Auf diese Stol­perfallen sollten Sie achten

Eltern, Studenten, Rentner, Kranken­versicherte und Arbeitnehmer lesen hier, auf welche Stol­perfallen sie besonders achten sollten. Unser Muster­brief zeigt, wie Sie Einspruch einlegen, wenn Sie einen Fehler in Ihrem Steuer­bescheid gefunden haben oder Kosten nach­reichen wollen.

Eltern

Stimmen alle Abzüge für die Kinder, etwa Kita- und Hort­kosten? Wurden zwei Drittel aller Betreuungs­kosten bis zu maximal 6 000 Euro berück­sichtigt? Gibt es für Kinder über 18 Jahre, die auswärts wohnen, bis zu 924 Euro Ausbildungs­frei­betrag? Geht bei Allein­erziehenden mit einem Kind 1 908 Euro Entlastungs­betrag ab und für jedes weitere Kind jeweils 240 Euro? Stimmen alle Kinder­frei­beträge? Letztere sind oft bei Allein­erziehenden falsch.

Kinder­frei­beträge

Wenn das minderjäh­rige Kind nur bei ihnen gemeldet ist, dürfen sie vom anderen Eltern­teil dessen Frei­betrag von 1 320 Euro auf sich über­tragen. Zahlt der Ex-Partner keinen Unterhalt, erhalten Single-Eltern zudem dessen Frei­betrag von 2 358 Euro. Vorsicht: Die Über­tragung aller Kinder­frei­beträge kann ungünstig sein, weil dann das volle Kinder­geld gegen­gerechnet wird. Allein­erziehende sollten prüfen, ob die Über­tragung der 2 358 Euro allein güns­tiger ist. Wie viel Kinder­frei­beträge abgehen, steht unter „Einkommen“ im Bescheid. Das Amt muss diese auch bei der „Berechnung des Solidaritäts­zuschlags“ berück­sichtigen.

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Studenten

Bachelor­studenten und Azubis wie Tontechniker, die für ihre Ausbildung zahlen, sollten die Kosten für ihre Erst­ausbildung als Werbungs­kosten beim Finanz­amt abrechnen. Obwohl die derzeitige Rechts­lage Kosten für eine Erst­ausbildung nur als Sonder­ausgaben wertet, sollten Studenten diese als Werbungs­kosten abrechnen. Haben sie das nicht getan, holen sie das mit einem Einspruch nach (siehe Muster­brief unten „Ausgaben nach­reichen“).

Beschränkter Sonder­ausgaben­abzug

Die Zeichen stehen gut, dass das Verfassungs­gericht die Praxis stoppt (BVerfG, Az. 2 BvL 23/14, Az. 2 BvL 24/14). Denn der Sonder­ausgaben­abzug ist auf 6 000 Euro pro Jahr beschränkt und hat noch einen Haken: Rechnet ein Student oder Azubi seine Kosten als Sonder­ausgaben ab, spart er nur Steuern, wenn er im selben Jahr auch Einkünfte hat. Könnte er Werbungs­kosten abrechnen, dürfte er per Verlust­vortrag die Kosten so lange verschieben, bis er Einkünfte hat.

Vorläufige Steuer­fest­setzung

Da der Steuer­bescheid in diesem Punkt vorläufig ergeht, muss kein Einspruch einge­legt werden (BMF-Schreiben, 15.01.2018, Vorläufige Steuer­fest­setzung).

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Kranken­versicherte

Für 2017 können mehr Krank­heits­kosten als früher abge­setzt werden, etwa für Zahn­ersatz, ärzt­lich verordnete Arznei-, Heil- und Hilfs­mittel sowie für krank­heits­bedingte Pflege- und Heim­kosten. Zwar muss sich jeder weiterhin einen Eigen­anteil anrechnen lassen, aber dieser ist geringer, weil die Berechnung jetzt stufen­weise erfolgt. Der Gesamt­betrag der Einkünfte steht im Steuer­bescheid unter „Berechnung des zu versteuernden Einkommens“. Die Ausgaben finden sich summiert unter dem Punkt „außergewöhnliche Belastungen“. Hier zeigt sich, ob das Amt den Eigen­anteil richtig angesetzt hat.

Zumut­bare Belastung ermitteln

Wie hoch die zumut­bare Belastung ist, können Steuerzahler online ermitteln (Finanzamt.bayern.de/LfSt/default.php). Haben die Beamten die „zumut­bare Belastung“ zu hoch angesetzt, hilft dagegen nur ein Einspruch. Wer wegen des hohen Eigen­anteils bisher seine Krank­heits­kosten nicht abge­rechnet hat, reicht das mit einem Einspruch nach. Es kann sein, dass sich diese nach der neuen Rechnung auswirken.

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Arbeitnehmer

Angestellte, die dienst­lich viel unterwegs sind, prüfen ihre Fahrt­kosten. Ob für Arbeits­wege die Pend­lerpauschale oder höhere Reise­kosten abge­rechnet werden dürfen, führt häufig zu Streit mit dem Amt.

Pend­lerpauschale

Für Wege von daheim zur ersten Tätig­keits­stätte gibt es nur 30 Cent Pend­lerpauschale je Kilo­meter der einfachen Entfernung. Für alle anderen Wege mit dem eigenen Auto zählt jeder Kilo­meter des Hin- und Rück­wegs mit 30 Cent. Das gilt etwa für Dienst­reisen oder für vorüber­gehende Springer-Tätig­keiten.

Verpflegungs­pauschale

Zudem gibt es für die ersten drei Monate 12 Euro Verpflegungs­pauschale bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit (24 Euro bei 24 Stunden) und 12 Euro für An- und Abreis­etage, wenn über­nachtet wurde. Für Berufs­kraft­fahrer oder wenn nicht mehr als zwei Tage die Woche auf derselben Einsatz­stelle gearbeitet wird, gibt es die Verpflegungs­pauschale sogar unbe­fristet. Unter der „Berechnung des zu versteuernden Einkommens“ im Steuer­bescheid steht, ob das Finanz­amt die Reise­kosten und „Mehr­aufwendungen für Verpflegung“ berück­sichtigt hat.

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Rentner

Fehlt die Anrechnung des Alters­entlastungs­betrags oder wurde er auf die Einkünfte aus 2017 neben der Rente nicht richtig angesetzt? Seine Höhe hängt vom Geburts­jahr ab: Für bis 1940 Geborene beträgt er 40 Prozent der Neben­einkünfte, maximal 1 900 Euro. Für 1951 Geborene sind es 22,4 Prozent bis maximal 1 064 Euro (siehe Tabelle in Paragraf 24a Einkommensteuergesetz). Der Betrag wird vor dem „Gesamt­betrag der Einkünfte“ ausgewiesen.

Güns­tiger­prüfung beantragen

Möglicher­weise sind durch die Entlastung auf Kapital­erträge über dem Sparerpausch­betrag von 801 Euro (1 602 Euro für Ehepartner) weniger als 25 Prozent Abgeltung­steuer fällig. Aber nur, wenn Rentner in der Steuererklärung die Güns­tiger­prüfung in der Anlage KAP beantragt haben. Antrag vergessen? In der Einspruchs­frist kann die Güns­tiger­prüfung noch beantragt werden.

Werbungs­kostenpauschalen

Wer 2017 Gehalt und eine Rente oder Pension bezogen hat, erhält zwei Werbungs­kostenpauschalen. Wie viel das Amt für die Rente oder Pension berück­sichtigt hat, steht bei „Berechnung des zu versteuernden Einkommens“ unter Renten­einkünfte. Stehen dort 102 Euro, ist die Pauschale berück­sichtigt.

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Muster­brief: Einspruch einlegen

Sie haben Fehler in Ihrem Steuer­bescheid gefunden? Ihre Ausgaben wurden nicht anerkannt? Sie möchten Kosten nach­reichen? So gehts:

Einkommensteuer­bescheid 2017 vom ..., Steuer­nummer ...

Gegen den oben genannten Steuer­bescheid lege ich Einspruch ein.

Zeit wird knapp? Eine ausführ­liche Begründung liefere ich nach bis zum ...

Erläuterungen unver­ständlich? Aus dem Bescheid ist nicht ersicht­lich, aus welchen Gründen von meiner Erklärung abge­wichen wurde.

Ausgaben nach­reichen? Erst jetzt habe ich fest­gestellt, dass ich noch folgende Ausgaben für 2017 geltend machen kann ... Ich bitte, diese in Höhe von ... anzu­erkennen.

Andere Rechts­auffassung? Zu den nicht anerkannten Kosten ... verweise ich auf das anhängige Verfahren beim Bundes­finanzhof/Bundes­verfassungs­gericht (Az. ...). Gemäß § 363 Abgaben­ordnung ruht das Verfahren von Amts wegen.

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