Steuererklärung 2010 Special

Bis zum 31. Mai muss die Steuererklärung beim Finanz­amt sein. Doch Stress muss deshalb niemand haben: Es gibt Spielräume. Wer trödelt, kann Belege nach­liefern und sogar später noch seine Steuerformulare korrigieren. Steuerzahler können ihr zuständiges Finanz­amt auch um Aufschub bitten.

Für 2010 viel Geld zurück

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Die gute Nach­richt: Für die meisten zahlt sich die Abrechnung beim Finanz­amt aus. Gerade Arbeitnehmer erhielten im Schnitt rund 800 Euro zurück. Das hat das Statistische Bundes­amt (Destatis) für die Steuererklärung 2006 ermittelt. Jetzt sind die Aussichten noch besser. Immerhin bleiben 170 Euro mehr vom Einkommen steuerfrei, weil der steuerfreie Grund­frei­betrag 2010 auf 8 004 Euro gestiegen ist.

Zur Steuererklärung verpflichtet

Steuererklärung 2010 Special

Die meisten müssen ihre Steuererklärung bis zum 31. Mai abgeben. Über­nimmt die Steuererklärung ein Steuerberater oder Lohn­steuer­hilfe­ver­ein, verlängert sich die Abgabe­frist bis zum 31. Dezember 2011. Noch länger dürfen sich Rentner und Gering­verdiener Zeit lassen, die nur Einkünfte bis zum Grund­frei­betrag von 8 004 Euro/16 008 Euro (Allein­stehende / Verheiratete) erzielten. Sie können freiwil­lig bis Ende 2014 beim Finanz­amt abrechnen. Das gilt auch für Arbeitnehmer, die nur Lohn in den Steuerklassen I oder IV beziehen.
Tipp: Die Grafik (siehe links oben) zeigt ausführ­lich, wer bis zum 31. Mai abgeben muss.

Vier Stapel mit geld­werten Belegen

Schneller und einfacher geht es mit der Steuererklärung, wenn Steuerzahler ihre Belege für die Ausgaben bereits auf mehreren Stapeln sortiert haben:

  • Werbungs­kosten. Auf den ersten Stapel kommen Ausgaben rund um den Job. Dazu gehören die Ausgaben für Arbeits­mittel, Weiterbildung, Dienst­reisen, das Arbeits­zimmer daheim, Miete und Heim­fahrt­kosten für den zweiten Haushalt am Arbeits­ort sowie Gewerk­schafts­beiträge. Ohne Belege können Arbeitnehmer ihren Weg zur Arbeit abrechnen: je Entfernungskilo­meter von der Wohnung 30 Cent. Wer an 230 Tagen im letzten Jahr 14 Kilo­meter zur Arbeit fuhr, hat mit diesem Posten schon 966 Euro zusammen.
    Tipp: Wenn Ihre Jobkosten im letzten Jahr höher als 920 Euro waren, lohnt die Abrechnung über die Anlage N der Steuererklärung. Denn Ihr Chef hat die 920 Euro bereits beim Lohn­steuer­abzug 2010 berück­sichtigt.
  • Sonder­ausgaben. Der zweite Stapel sind Sonder­ausgaben wie Kirchen­steuer, Spenden und Mitglieds­beiträge an gemeinnützige Vereine, Kirchen, Hoch­schulen und Parteien. Auch bis zu 13 805 Euro Unterhalt an den Ex und für ihn gezahlte Kranken- und Pflege­versicherungsbeiträge zählen dazu sowie bis zu 4 000 Euro Ausgaben für die erste Ausbildung.
  • Außergewöhnliche Belastungen. Auf den dritten Stapel gehören Belege für Therapie­kosten und Hilfen aufgrund von Krankheit oder Pflegebedarf. Diese Ausgaben muss das Finanz­amt anerkennen, wenn sie ärzt­lich bescheinigt sind. Ein vorher ausgestelltes Attest ist nicht mehr zwingend notwendig. Das entschied jüngst der Bundes­finanzhof. Allerdings darf das Finanz­amt eine zumut­bare Eigenbelastung je nach Familien­stand und Einkünften abziehen. Das sind zum Beispiel bei einem Single mit 40 000 Euro Einkünften im Jahr 6 Prozent, also 2 400 Euro. Weiterhin senkt Unterhalt an nahe Angehörige die Steuerlast.
  • Haus­halts­nahe Dienste. Direkt die Steuer mindern Rechnungen von Hand­werkern und anderen Helfern, die daheim Arbeiten erledigt haben. Die Kosten für Lohn, An- und Abfahrt, Maschinen, Umsatz­steuer zählen mit, nur Material­kosten nicht. Das Finanz­amt berück­sichtigt davon jeweils 20 Prozent: für Mini-Jobber maximal 510 Euro, für Dienst­leistungen bis zu 4 000 Euro, für Hand­werk­erarbeiten höchs­tens 1 200 Euro im Jahr.

Basis­versorgung zählt voll mit

Weitere wichtige Posten sind die Vorsorgekosten. Diese kommen in die Anlage „Vorsorgeaufwand“. Dazu zählen in erster Linie Beiträge für die gesetzliche Rentenkasse, für berufliche Versorgungs­werke und Rürup-Verträge. Hier kann 2010 jeder 70 Prozent von maximal 20 000 Euro (Ehepaare 40 000 Euro) als Sonder­ausgaben absetzen, also maximal 14 000 Euro beziehungs­weise 28 000 Euro (Ehepaare). Wichtig: Riester-Sparer müssen noch die Anlage AV ausfüllen, um zusätzlich zur Riester-Zulage den Riester-Sonderausgabenabzug zu erhalten. Der zweite große Vorsorgeposten sind Beiträge für die gesetzliche oder private Kranken- und Pflege­versicherung. Davon muss das Finanz­amt jetzt immer die Versicherungs­beiträge für die medizi­nische Grund­versorgung berück­sichtigen.

Besser mehr als zu wenig eintragen

Auch Beiträge für Arbeits­losen-, Haft­pflicht-, Unfall-, Kranken­zusatz-, Kapital­lebens- und Renten­versicherungen mit Kapital­wahl­recht sind steuerlich anerkannt. Jedoch wirken sie sich nur aus, wenn sie zusammen mit den Ausgaben für die Basiskranken- und Pflege­versicherung höchs­tens 1 900 Euro betragen, bei Selbst­ständigen und Nicht­berufs­tätigen ohne Anspruch auf Beihilfe höchs­tens 2 800 Euro. Aber niemand sollten dafür große Rechenkünste anstellen, sondern einfach alle seine gezahlten Beiträge angeben. Das Finanz­amt prüft auto­matisch, was für Steuerzahler am güns­tigsten ist.

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