Bis Ende Mai müssen viele noch ihre Steuern beim Finanzamt abrechnen. Wir sagen, worauf es ankommt.

Steuerzahler müssen nicht in Stress ­geraten, wenn sie für die Steuererklärung bis Ende Mai nur noch wenig Zeit haben. Mit etwas Mühe ist der Abgabetermin noch zu schaffen.

Selbst nach dem 31. Mai können sich die meisten noch problemlos aus der Affäre ziehen. Sobald das Finanzamt eine Mahnung geschrieben hat, sind Sanktionen allerdings nicht mehr ausgeschlossen.

Muss ich bis Ende Mai eine Steuer­erklärung abgeben?

Ob Sie für das Jahr 2009 eine Steuererklärung abgeben müssen, hängt von Ihren Einnahmen ab. Die Grafik zeigt die Hauptgründe. Ein Witwer, der nur Renteneinkünfte hat, kommt zum Beispiel nicht am Finanzamt vorbei, wenn diese über 7 834 Euro liegen. Ein Arbeitnehmerehepaar muss auf jeden Fall bis 31. Mai abrechnen, wenn ein Partner die Steuerklasse V auf der Steuerkarte hatte.

Der 31. Mai gilt für Sie aber nur, wenn Sie die Erklärung selbst machen. Erledigt ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein die Abrechnung, verlängert sich die Abgabefrist bis zum 31. Dezember 2010.

Das Finanzamt kann die Unterlagen aber auch dann früher verlangen, zum Beispiel wenn die Arbeitssituation in der Behörde das erfordert. Der Sachbearbeiter muss den vorgezogenen Termin mindestens vier ­Wochen vorher bekanntgeben und darf die Abgabe nicht vor den 31. Mai legen.

Was mache ich, wenn ich die Steuererklärung im Mai abgeben muss, das aber nicht schaffe?

Ist die Zeit für die Steuererklärung zu knapp, können Sie Ihr Finanzamt um Verlängerung bitten. Sie müssen dafür einen triftigen Grund angeben, zum Beispiel eine längere Krankheit oder fehlende Unterlagen wie die Steuerbescheinigung der Bank.

Ihr Antrag kann telefonisch, mit einem Fax, einer Mail oder auf dem Postweg an das Finanzamt gehen. Am besten sind ein paar Zeilen, in denen Sie um „stillschweigende Verlängerung“ bitten (siehe Text: Musterbrief). Das Finanzamt wird den Antrag daraufhin in der Regel ohne Antwort genehmigen. Gibt es später Streit über den Zugang Ihres Antrags, helfen Ihnen Zeugen oder Sendeprotokolle beim Beweis.

Muss ich Verlängerung beantragen, bloß weil mir Belege wie ein ­Spendennachweis noch fehlen?

Nein, ein Antrag auf Fristverlängerung muss nicht sein. Sie können Ihre Steuer­erklärung auch erst einmal ohne die Belege abgeben und diese nachreichen. Genauso halten Sie es, wenn Ihnen noch Angaben zu Ihren Werbungskosten fehlen. Selbst wenn der Steuerbescheid schon erteilt ist, können Sie Angaben und Belege noch einen Monat lang mit einem Einspruch nachliefern.

Schulden alle, die eine Steuer­erklärung machen müssen, dem ­Finanzamt Geld?

Nein. Einige müssen Steuern nachzahlen, einige haben schon alles beglichen und viele erhalten Geld zurück. Arbeitnehmer haben mit ihrer Steuererklärung in der Vergangenheit im Schnitt 765 Euro zurückgeholt, hat der Berliner Senat ausgerechnet.

Wer Posten wie Spenden, Kirchensteuern oder Kinderbetreuungskosten nachweist, kann mit einer Rückzahlung vom Finanzamt rechnen. Arbeitnehmer oder Rentner, die im Jahr 2009 Nebeneinkünfte noch nicht versteuert haben, müssen dagegen oft nachzahlen.

Wie schnell reagiert das Finanzamt, wenn ich keine Steuererklärung ­abgebe, obwohl sie Pflicht ist?

In den ersten Wochen rührt sich das Finanzamt meistens nicht, wenn Sie den 31. Mai einfach verstreichen lassen. In dieser Zeit können Sie Ihre Steuererklärung jederzeit noch nachholen, ohne dass Ihnen Sanktionen drohen. Geben Sie die Unterlagen einfach stillschweigend ab, ohne die Verspätung zu begründen.

Im Juli könnte es dann aber sein, dass Ihr Finanzamt die Einkommensteuererklärung bei Ihnen schriftlich anmahnt. In diesem Fall setzt es Ihnen in der Regel eine Frist von vier bis sechs Wochen für die Abgabe. Das ist keine Verlängerung, sondern eine Art Versprechen, in dieser Zeit noch auf Sanktionen zu verzichten.

Sie haben aber keinen Rechtsanspruch darauf, dass die Behörde auf Sanktionen verzichtet. Gegen einen Verspätungszuschlag können Sie sich zum Beispiel nur erfolgreich wehren, wenn dieser unangemessen ist.

Was passiert, wenn ich trotz Mahnung keine Steuererklärung abgebe?

Wenn Sie die in der Mahnung gesetzte Frist einfach verstreichen lassen, kann Ihnen das Finanzamt ein Zwangsgeld androhen und danach auch festsetzen. Es kann auch sein, dass Sie Verspätungszuschläge zahlen müssen. Der Sachbearbeiter kann Ihr Einkommen außerdem schätzen und dafür Steuern verlangen.

Ob es zu solchen Sanktionen kommt, liegt genauso im Ermessen des Finanzamtes wie ihr Ausmaß. Ein Steuerberater in Berlin hat die Erfahrung gemacht, dass die Finanzämter neuerdings strenger mit Verspätungszuschlägen sind als in früheren Jahren.

Der Sachbearbeiter darf aber nicht übertreiben. Schätzt er Ihr Einkommen, weil ­keine Steuererklärung vorliegt, kann er die Höhe Ihres Einkommens nicht einfach aus der Luft greifen. Verspätungszuschläge darf er nur festsetzen, wenn er für das Fehlen oder die Verspätung der Einkommensteuererklärung keine plausible Entschuldigung feststellen kann.

Wenn das Finanzamt entdeckt, dass Sie leichtfertig keine Steuern gezahlt haben, kann es auch ein Bußgeld verhängen. Haben Sie mit Vorsatz Steuern hinterzogen, sind Geldstrafen und in besonders schweren Fällen sogar Haftstrafen nicht ausgeschlossen.

Wie hoch kann der Verspätungs­zuschlag sein?

Der Verspätungszuschlag hängt von der ­Höhe der Einkommensteuer ab, die Sie insgesamt zahlen müssen.

Beträgt die festgesetzte Einkommen­steuer 18 000 Euro im Jahr, kann der Sachbearbeiter von Ihnen zum Beispiel 360 Euro (2 Prozent) Verspätungszuschlag fordern. Er darf aber höchstens 10 Prozent der festgesetzten Einkommensteuer verlangen und maximal 25 000 Euro Zuschlag für jedes Jahr festsetzen.

Sie müssen den Zuschlag selbst dann bezahlen, wenn Sie nur einen Teil von der festgesetzten Einkommensteuer nachzahlen müssen. Das Finanzamt darf ihn sogar von Ihnen verlangen, wenn Sie der Behörde gar keine Steuern schuldig sind, sondern Geld zurückbekommen.

Verlangt das Finanzamt für noch nicht gezahlte Steuern Zinsen?

Zinsforderungen kann das Finanzamt erst stellen, wenn nach dem Jahr, für das Sie die Einkommensteuer schuldig sind, 15 Monate vergangen sind.

Für das Jahr 2009 setzt die Behörde Zinsen erst ab 1. April 2011 fest. Für jeden Monat, der von diesem Tag bis zur vom Finanzamt mitgeteilten Fälligkeit der Einkommensteuer vergeht, werden 0,5 Prozent der fälligen Summe festgesetzt.

Ist die Einkommensteuer für das Jahr 2009 am 1. Dezember 2011 fällig, erhält das Finanzamt für 3 000 Euro Nachzahlung von Ihnen 120 Euro Zinsen (8 Monate 0,5 Prozent= 4 Prozent).

Kann das Finanzamt auch noch ­Steuererklärungen für länger ­zurückliegende Jahre verlangen?

Ja, das Finanzamt kann von Ihnen auf jeden Fall Steuererklärungen für die letzten sieben Jahre nachfordern. Wenn Sie leichtfertig Steuern nicht gezahlt haben, verlängert sich dieser Zeitraum auf acht Jahre. Steuer­hinterzieher müssen sogar mit 13 Jahren rechnen.

Wie erhalte ich schnell die Formulare für meine Steuererklärung?

Sie erhalten die Vordrucke beim Finanzamt oder im Internet unter www.formulare-bfin.de. Wenn Sie Ihre Steuererklärung elektronisch erledigen, sind weniger Belege nötig als auf traditionellem Weg. Das Finanzamt kann aber Belege nachfordern.

Für die Steuererklärung am PC gibt es gratis das Programm der Finanzverwaltung unter www.elsterformular.de. Die CD mit dem Programm liegt auch dem Finanztest Spezial Steuern 2010 bei. Sie können damit Ihre Steuererklärung übers Internet abgeben.