionär, Rentner oder Selbst­ständiger, können Paare bei Einzel­ver­anlagung oft auch mehr Versicherungs­beiträge absetzen.

Beispiel. Der Partner, der als Arbeitnehmer arbeitet, ist gesetzlich versichert und hat 41 000 Euro Brutto­lohn. Für die Renten­versicherung kann er 2 015 Euro absetzen und für die Kranken- und Pflege­versicherung 3 751 Euro Basisbeitrag. Das sind 5 766 Euro.

Sein Lebens­partner ist Pensionär und privat versichert. Er hat für seine Kranken- und Pflege­versicherung 3 600 Euro Beitrag bezahlt, 3 000 Euro davon waren für den Basis­schutz fällig. Dazu kommen 1 000 Euro für eine Haft­pflicht- und Unfall­versicherung.

Lässt sich das Paar zusammen veranlagen, berück­sichtigt das Finanz­amt den Beitrag für die gesetzliche Renten­versicherung und die Basisbeiträge für Kranken- und Pflege­versicherung. Insgesamt sind das in dem Beispiel 8 766 (5 766 + 3 000) Euro.

Wählt jeder Partner die Einzel­ver­anlagung, setzt der Berufs­tätige seine Versicherungs­beiträge von 5 766 Euro ab. Der Pensionär macht nicht nur den vollen Beitrag für die private Kranken- und Pflege­versicherung geltend, sondern auch den für die Haft­pflicht- und Unfall­versicherung, insgesamt zählen 4 600 Euro.

Bei Rentnern, Pensionären und Selbst­ständigen rechnet das Finanz­amt meist mit den Regeln aus der Zeit vor 2005, weil sie güns­tiger sind. Für das Jahr 2013 zählen Versicherungs­beiträge bis 3 434 Euro voll und weitere 1 334 Euro zu Hälfte.

Unser Pensionär hat Beiträge von 4 600 Euro und kann 3 434 Euro voll und von den restlichen 1 166 Euro die Hälfte absetzen. Das sind zusammen 4 017 Euro und 1 017 Euro mehr als bei der Zusammen­ver­anlagung. Mit 30 Prozent Steu­ersatz steigt die Steuerersparnis auf 305 Euro. Ist der Vorteil durch den Splitting­tarif nied­riger, lohnt sich die Einzel­ver­anlagung.

Tipp. Die Einzel­ver­anlagung kann auch güns­tiger sein, wenn einer von Ihnen viel Arbeits­losen-, Kranken-, Eltern­geld oder anderen Lohn­ersatz bezogen hat. Auch wenn Sie in der Kirche sind und Ihr Partner nicht, können sich getrennte Wege lohnen. Dann müssen Sie das besondere Kirchgeld nicht zahlen, das Ihr Partner sonst für Ihre Mitgliedschaft über­nehmen müsste.

Regeln kennen

Die Einzel­ver­anlagung funk­tioniert so:

  • Jeder gibt eine eigene Steuererklärung ab und erhält einen eigenen Steuer­bescheid.
  • Hat ein Paar gemein­same Einnahmen, rechnet jeder die Hälfte ab.
  • Frei­beträge, Höchst­beträge und Pauschalen zählen wie bei Allein­stehenden. Auch das Einkommen wird nach dem Grund­tarif für Singles versteuert.
  • Sonder­ausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Kosten für Hand­werker, Haus­halts­hilfen und haus­halts­nahe Dienst­leistungen darf nur derjenige Partner absetzen, der sie hat. Alternativ können Partner im Mantelbogen beantragen, dass jeder die Hälfte der Ausgaben abrechnet. Eine andere Aufteilung ist bei der Einzel­ver­anlagung nicht möglich.

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