In unserem bundesweiten Test von 95 Steuerbescheiden war mehr als jeder fünfte fehlerhaft.

Der Steuerzahler kann sich auf sein Finanzamt nicht blind verlassen. Obwohl es in unserem Test meist um einfache Steuererklärungen ging, waren die Finanzämter häufig überfordert. Nur 74 der überprüften Steuerbescheide waren einwandfrei, 21 nicht. Am schlimmsten war es bei den wenigen schwierigen Steuerklärungen: Von ihnen wurde keine einzige korrekt bearbeitet. Zwar bescherte nur ein Drittel der Fehler den Steuerzahlern Verluste, zwei Drittel hingegen brachten Vorteile. Doch die bezahlt am Ende die Gesamtheit aller Steuerpflichtigen. Von einem Steuerzahler verlangte das Amt 2.506 Mark zu viel, von einem anderen 5.046 Mark zu wenig.

Eine Hauptfehlerquelle war die mangelhafte Prüfung der Belege. Um den Zeitaufwand zu verringern, sollen die Beamten laut Erlass der Finanzverwaltung im Normalfall nicht mehr jeden Beleg akribisch checken, wenn die Angaben des Steuerpflichtigen in sich schlüssig sind. Doch diese Regel wird mitunter überstrapaziert. Da wurden zum Beispiel üppige Spenden anerkannt, obwohl keine Quittung vorgelegt wurde. In einem Fall wurde die Anschaffung eines Teppichs steuerlich begünstigt, obwohl der Steuerzahler gar kein Arbeitszimmer beantragt hatte. In einem anderen Fall bewilligte das Finanzamt die Eigenheimförderung neun statt nur acht Jahre lang. Besonders fehlerträchtig: die Berücksichtigung von Kindern über 18 Jahren, vor allem bei Aufwendungen für die Berufsausbildung oder bei eigenen Einkünften des Kindes.

Oft lehnte der Sachberabeiter aber auch günstige Umstände für den Steuerzahler vorschnell ab. Zum Beispiel wurden Abzugsbeträge nicht ordnungsgemäß von der Lohnsteuerkarte übernommen, Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung nicht anerkannt oder das Körperschaftsteuerguthaben eines Aktienanlegers nicht verrechnet.

Tipps: Gerade in schwierigen Fällen sollten Sie sich an einen Steuerberater wenden. Zeigt der Bescheid Abweichungen zu Ihrer Steuererklärung, empfiehlt sich ein Einspruch, den Sie begründen sollten. Frist: ein Monat nach Zugang des Steuerbescheids. Alle Bescheide, denen wir widersprachen, wurden von den Beamten korrigiert.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Steuererklärung, dass viele Ämter in der Regel ohne detaillierten Nachweis folgende Kosten akzeptieren:

• 230 Arbeitstage für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit. Mehr Arbeitstage müssen vom Arbeitgeber schriftlich bestätigt werden.

• Arbeitsmittel bis 200 Mark.

• Beruflich veranlasste Kontoführungskosten bis 30 Mark jährlich. Bei höheren Kosten muss ein beruflicher Grund nachgewiesen werden.

• Beruflich veranlasste Telefonkosten bis 20 Prozent der Monatsrechnung, wenn die Gesamtmonatsgebühren unter 130 Mark liegen. Liegt die Rechnung zwischen 131 und 230 Mark, werden 26 Mark plus 40 Prozent anerkannt. Bei noch höherer Rechnung sind es 66 Mark plus alle Gebühren über 230 Mark.

Weitere Tipps für die Steuererklärung:

• Egal, ob anerkanntes Arbeitszimmer oder nicht - zusätzlich können Einrichtungsgegenstände als Arbeitsmittel abgesetzt werden, etwa der Schreibtisch im Wohnraum eines Lehrers.

• Kosten für einen Autounfall können abgesetzt werden, wenn sie im Zusammenhang mit dem Beruf entstanden sind: Wenn das Unglück auf dem Weg zur Arbeit passierte oder auf Dienstreisen, auf dem Weg zu einer Fortbildung oder - bei doppelter Haushaltsführung - auf einer Familienheimfahrt.

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