Anlage Kind: Sparzeilen für Eltern

Zum Glück sind Eltern jetzt schneller mit dem Formular durch. Sie bekommen ihre Abzüge für Betreuungs­kosten und erwachsene Kinder leichter.

Endlich haben Eltern es einfacher. Egal, ob beide Partner 2012 berufs­tätig waren – alle könnten ihre Ausgaben für Kita, Tages­mutter oder andere Betreuer absetzen.

Das Finanz­amt muss die Kosten sogar voll anerkennen, wenn das Kind im Kinder­garten auch eine Fremd­sprache lernt. Das hat aktuell der Bundes­finanzhof entschieden (Az. III R 29/11). Die Behörde darf die Betreuungs­kosten nicht um die Ausgaben für die Sprach­assistentin kürzen.

Auch die Hort­kosten zählen

Oft glauben Eltern, dass nach der Kita Schluss ist mit Kinder­betreuungs­kosten. Doch auch die Ausgaben danach etwa für Hort oder Tages­mutter bringen weitere Vorteile – längs­tens bis zum 14. Geburts­tag des Kindes. Gar keine Alters­grenze greift, wenn es vor dem 25. Geburts­tag behindert war.

Beispiel: Klaus Gustavus sechs­jährige Tochter geht seit September 2012 zur Schule, vorher war sie in der Kita. Der allein­stehende Vater kann die Kita-Gebühren und auch die Hort­kosten absetzen. Dafür trägt er 4 000 Euro in der Anlage Kind, Zeile 67 und 69 ein. Davon zählen zwei Drittel. Dafür sinkt seine Steuerschuld inklusive Soli bei seinen 40 000 Euro Einkommen um 985 Euro.

Tücken mit dem Au-pair-Vertrag

Häufig hilft Eltern eine Au-pair, die auch die Kinder betreut. Haben sie mit ihr nichts anderes vereinbart, zählt eine Hälfte des Lohns als haus­halts­nahe Dienst­leistung und die andere als Kinder­betreuungs­kosten.

Das klappt problemlos, wenn sie der Au-pair ihren Verdienst über­wiesen haben. Zahlen sie die Hilfe dagegen bar, fallen die Hälfte der Ausgaben – nämlich die Betreuungs­kosten, unter den Tisch. Denn sie dürfen nicht bar beglichen werden.

Anders ist die Regelung bei der Steuerermäßigung für Haus­halts­hilfen (siehe „Sparzeilen für alle“). Es genügt, wenn die Au-pair bei der Minijobzentrale gemeldet ist. Der Abzug ist also nicht gefährdet, wenn sie ihr Taschengeld auf die Hand bekommen hat.

Plus mit Über­tragen von Frei­beträgen

Steuererklärung 2012 - Kinder­leicht Geld zurück

So rechnen Sie Ihre Ausgaben für Ihr Kind in Anlage Kind ab.

Häufig vergessen Allein­stehende und verheiratete Mütter oder Väter, die nicht mit dem anderen Eltern­teil zusammenleben, dass sie sich den halben Betreuungs­frei­betrag des anderen Eltern­teils über­tragen können. Dabei bringt ihnen das meist einen Steuer­vorteil. Bedingung ist, dass ihr minderjäh­riges Kind bei ihnen lebt und beim anderen Eltern­teil nicht gemeldet ist.

Der andere Eltern­teil sollte mit der Über­tragung einverstanden sein. Denn neuerdings kann er wider­sprechen, wenn er das Kind regel­mäßig betreut oder Betreuungs­kosten über­nommen hat.

Beispiel: Anja Krause erhält für Sohn Felix 2 184 Euro Kinder­frei­betrag und 1 320 Euro Betreuungs­frei­betrag. Beantragt Anja in Zeile 41 die Über­tragung des halben Betreuungs­frei­betrags von Felix’ Vater, zahlt sie mit 30 000 Euro Jahres­einkommen 385 Euro weniger Steuern und Soli.

Sie könnte auch 2012 den vollen Kinder­frei­betrag erhalten, weil Felix’ Vater arbeitslos war und keinen Unterhalt zahlte. Doch die Über­tragung bringt ihr kein Plus, weil sie sich dann auch das volle statt das halbe Kinder­geld für Felix im Steuer­bescheid anrechnen lassen muss.

Noch mehr Frei­beträge für die Großen

Auch Eltern mit erwachsenen Kindern können einiges rausholen. Sie erhalten oft wieder Kinder­geld oder Kinder­frei­beträge. Denn beides gibt es seit 2012 unabhängig vom Einkommen des Kindes – längs­tens bis zum 25. Geburts­tag. Viele erhalten deshalb auch zum ersten Mal einen Ausbildungs­frei­betrag für ihr Kind, das auswärts lernt.

Beispiel: Sebastian studierte 2012 in Halle und wohnte dort in einer WG. Seine Eltern erhalten für ihn Kinder­geld. Auch wenn Sebastian Bafög bekam und während der Ferien Geld verdient hat, können die Eltern den Ausbildungs­frei­betrag in den Zeilen 51 und 52 beantragen. Weil Sebastian das ganze Jahr in Halle studierte und dort gewohnt hat, bekommen sie den vollen Frei­betrag von 924 Euro. Das bringt ihnen bei 50 000 Euro steuer­pflichtigem Jahres­einkommen inklusive Soli 285 Euro Steuererstattung.

Aufpassen müssen Eltern, wenn ihr Kind den ersten Berufs- oder Studien­abschluss hat. Ist Sebastian im Master­studium, darf er im Schnitt nicht mehr als 20 Stunden in der Woche jobben, damit die Eltern die Frei­beträge nicht verlieren. Ausgenommen davon sind allerdings Jobs als Werk­student.

Tipp: Setzen Sie auch die Basisbeiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung Ihres Kindes ab, wenn es das nicht selbst in seiner Erklärung tut. Die Behörde muss sie berück­sichtigen, auch wenn die Beiträge vom Lehr­lings­geld des Kindes abgingen. Sie dürfen den Beitrag absetzen, weil Sie noch Kinder­geld erhalten und Unterhalt leisten.

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