Fast jeder hat im letzten Jahr zu viel Steuern gezahlt. Wir zeigen, wie alle Steuern zurück­bekommen und teure Fehler in der Erklärung vermeiden.

Tausend Euro mit der Jahres­abrechnung beim Finanz­amt für das Jahr 2012 zurück­holen – das ist keine Illusion. Gerade Arbeitnehmer haben häufig zu viel Steuern im Voraus gezahlt. Einer jungen Familie aus Berlin mit 60 000 Euro steuer­pflichtigem Jahres­einkommen muss die Behörde beispiels­weise rund 1 300 Euro erstatten.

Das Ehepaar kann schon über 2 000 Euro Jobkosten abrechnen. Allein weil der Familien­vater jeden Tag 30 Kilo­meter zur Arbeit gefahren ist, kommt er auf 1 980 Euro Fahrt­kosten durch die Pend­lerpauschale. Außerdem hat das Paar 3 000 Euro für die Betreuung ihrer dreijäh­rigen Tochter ausgegeben. Weiterhin stehen 1 200 Euro für die Putz­hilfe und 400 Euro für Hand­werk­erlohn auf ihrer Rechnung sowie 200 Euro für haus­halts­nahe Dienste, die sie als Mieter in ihrer Neben­kosten­abrechnung bezahlt haben.

Doch nur wenn sie alle Ausgaben in der Steuererklärung angeben, erstattet ihnen das Finanz­amt die zu viel bezahlte Steuer.

Einiges neu bei der Jahres­abrechnung

Eltern haben es mit der Jahres­abrechnung endlich leichter. Alle Mütter und Väter können ihre Ausgaben für die Betreuung ihrer Kinder bis zum 14. Geburts­tag in wenigen Zeilen geltend machen. Sie müssen keine Einschränkungen mehr beachten.

Auch Eltern mit erwachsenen Kindern müssen keine großen Rechenkünstler mehr sein – zumindest bis zum Abschluss der ersten Ausbildung. Kinder­geld oder Kinder­frei­beträge und Ausbildungs­frei­betrag gibt es unabhängig vom Einkommen der Jugend­lichen (siehe „Sparzeilen für Eltern“).

Eine Steuererstattung sicher

Arbeitnehmer können viel rausholen, insbesondere mit ihren Ausgaben für Arbeits­wege, Arbeits­mittel, Bewerbungen, Bildung oder doppelten Haushalt („Sparzeilen für Arbeitnehmer“).

Einige hundert Euro zu viel Steuern haben häufig auch Berufs­tätige gezahlt, die letztes Jahr einige Monate arbeitslos waren. Meist erhalten sie mehr zurück, als wenn sie das ganze Jahr gearbeitet hätten.

Ihr Geld schnell zurück­fordern sollten auch berufs­tätige Ehepaare, die im letzten Jahr ihre Lohn­steuerklassen ungünstig kombiniert haben – etwa um mehr Eltern­geld zu bekommen.

Allerdings kann das Finanz­amt auch eine Nach­zahlung verlangen. Dass kann passieren, wenn berufs­tätige Ehepartner die Steuerklassen III und V hatten.

Manchen muss die Behörde nach der Abrechnung sogar einen Verlust bescheinigen – zum Beispiel Studenten im Master­studiengang. Ihre derzeitigen Werbungs­kosten für ihren künftigen Job sind höher als ihre Einnahmen. Damit können sie ihre Steuer in anderen Jahren mindern – entweder noch für 2011 oder für spätere Jahre.

Getrennt oder gemein­sam

Ehepartner müssen sich entscheiden, ob sie die Steuererklärung gemein­sam oder getrennt machen. Meist ist die gemein­same am besten. Dann wird die Einkommensteuer nach dem Splitting­tarif ermittelt. Das bringt vor allem Vorteile, wenn beide 2012 unterschiedlich hohe Einnahmen hatten. Die getrennte Veranlagung kann güns­tiger sein, wenn ein Partner zum Beispiel 2012 im Ausland gearbeitet oder Arbeits­losengeld I erhalten hat. Was besser ist, können sie mit einem Steuer­programm vergleichen.

Tipp: Sie können auch den Splitting­tarif noch nutzen, wenn Ihr Ehepartner 2011 gestorben ist. Dafür geben Sie im Mantelbogen an, seit wann Sie verwitwet sind.

Frist bis Ende Mai

Spätestens bis zum 31. Mai muss meist die Erklärung beim Finanz­amt sein. Das ist beispiels­weise so, wenn im Jahr 2012

  • die Steuerklassen V oder IV mit Faktor oder VI oder ein zusätzlicher Frei­betrag auf der Lohn­steuerkarte stand,
  • außer Lohn es noch andere Einkünfte – etwa aus Mieten von über 410 Euro gab,
  • eine Abfindung nach der Fünf­telregel versteuert wurde,
  • die abzieh­baren Versicherungs­beiträge nied­riger waren als die Vorsorgepauschale für das Beamten­gehalt (siehe „Sparzeilen für alle“),
  • Nicht­arbeitnehmer steuer­pflichtige Einkünfte von mehr als 8 004 Euro (Ehepaare 16 008 Euro) hatten.

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