Steuererklärung 2011 Special

Fast jeder hat im Jahr 2011 zu viel Steuern bezahlt. Wir helfen, die Steuererklärung schnell zu erledigen, damit die Erstattung bald kommt.

Über 800 Euro erhielten Steuerzahler nach ihrer Steuererklärung in den vergangenen Jahren im Schnitt zurück. Sie hatten übers Jahr viel mehr bezahlt, als am Ende nötig war. Doch das steuer­pflichtige Einkommen steht eben erst fest, nachdem das Finanz­amt einige Pauschalen und individuelle Ausgaben abge­zogen hat.

Jobkosten bringen oft viel

Arbeitnehmer bekommen oft für ihre Jobkosten Steuer­abzüge. Kommen mehr als 1 000 Euro für Arbeits­mittel, Reise­kosten und andere Werbungs­kosten zusammen, lohnt es sich, alles in der Steuererklärung nach­zuweisen (siehe „Werbungskosten I“ und folgende). Nur den Arbeitnehmerpausch­betrag von 1 000 Euro hat der Arbeit­geber beim Lohn­steuer­abzug für 2011 berück­sichtigt.

Mehr als 1 000 Euro haben viele allein durch ihren Weg zur Arbeit zusammen. Bereits für 15 Entfernungs­kilometer von zuhause zum Büro machen sie 1 035 Euro für 230 Arbeits­tage geltend – als Auto­fahrer, Radfahrer, Fußgänger, Bahn- oder Mitfahrer.

Jetzt zählen auch gemischte Kosten

Wer 2011 einen beruflichen Kongress mit Urlaub kombinierte, hat hoffentlich die Belege aufbewahrt. Denn neuerdings darf das Finanz­amt die anteiligen beruflichen Kosten nicht mehr streichen, wenn es für die Reise auch einen privaten Anlass gab.

Das gilt auch für Bücher, die keine reine Fach­literatur sind und Allgemeinwissen enthalten. Lehrer setzen zum Beispiel 50 Prozent an, wenn sie einen Titel zu 50 Prozent zur Unterrichts­vorbereitung nutzen.

Neue Urteile helfen Steuerzah­lern

Steuererklärung 2011 Special

Steuererklärung 2011 - Pflicht oder freiwil­lig?

Unterstüt­zung in anderen Punkten gibt es vom Bundes­finanzhof (BFH). Zum Beispiel können Berufs­tätige, die 2011 wegen eines neuen Jobs umzogen und doppelt Miete zahlen mussten, eine Miete als Werbungs­kosten abziehen – und zwar in voller Höhe, auch wenn die Familie erst später nach­zieht.

Anerkannt ist die Miete für die neue Wohnung am Arbeits­ort bis zum Umzugs­tag der Familie in die neue Bleibe und danach die Miete für die alte Wohnung bis zum Ende der Kündigungs­frist (BFH, Az. VI R 2/11).

Auch bei den Reise­kosten entschieden die Richter zugunsten etlicher Arbeitnehmer, die lange Zeit auf demselben Betriebs­gelände arbeiten. Das Finanz­amt wollte für die Fahrten eines Monteurs mit seinem Auto zur Baustelle nur wie beim Weg zur festen Arbeits­stätte 30 Cent je Entfernungs­kilometer ansetzen. Doch er kann doppelt so viel absetzen: Wie bei Dienst­reisen für jeden Kilo­meter der Hin- und Rück­fahrt 30 Cent (Finanzge­richt Münster, Az. 10 K 2037/10).

Die Entfernungs­pauschale gilt nur für Arbeits­wege zu einer einzigen Einrichtung des Arbeit­gebers, zu welcher der Arbeitnehmer „dauer­haft“ zuge­ordnet ist (BMF-Schreiben vom 15. 12. 2011, IV C 5 – S 2353/11/10010).

Aufwendig für Patienten

Patienten, die im vergangenen Jahr Geld für Kuren und alternative Therapien ausgegeben haben, kommen nur beim Finanz­amt durch, wenn sie ein Attest vorlegen, das sie vor Beginn der Behand­lung beim Amts­arzt oder medizi­nischen Dienst einge­holt haben. Der Gesetz­geber hebelte die steuerzah­lerfreundlichen Urteile des Bundes­finanzhofs aus, der auch andere Belege akzeptiert hatte.

Tipp: Ausgaben für dauernde Erkrankungen wie eine Sehschwäche müssen Sie nur mit ärzt­lichen Verordnungen belegen, wenn Sie die Kosten zum ersten Mal abrechnen.

Ärger für Kranken­versicherte

Ärger mit der jüngsten Steuererklärung hatten privat Kranken­versicherte. Sie können zwar seit dem Jahr 2010 Basisbeiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung voll als Sonder­ausgaben absetzen. Aber im Gegen­zug zieht das Finanz­amt den steuerfreien Arbeit­geber­zuschuss ab, auch wenn er Zuschüsse zu Wahl­leistungen enthält. Dagegen klagen jetzt Versicherte vor den Finanzge­richten Nürn­berg (Az. 3 K 974/11), Münster (Az. 7 K 2712/11 E, 7 K 2814/11 E) und Hessen (Az. 1 K 1878/11).

Tipp: Zieht das Finanz­amt den vollen Zuschuss ab, sollten Sie das Ruhen des Verfahrens bis zur Entscheidung der Klagen beantragen. Sobald ein Verfahren beim BFH anhängig ist, muss das Finanz­amt den Steuer­bescheid auf Antrag offen halten.

Kinder senken die Steuerlast

Viele Eltern wissen nicht, dass sie auch die Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge ihrer Kinder als Sonder­ausgaben in ihrer Steuererklärung absetzen dürfen. Das können sie sogar für ihre erwachsenen Kinder in der Ausbildung tun, für die sie Kinder­geld oder Kinder­frei­beträge erhalten – selbst, wenn die Eltern die Beiträge nicht bezahlen.

Der Abzug bei den Eltern statt beim Azubi lohnt sich vor allem, wenn der Azubi wegen seines geringen Lohns gar keine Steuern zahlen muss. Bei 8 000 Euro Lehr­lings­lohn im Jahr sind etwa 734 Euro Beitrag fällig. Das bringt Eltern mit 30 Prozent Grenz­steu­ersatz 212 Euro Steuer­vorteil.

Nicht auf die lange Bank schieben

Bis spätestens 31. Mai 2012 muss die Erklärung meist beim Finanz­amt sein. Wer das wegen Arbeits­stress, Umzug oder Krankheit nicht schafft, sollte vorher schriftlich um Frist­aufschub bitten, damit das Finanz­amt ihm keine Verspätungs­zuschläge aufbrummt. Hilft ein Steuerberater oder Lohn­steuer­ver­ein, bleibt in der Regel Zeit bis zum Jahres­ende.

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