Formulare: Schritt für Schritt Steuern sparen

Mit der Steuererklärung für das Jahr 2009 können Steuerzahler oft mehr Geld als früher vom Finanzamt zurückholen. Wir zeigen, wie sie die neuen Formulare ausfüllen müssen.

Mantelbogen

Schon der Mantelbogen, den jeder braucht, ist voller Chancen. Auf den ersten Blick sieht das zwar nicht so aus, denn zunächst müssen alle ihre allgemeinen Angaben machen und auf der zweiten Seite die Art der Einkünfte des Jahres 2009 eintragen (Zeilen 31 bis 38). Sie kreuzen außerdem an, welche Anlagen sie mit einreichen. Erst danach wird es interessant.

Sonderausgaben. Die Sonderausgaben in den nächsten Zeilen bringen schon leicht ein paar Hunderter oder Tausender zurück, weil das Finanzamt pauschal nur sehr wenig berücksichtigt. Besonders lohnen sich:

  • die Kirchensteuer, die Arbeitnehmer 2009 gezahlt haben (Zeile 44).
  • die Spenden und Mitgliedsbeiträge, die gemeinnützige Vereine, Kirchen, Hochschulen und Parteien bekommen haben (Zeilen 47 bis 57).
  • der Unterhalt, den der geschiedene oder getrennt lebende Ehepartner erhalten hat (Zeile 43). Gibt dieser auf der Anlage U zur Steuererklärung an, dass er den Unterhalt versteuert, erkennt das Finanzamt bis zu 13 805 Euro an.

Außergewöhnliche Belastungen. Viele Steuerzahler können ihre Steuerlast auch senken, wenn sie außergewöhnlichen Belastungen auf Seite 3 eintragen. Sie können zum Beispiel den Pflegepauschbetrag von 924 Euro beantragen, wenn sie Angehörige mit Pflegestufe III in deren oder ihrer eigenen Wohnung pflegen (Zeile 65 und 66). Wichtig sind auch Ausgaben für Arztbehandlungen, Medikamente, Kuren und andere Krankheitskosten (Zeilen 68 bis 70). Sie bringen eine Steuerersparnis, wenn sie höher als die „zumutbare Belastung“ sind. Deren Höhe können die meisten nicht selbst ausrechnen. Sie geben deshalb einfach alles an. Den Rest erledigt dann das Finanzamt.

Leistungen im Haushalt. Mieter, Haus- und Wohnungseigentümer rechnen im Mantelbogen haushaltsnahe Dienstleistungen ab, wenn 2009 Haushaltshilfen, Handwerker oder selbstständige Dienstleister wie Gärtner und Fensterputzer in ihrem Haushalt beschäftigt waren. Sie geben die Kosten für die Arbeitsleistung, für die An- und Abfahrt und für die Maschinen auf der Seite 3 an (Zeilen 74 bis 79). Materialkosten zählen dagegen nicht. Für Handwerker erkennt das Finanzamt etwa Kosten bis 6 000 Euro an. Die Steuerersparnis beträgt bis zu 1 200 Euro (20 Prozent). Der Höchstbetrag hat sich gegenüber 2008 verdoppelt.

Anlage Vorsorgeaufwand

Ganz wichtig ist für alle die neue Anlage Vorsorgeaufwand. Auf der ersten Seite geben sie ihre Beiträge für Schutz wie Kranken-, Pflege-, Renten-, Haftpflicht-, Unfallversicherungen und Rürup-Verträge an. Für die Höhe ihrer Sozialabgaben nehmen Arbeitnehmer die Lohnsteuerbescheinigung und Rentner den Rentenbescheid zu Hilfe. Rentner sparen mit ihren Ausgaben fast immer Steuern. Riester-Sparer machen auf der Rückseite der Anlage Vorsorgeaufwand ihre Angaben. Sie bekommen für ihre Beiträge oft Steuerersparnisse. Die frühere Anlage AV brauchen sie nicht mehr.

Anlage Kind

Eltern füllen für jedes Kind eine Anlage Kind aus. Berufstätige Alleinerziehende und Ehepartner, die beide arbeiten, weisen für jedes Kind bis 14 Jahre Betreuungskosten bis 6 000 Euro nach. Alleinverdiener rechnen ihre Kosten vom dritten bis sechsten Geburtstag ab, wenn der Ehepartner die Kinder betreut und deshalb nicht berufstätig ist.

Anlage N

Arbeitnehmer brauchen die Anlage N. Sie müssen auf der ersten Seite ihre Angaben zum Arbeitslohn und zu Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeiter-, Insolvenz-, Arbeitslosen-, Eltern- und Krankengeld machen. Empfänger von Firmen- und Beamtenpensionen rechnen auf der ersten Seite die Pensionen ab, die sie auf Lohnsteuerkarte bezogen haben.

Werbungskosten. Auf der Rückseite der Anlage N lohnen sich die Angaben zu den Ausgaben für den Beruf, wenn sie 2009 höher als 920 Euro waren. Die Grenze ist schon geschafft, wenn Arbeitnehmer an 230 Tagen mindestens 14 Kilometer zur Firma gefahren sind. Dann rechnen sie ihren Arbeitsweg ab (Zeilen 31 bis 40) und machen auch Gewerkschaftsbeiträge (Zeile 41), Kosten für Fachbücher, Büromaterial (Zeile 42, 43), Fortbildungskosten (Zeile 45) und andere Werbungskosten geltend.

Anlage R

Rentner brauchen die Anlage R für ihre Renten. Die gesetzlichen Renten tragen sie zum Beispiel in Zeile 5 ein, Riester- und Betriebsrenten in die Zeilen 31 bis 49. Haben sie Werbungskosten über 102 Euro, können sie mit Posten wie Honoraren für Renten-, Steuerberater und Beiträgen für Gewerkschaften Steuern sparen (Zeilen 50 bis 57).

Anlage KAP

Die Anlage KAP brauchen vor allem Anleger, die nicht versteuerte Kapitalerträge wie Zinsen auf Auslandskonten abrechnen müssen oder Abgeltungsteuer zurückholen wollen. Wer Abgeltungsteuer zurückhaben will, muss die Günstigerprüfung ankreuzen (Zeile 4). Eine Frau hätte fast viel Geld verloren, nur weil das Kreuz fehlte (siehe Meldung: Kleiner Fehler- große Folgen für die Anlegerin aus Finanztest 6/2010).

Wichtige Belege

Das Finanzamt will außerdem einige Belege sehen.

  • Wer Kapitalerträge abrechnet, muss zum Beispiel die Steuerbescheinigungen der Bank im Original vorlegen.
  • Für Spenden über 200 Euro ist meist eine Zuwendungsbestätigung nötig.
  • Bescheinigungen über Lohnersatzleistungen wie Kranken-, Mutterschafts-, Eltern- , Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld dürfen nicht fehlen.
  • Für vermögenswirksame Leistungen muss eine Bescheinigung vom Anlageinstitut vorliegen.

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