Viele müssen bis 2. Juni ihre Steuererklärung abgeben. Wir sagen, für wen sie sich lohnt und wie viel Geld sie bringt.

Andrea und Andreas Geibel aus Berlin freuen sich schon auf ihre Steuerrückzahlung, denn sie können beim Finanzamt Ausgaben abrechnen, die sich in jeder Steuererklärung lohnen. Von den zwölf Posten in unseren Tabellen, die leicht Geld bringen, haben Geibels sieben.

Wir wahren das Steuergeheimnis und nehmen an, dass die Juristin und der Ingenieur für 2008 zusammen 90 000 Euro versteuern müssen. Mit ihren Ausgaben können Geibels die Summe auf 84 799 Euro drücken. Sie holen sich 2 134 Euro Einkommensteuer vom Finanzamt zurück.

750 Euro Handwerkerlohn

Los gehts mit dem Handwerker, der vergangenes Jahr in Geibels Eigentumswohnung den Boden im Bad für 750 Euro Lohn neu gefliest hat. Für 2008 erkennt das Finanzamt Löhne für solche Handwerker bis 3 000 Euro an. Die Finanzbeamten ziehen 20 Prozent davon im Steuerbescheid direkt von der Einkommensteuer ab. Bei Geibels sinkt sie dadurch um 150 Euro.

2 272 Euro Betreuungskosten

Andrea und Andreas Geibel sind beide berufstätig. Sie können deshalb Betreuungskosten für den zweijährigen Sohn Anton und die vierjährige Tochter Annika absetzen. Das Finanzamt erkennt für jedes Kind zwei Drittel der Ausgaben als Werbungskosten an  – höchstens sind es 4 000 Euro im Jahr für jedes Kind.

Geibels haben letztes Jahr für Annikas Kindergarten und Antons Krippe jeweils 1 704 Euro bezahlt. Sie setzen deshalb für jedes ihrer Kinder 1 136 (2/3 von 1 704) Euro ab. Das zu versteuernde Einkommen des Ehepaars sinkt deshalb um 2 272 Euro. Statt 90 000 Euro müssen die beiden nur noch 87 728 Euro versteuern.

1 536 Euro Kirchensteuer

Die Juristin und der Ingenieur haben bei der Lohnabrechnung 2008 auch Kirchensteuer gezahlt. Die ist in der Steuererklärung immer ein Renner, weil es für solche Sonderausgaben nur eine kleine Pauschale von 72 (Alleinstehende: 36) Euro im Jahr gibt, wenn Steuerzahler keine höheren Ausgaben nachweisen.

In den meisten Bundesländern gehen 9 Prozent von der Einkommensteuer an die Kirche. Nur in Baden-Württemberg und Bayern sind es 8 Prozent. Von Geibels hat die Kirche im Voraus 1 608 Euro Steuer bekommen (9 Prozent). Die kürzt das Finanzamt um die Pauschale von 72 Euro und zieht die restlichen 1 536 Euro als Sonderausgaben von Geibels Einkünften ab. So müssen die beiden Berliner 2008 nur noch 86 192 Euro versteuern.

300 Euro Spende

Ebenso leicht sparen Andrea und Andreas Geibel mit einer Spende Steuern, die sie einer gemeinnützigen studentischen Vereinigung gespendet haben.

Auch die Spende gehört zu den Posten, für die Geibels nur den Sonderausgabenpauschbetrag von 72 Euro im Jahr erhalten, wenn sie keine höheren Kosten nachweisen. Weil der Pauschbetrag schon von der Kirchensteuer abgegangen ist, kann das Ehepaar die 300 Euro an die studentische Vereinigung voll absetzen. So sinkt das zu versteuernde Einkommen auf 85 892 Euro.

564 Euro für die Arbeit der Juristin

Andrea Geibel hat letztes Jahr außerdem recht hohe Werbungskosten gehabt.

Die Juristin fährt von ihrer Berliner Wohnung zur Arbeit bei der Staatsanwaltschaft in Potsdam 31 Kilometer. Das Finanzamt erkennt für die einfache Fahrt pauschal 9,30 Euro an (30 Cent je Kilometer).

Da Andrea Geibel letztes Jahr 140 Tage Teilzeit gearbeitet hat, kann sie für ihren Arbeitsweg Werbungskosten von 1 302 Euro absetzen (9,30 x 140 Arbeitstage).

Dazu kommen 62 Euro Beitrag für den Deutschen Beamtenbund und 120 Euro für Fachbücher und Büromaterial.

Insgesamt hat die Juristin Werbungskosten von 1 484 Euro. Die rechnet sie in der Steuererklärung ab, weil die Summe über dem Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro im Jahr liegt, den jeder Arbeitnehmer automatisch vom Finanzamt bekommt.

Dadurch drückt Andrea Geibel das Einkommen, dass sie und ihr Mann versteuern müssen, um weitere 564 (1 484 - 920) Euro. Es bleiben 85 328 Euro.

529 Euro für die Arbeit des Ingenieurs

Auch Andreas Geibel gibt seine Werbungskosten in der Steuererklärung an, denn er fährt jeden Tag 21 Kilometer von seiner Wohnung zur Firma. Das bringt beim Finanzamt 6,30 Euro für die einfache Fahrt. So viel erhält der Ingenieur 2008 für insgesamt 230 Arbeitstage und kommt auf Werbungskosten von  1 449 Euro.

Wenn das Finanzamt den Pauschbetrag von 920 Euro abgezogen hat, den Geibel automatisch erhält, bleiben 529 Euro. Vom Einkommen, das das Paar versteuern muss, sind deshalb nur noch 84 799 Euro übrig

5 201 Euro zum Absetzen

Jetzt haben die Juristin und der Ingenieur alle Posten zusammen, die sie über die Pauschalen und Freibeträge hinaus absetzen können. Von den 90 000 Euro, die beide anfangs versteuern mussten, bleiben zum Schluss noch 84 799 Euro:

Am Anfang zu versteuern: 90 000 Euro
– Kinderbetreuung (2 x 1 136 Euro): 2 272 Euro
– Kirchensteuer: 1 536 Euro
– Spenden: 300 Euro
– Werbungskosten Ehefrau: 564 Euro
– Werbungskosten Ehemann: 529 Euro
Zum Schluss zu versteuern: 84 799 Euro

Andrea und Andreas Geibel können 5 201 Euro mehr absetzen, als das Finanzamt automatisch anerkennt.

2 134 Euro Steuerersparnis

Die Steuerersparnis, die beide dafür über die Pauschalen und Freibeträge des Steuerrechts hinaus erhalten, liegt laut unserer Tabelle zwischen 1 908 und 2 282 Euro. Mit dem Finanztest-Internetrechner Grenzsteuersatz findet das Berliner Ehepaar genau heraus, wie viel Geld es mit seinen Ausgaben spart: Geibels erhalten mit ihrer Steuererklärung exakt 1 984 Euro Einkommensteuer vom Finanzamt zurück.

Dazu kommen die 150 Euro vom Lohn des Fliesenlegers, die das Finanzamt direkt von der Einkommensteuer abzieht.

Insgesamt können sich die Juristin und der Ingenieur also über 2 134 Euro freuen. Kein Wunder, dass Geibels ihre Steuererklärung gerne schon vor dem 2. Juni beim Finanzamt abgeben.

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