Anlage Kind: Babyfreuden

Steuererklärung 2004 Meldung

Die Geburt von Carl bringt den jungen Eltern einen Bonus beim Finanzamt. Sie lösen ihn mit der Anlage Kind beim Finanzamt ein.

Wenn das Kind noch minderjährig ist, bereitet die Abrechnung selten Probleme. Etwas schwerer haben es ­Eltern mit erwachsenem Nachwuchs.

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Dieser Spruch passt zumindest fürs Finanzamt.

Der kleine Carl ist erst ein paar Monate alt. Seine Eltern, Ulrich Wangemann und Ulrike Schwarz, haben die Anlage Kind schnell ausgefüllt. Das Finanzamt stellt dann fest, ob sie durch den Kinderfreibetrag und den Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung besser abschneiden als mit dem Kindergeld.

Darum brauchen sich die Eltern gar nicht zu kümmern. Den Vergleich macht das Finanzamt von sich aus.

Bei den jungen Eheleuten müssen die Beamten allerdings monatsgenau rechnen, denn Sohn Carl wurde erst im Februar 2004 geboren. Die Eltern haben wie beim Kindergeld nur für elf Monate Anspruch auf die Freibeträge für Kinder.

Die Finanzbeamten ziehen deshalb bei ihrer Vergleichsrechnung statt 3 648 Euro Kinderfreibetrag nur 3 344 Euro (11 Monate x 304 Euro) vom Einkommen ab und statt 2 160 Euro Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung nur 1 980 Euro (11 x 180 Euro).

Alleinerziehende können jonglieren

Sehr aufpassen müssen bei der Anlage Kind Alleinerziehende. Anstelle des halben Kindergelds steht ihnen jeweils die Hälfte der Kinderfreibeträge zu. Auch die andere Hälfte können sie sich ganz oder teilweise übertragen lassen (siehe Tabelle „Anlage Kind“).

Außerdem müssen Singleeltern den Entlastungsbetrag von 1 308 Euro im Jahr beantragen. Er ist wesentlich geringer als der alte Haushaltsfreibetrag und auch an strengere Bedingungen geknüpft.

Zumindest hat der Gesetzgeber die Regeln rückwirkend zum 1. Januar 2004 erweitert. Nun können alle Mütter oder Väter den Entlastungsbetrag bekommen, egal wie alt ihre Kinder sind. Sie dürfen sogar volljährig sein, wenn die anderen Bedingungen erfüllt sind.

Voraussetzung für den Entlastungsbetrag ist immer, dass die Mutter oder der Vater allein mit den Kindern lebt und dass für diese ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Ein weiterer Erwachsener darf nicht zum Haushalt gehören.

So gibt es keine Entlastung, wenn die Oma im Haushalt lebt. Nur wenn die Oma pflegebedürftig ist (mindestens Pflegestufe I) und nicht mehr als 7 680 Euro Einkünfte/Bezüge im Jahr hat sowie nur wenig Vermögen, bleibt der Freibetrag.

Wenn ein Geschwisterkind erwachsen ist und so viel Lehrlingsgeld verdient, dass das Kindergeld entfällt, geht der Alleinerziehende leer aus. Es bleibt nur beim Freibetrag, wenn Geschwisterkinder im Zivil- oder Wehrdienst sind oder als Entwicklungshelfer arbeiten, auch wenn es für sie kein Kindergeld mehr gibt.

Auf Einzelheiten wie ein Kind im Zivildienst müssen die Eltern in einer selbst gemachten Anlage hinweisen. Denn aus den Eintragungen zum Entlastungsbetrag kann der Bearbeiter das nicht erkennen.

Brenzlige Grenze bei Jugendlichen

Einigen Aufwand haben Eltern mit erwachsenen Kindern in der Ausbildung. Ihnen stehen die Vergünstigungen nur zu, wenn die Einkünfte und Bezüge des Jugendlichen 7 680 Euro nicht übersteigen. Das ist mehr als im vergangenen Jahr. Da lag die brenzlige Grenze bei 7 188 Euro.

Kommt das Kind erst nach Abzug seiner Sozialversicherungsbeiträge unter die Grenze, sollten Eltern die Anlage Kind dennoch abgeben. Ob die Beiträge von den Einnahmen abgezogen werden dürfen, muss das Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvR 167/02) noch entscheiden.

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