Anlage N: Mit einigen ­Abstrichen

Steuererklärung 2004 Meldung

Der Familienvater Ulrich Wangemann hat einen weiten Arbeitsweg. Dafür kann er diesmal viel weniger abziehen als bei der Steuererklärung im Vorjahr.

Arbeitnehmer dürfen nicht mehr so viel für den Weg zur Arbeit ansetzen. Auch die Werbungskostenpauschale wurde gekürzt.

Ulrich Wangemann fährt jeden Tag 87 Kilometer zur Arbeit von Berlin nach Brandenburg. Für seinen Weg zur Arbeit kann der Redakteur wie alle anderen Arbeitnehmer diesmal längst nicht so viel abrechnen wie noch für das Jahr 2003.

Weniger Entfernungspauschale

Der Gesetzgeber hat die Entfernungspauschale stark gekürzt. Bis Ende 2003 hat das Finanzamt noch 36 Cent für die ersten zehn Entfernungskilometer akzeptiert und ab dem 11. Kilometer 40 Cent. Jetzt können Steuerzahler für den Weg zur Arbeit generell nur noch 30 Cent pro Entfernungskilometer pauschal geltend machen.

Das bringt Ulrich Wangemann weniger Werbungskosten:
990 Euro weniger für den Weg zur Arbeit

Einmal in der Woche fährt der Redakteur mit dem Auto die 87 Kilometer in die Redaktion von Berlin-Mitte nach Brandenburg, an den anderen vier Tagen mit der Bahn.

Alte Abrechnung (2003)
Pkw: 46 Tage x 10 km x 0,36 Euro
+ 46 Tage x 77 km x 0,40 Euro: 1 582,40 Euro
Bahn: 184 Tage x 10 km x 0,30 Euro
+ 184 Tage x 77 km x 0,40 Euro
= gekappt auf Höchstbetrag: 5  112,00 Euro
Alte Entfernungspauschale: 6 694,40 Euro

Neue Abrechnung (2004)
Pkw: 46 Tage x 87 km x 0,30 Euro 1 200,60 Euro
Bahn: 184 Tage x 87 km x 0,30 Euro
= gekappt auf Höchstbetrag: 4 500,00 Euro
Neue Entfernungspauschale: 5 700,60 Euro

Im Vergleich zum Jahr 2003 kann der Redakteur 993,80 Euro weniger für den Weg zu Arbeit ansetzen.

Ob das rechtens ist, steht noch auf dem Prüfstand. Denn die Kürzung der Entfernungspauschale war Bestandteil des Haushaltsbegleitgesetzes. Das Bundesverfassungsgericht muss noch feststellen, ob dieses Gesetz verfassungsgemäß zustande gekommen ist (Az. 2 BvR 412/04).

Bekommt Ulrich Wangemann den Steuerbescheid, sollte er wie andere Betroffene innerhalb eines Monats unter Verweis auf die Verfassungsbeschwerde Einspruch einlegen. Beantragt er zugleich Ruhen des Verfahrens, bleibt sein Steuerbescheid bis zur Entscheidung in diesem Punkt offen. Falls die Richter das Haushaltsbegleitgesetz kippen, könnte die alte Entfernungspauschale wieder gültig werden.

Noch einiges offen

Das Verfassungsgericht wird sich auch mit der Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer befassen. Sie ist von 1 044 Euro auf 920 Euro gekürzt worden.

Diese Pauschale bekommen Arbeitnehmer automatisch, wenn sie keine Werbungskosten über 920 Euro nachweisen. Auch sie sollten ihren Steuerbescheid durch Einspruch offen halten und dabei auf die Verfassungsbeschwerde verweisen.

Für Ulrich Wangemann ist die Kürzung der Werbungskostenpauschale unerheblich. Er kommt ohnehin durch seinen langen Weg zur Arbeit auf wesentlich mehr Werbungskosten. Deshalb lohnt es für ihn, auch alle weiteren beruflichen Ausgaben anzugeben, zum Beispiel solche für Arbeitsmittel wie einen Computer.

Werbungskosten auch ohne Job

Seine Frau Ulrike Schwarz muss ihre Werbungskosten extra angeben, denn diese ermittelt das Finanzamt in der gemeinsamen Erklärung für jeden Ehepartner getrennt. Beide müssen die Anlage N ausfüllen.

Die junge Mutter kann zum einen für die Zeit, in der sie im Jahr 2004 noch gearbeitet hat, Ausgaben für den Job auflisten. Zum anderen darf sie berufliche Aufwendungen für die Zeit abrechnen, in der sie wegen ihres Babys zu Hause ist. Solche Ausgaben zählen als vorab entstandene Werbungskosten, wenn ein konkreter Zusammenhang mit ihrem Berufseinstieg nach der Babypause besteht.

Auf jeden Fall muss das Finanzamt Ulrike Schwarz mindestens die Werbungskostenpauschale von 920 Euro zubilligen.

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