Steuer­bescheid 2017 Special

Zwei von drei Einsprüchen gegen Steuer­bescheide sind erfolg­reich.

Selbst in Zeiten der elektronischen Steuererklärung kann der Bescheid fehler­haft sein. Zwar berechnet eine Software die Steuer, Zahlen und Daten bekommt der Computer aber weiterhin von Sach­bearbeitern, Kranken­versicherungen, Renten­trägern und den Steuerzah­lern selbst. Ohne sorgfältige Kontrolle des Steuer­bescheids bleiben Fehler womöglich unbe­merkt. Das kann die Erstattung schmälern oder Nach­zahlungen in die Höhe treiben. Genau prüfen lohnt sich also. Wir zeigen, wie es geht.

Zwei Millionen erfolg­reiche Einsprüche

Wer Einspruch erhebt, hat in zwei von drei Fällen Erfolg. Um wie viel Euro es dabei geht, ist individuell. „Und auch den einen typischen Fehler für alle gibt es nicht“, sagt Tobias Gerauer von der Lohn­steuer­hilfe Bayern. Worauf aber zum Beispiel besonders Eltern, Rentner und Studenten achten müssen, zeigt unser Special. Klar ist für Gerauer jedenfalls, dass sich prüfen lohnt: „Mehr als drei Millionen Steuerzahler legten im letzten Jahr Einspruch gegen ihren Steuer­bescheid ein – und mehr als zwei Millionen lagen damit richtig.“

Prüfen – auch wenn alles stimmt

Auch wenn alles zu stimmen scheint und die errechnete Erstattung heraus­gekommen ist, sollten die einzelnen Werte über­prüft werden. Vielleicht hat das Finanz­amt bestimmte Ausgaben zwar anerkannt, will das aber im nächsten Jahr nur noch unter bestimmten Voraus­setzungen tun. Oder einige Beträge im Bescheid sind Grund­lage für bestimmte Leistungen wie Bafög oder Kita-Beiträge. Deshalb müssen sie stimmen, damit die Leistungen nicht geringer ausfallen oder gar wegfallen.

Rechnungen nach­reichen

Manchem Steuerzahler fällt erst beim Durch­sehen des Bescheids auf, dass er eine Rechnung etwa für Hand­werker oder Hörgeräte vergessen hat. Auch diese kann er einfach per Einspruch nach­reichen, auch per E-Mail oder via Elster. Einen Monat hat er dafür Zeit (siehe Unser Rat).

Unser Rat

Fehler finden. Vergleichen Sie Ihren Steuer­bescheid Punkt für Punkt mit Ihrer Steuererklärung. Für Elster-Nutzer gibt es einen Daten­abgleich online (siehe „Elster liefert Daten­abgleich direkt mit“, unten).

Genau lesen. Hat das Finanz­amt die von Ihnen erklärten Daten geändert, finden Sie dazu Anmerkungen in den Erläuterungen ganz am Ende des Bescheids.

Schnell handeln. Siehaben einen Monat Zeit, Einspruch einzulegen. Liegt der Bescheid in der Post, gilt er am dritten Tag nach dem Datum des Bescheids als bekannt gegeben. An diesem Tag beginnt die Frist (bei Sonn- und Feier­tagen am nächsten Werk­tag). Ist der Bescheid vom 4. Juni, beginnt sie am 7. Juni und endet am 9. Juli 2018.

Später korrigieren. Einfache Schreib- und Rechnenfehler oder falsch über­mittelte Daten muss das Finanz­amt auch noch nach Ablauf der Einspruchs­frist korrigieren.

Posten für Posten abgleichen

Stimmt das Ergebnis im Steuer­bescheid nicht mit der Berechnung über­ein, hat das Finanz­amt wahr­scheinlich Ausgaben gestrichen. Häufig ist aus dem Bescheid aber nicht ersicht­lich, warum das Finanz­amt Angaben aus der Erklärung ignoriert hat. Es hält sich zum Beispiel blind an die Daten, die elektronisch von Arbeit­gebern, Krankenkassen und Renten­versicherern über­mittelt wurden. Bestenfalls steht in den klein gedruckten Erläuterungs­texten am Ende des Bescheids, dass die über­mittelten Daten angesetzt wurden – und nicht die erklärten. Steuerzahler müssen solche Unstimmig­keiten aufklären. Ein penibler Zahlen­abgleich bleibt ihnen nicht erspart.

Elster punktet mit extra Service

Für Elster-Nutzer, die ihre Steuererklärung mit Zertifikat über das Online­programm der Finanz­verwaltung verschickt haben, ist die Fehler­suche leicht. Mit dem Steuer­bescheid liefert Elster auch einen „Vergleich für den Einkommensteuer­bescheid 2017“ mit. Nutzer finden ihn im Elster-Post­fach (siehe „Elster liefert Daten­abgleich direkt mit“). Darin wird Zeile für Zeile verglichen, Abweichungen werden gekenn­zeichnet.

Daten­über­nahme aus dem Vorjahr mögliche Fehler­quelle

Tückisch sind eigene Patzer: Hat der Anwender Ausgaben vergessen oder Kosten falsch angegeben, fällt das bei der Vergleichs­rechnung nicht auf, wenn das Finanz­amt so veranlagt hat, wie es in der Erklärung angegeben war. Zu Fehlern kann auch die Daten­über­nahme aus dem Vorjahr führen. Werden Daten nicht aktualisiert, können zu hohe Einkünfte oder zu nied­rige Werbungs­kosten in die Erklärung gelangen. Nutzerfreundlich: Der Einspruch kann mittels Eingabemaske mit Elster einfach elektronisch verschickt werden.

Auch Steuer­programme bieten Hilfe

Über die meisten Steuersoftware­programme kann sich der Nutzer die Daten des Steuer­bescheids vom Finanz­amt holen und diese mit der einge­reichten Steuererklärung vergleichen. So fällt die Kontrolle relativ leicht. Zusatz­angebot zu Elster: Vorlagen helfen beim Formulieren des Einspruchs. Sollte die Daten­über­mitt­lung nicht möglich sein, müssen Software­anwender den Bescheid mit der Steuerbe­rechnung, die das Programm bei Abgabe erstellt hat, per Hand vergleichen. 

Per Formular: Auf sich allein gestellt

Bei der Papier­erklärung ist es natürlich ungemein schwieriger, weil es keine Steuerbe­rechnung als Vergleichs­grund­lage gibt. Steuerzahler müssen genau wissen, was im Bescheid bei den einzelnen Posten als jeweilige Summe stehen sollte. Bei den Werbungs­kosten aus nicht­selbst­ständiger Arbeit dürfte das noch relativ einfach sein. Schwieriger wird es aber schon bei der Über­prüfung von Vorsorgeaufwendungen oder von berück­sichtigten Krank­heits­kosten, weil hier die Berechnungen nicht so einfach sind. Am Ende bleibt nur, die Daten aus der Papier-Steuererklärung Posten für Posten mit dem Steuer­bescheid abzugleichen. Damit können zumindest Schreib­fehler und Zahlendreher ausgeschlossen werden und erkannt werden, ob das Finanz­amt alle Ausgaben über­nommen hat.

Elster liefert Daten­abgleich direkt mit

Guter Service. Zeitgleich mit dem Steuer­bescheid haben Elster-Nutzer eine Über­sicht (siehe Beispiel unten) in ihrem Elster-Post­fach. Sie zeigt, in welchen Punkten das Amt von der Erklärung abge­wichen ist und welche Daten es selbst zugrunde gelegt hat. Nächster Schritt für den Steuerzahler ist die Fehler­suche. Ein Einspruch mit Verweis auf den Abgleich reicht nicht aus. Hinweise auf Abweichungen geben die Erläuterungen im Steuer­bescheid. Häufig hilft auch ein Anruf beim Sach­bearbeiter weiter (Telefon­nummer auf dem Steuer­bescheid). Hat er den Fehler gefunden, kann der einge­loggte Elster-Nutzer über eine Eingabemaske seinen Einspruch ans Amt senden (unter „Formulare & Leistungen“ und dann „Anträge, Einspruch und Mitteilungen“).

Steuer­bescheid 2017 Special

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