Steuerlaien können Irrtümer noch glattbügeln, auch wenn die Einspruchsfrist des Steuerbescheids längst verstrichen ist. Das müssen sie allerdings triftig begründen. Ein Grund ist zum Beispiel Unwissen über steuerliche Begriffe, belehrte der Bundesfinanzhof in einem Fall das Finanzamt und das Sächsische Finanzgericht (Az. XI R 42/00).

Ein freiberuflicher Architekt gab für 1992 keine Steuerklärung ab, weil er meinte, seine Einkünfte nicht erklären zu müssen, solange er keine Einnahmen hatte. Das Finanzamt setzte im Bescheid für 92 seine Einkünfte auf 0 Mark fest.

Erst ein Jahr später erkannte der Architekt nach Aufklärung durch einen Steuerberater seinen Irrtum: Gewinne (Einkünfte) können im Steuerrecht auch negativ sein. Nachträglich erklärte er deshalb für 1992 seinem Finanzamt 229.000 Mark Verlust (negativer Gewinn). Das brachte ihm den Vorteil, die Verluste mit echten Gewinnen in späteren Jahren verrechnen zu dürfen, sodass er weniger Steuern zahlen muss.

Die Nachbesserung musste das Finanzamt akzeptieren. Denn der Architekt hatte aus Unwissen falsche Angaben gemacht. Er glaubte nach gewöhnlichem Sprachgebrauch, dass Gewinn kein Verlust sei. Steuerzahler sind aber nicht verpflichtet, vor dem Ausfüllen der Steuererklärung fachkundigen Rat einzuholen. Deshalb habe der Architekt den Fehler nicht "grob" verschuldet, begründeten die Richter.

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