Anlage N: Sparzeilen für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer können hohe Jobkosten abrechnen. Vor allem punkten sie mit Fahrt­kosten für ihre Wege zur Arbeit.

Arbeitnehmer bekommen Unterstüt­zung vom Bundes­finanzhof (BFH). Die obersten Finanz­richter haben in zahlreichen Urteilen statt der Pendler- die Reise­kostenpauschale anerkannt.

Für den Weg zur ersten Arbeits­stätte ihres Chefs erhalten sie 30 Cent Pend­lerpauschale je Kilo­meter der einfachen Entfernung – selbst wenn sie etwa als Mitfahrer dafür gar nichts ausgegeben haben.

Für alle anderen Arbeits­wege dagegen zählen sämtliche Reise­kosten. Fahrer mit eigenem Auto können 30 Cent je Kilo­meter ansetzen oder ihre tatsäch­lichen Kosten, außerdem ihre Ausgaben für Kost und Logis.

Dadurch kommen viele leichter über den 1 000-Euro-Pausch­betrag für Arbeitnehmer. Erst ab dieser Grenze lohnt es, alle Jobkosten in Anlage N nach­zuweisen.

Mit der richtigen Wegstrecke zum Ziel

So rechnen Sie Ihre Jobkosten in der Anlage N ab.

Selbst Berufs­tätige, die das ganze Jahr zur selben Arbeits­stätte ihres Chefs gefahren sind, können oft hohe Wege­kosten mit der Pend­lerpauschale erreichen. Es zählt die kürzeste Straßenverbindung. Doch die kann sogar länger sein als der wirk­liche Weg.

Beispiel: Antonia Selig fährt 40 Kilo­meter mit der Bahn zur Arbeit. Die Strecke, die sie mit dem Auto fahren müsste, beträgt 50 Kilo­meter. Weil das die kürzeste Straßenverbindung ist, kann sie 50 Kilo­meter in die Anlage N Zeile 36 eintragen. Das bringt ihr 3 300 Euro Werbungs­kosten: 220 Arbeits­tage x 50 km x 0,30 Euro.

Bei ihren 40 000 Euro steuer­pflichtigem Einkommen erhält sie dafür inklusive Soli 863 Euro zurück. Hätte sie nur 40 Kilo­meter angesetzt, bekäme sie 245 Euro weniger.

Sie dürfte sogar noch mehr Kilo­meter angeben, wenn sie mit ihrem Auto immer eine längere Strecke gefahren ist, weil die verkehrs­güns­tiger ist (BFH, Az. VI R 53/11). Es ist nicht mal nötig, dass sie auf der Strecke schneller zum Ziel kommt, wenn viele andere auch den Weg fahren (BFH, Az. VI R 19/11).

Tipp: Wie viel Kilo­meter Ihre Straßenverbindung beträgt, ermitteln Sie zum Beispiel mit einem Routenplaner.

Die Ober­grenze umgehen

Normaler­weise ist bei der Pend­lerpauschale bei 4 500 Euro im Jahr Schluss. Doch Auto­fahrer können mehr abrechnen, wenn sie ihre Fahr­kilometer etwa mit dem Tacho­stand belegen können. Sogar wenn sie nicht das ganze Jahr selbst fuhren, können über 4 500 Euro anerkannt werden.

Beispiel: Heinz Keils Arbeitsweg beträgt 75 Kilo­meter. Dass er an 110 Tagen 2 x 75 Kilo­meter (Hin- und Rückweg) mit seinem Auto gefahren ist, kann er mit dem Tacho­stand belegen (eintragen in Zeile 36, Spalte 4). Die anderen 110 Tage Arbeits­tage ist Keil mit seinem Kollegen mitgefahren (eintragen in Zeile 37, Spalte 6). Somit muss das Finanz­amt 2 x 110 Arbeits­tage x 75 km x 0,30 Euro berück­sichtigen. Die 4 950 Euro bringen ihm bei 40 000 Euro Jahres­einkommen 1 466 Euro Erstattung inklusive Soli.

Tipp: Über 4 500 Euro können Sie auch absetzen, wenn Sie weite Stre­cken teils mit der Bahn, teils mit Ihrem Auto gefahren sind.

Viele Arbeits­stätten, mehr Wegegeld

Wer 2012 an einer anderen Arbeits­stätte seines Chefs arbeitete, hat Reise­kosten.

Beispiel: Mathe­lehrerin Christine Busch unter­richtete drei Tage an ihrer 20 Kilo­meter entfernten Schule und zwei Tage in der Woche an einer anderen. Zu der zweiten Schule fuhr sie 2012 an 90 Tagen je 30 Kilo­meter mit ihrem Auto. Auf einer formlosen Anlage rechnet sie die Reise­kosten ab: 90 Tage x 60 Kilo­meter (Hin- und Rückweg) x 0,30 Euro und trägt die Summe von 1 620 Euro in Zeile 50 ihrer Erklärung ein.

Für Fahrten zur ersten Schule erhält sie nur 30 Cent Pend­lerpauschale pro Kilo­meter der einfachen Entfernung (Zeile 32 und 36). Hätte sie dort falsch auch die Fahrten zur zweiten Schule abge­rechnet, erhielte sie bei 40 000 Euro Jahres­einkommen statt 529 Euro nur 224 Euro inklusive Soli zurück.

Tipp: Waren Sie über acht Stunden am anderen Einsatz­ort, erhalten Sie je nach Abwesenheit 6 bis 24 Euro Verpflegungs­pauschale für die ersten drei Monate vom Beginn des Einsatzes, bei höchs­tens zwei Tagen pro Woche auch unbe­grenzt.

Mehr für Fahrten zur Zweitunterkunft

Auf hohe Werbungs­kosten kommen auch Arbeitnehmer, die 2012 einen zweiten Haushalt wegen ihres Jobs geführt haben. Arbeiteten sie dort beim Kunden ihres Chefs, haben sie auch Reise­kosten. Das ist selbst so, wenn sie lange bei demselben Kunden im Einsatz sind (BFH, Az. VI R 47/11).

Der Kunden­betreuer kann 30 Cent für jeden Kilo­meter mit seinem Auto geltend machen – von der Zweit­wohnung zur Arbeit und auch für Fahrten nach­hause. Dazu kommen die Kosten für Logis und die ersten drei Monate die Verpflegungs­pauschale.

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