Für Arbeitnehmer und Rentner: Lohn­steuer­hilfe­ver­ein

„Die Lohn­steuer­hilfe­ver­eine erfreuen sich seit Jahren guten Zulaufs, die Mitglieder­zahlen steigen“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (BVL). Wer Hilfe bei einem der Vereine sucht, muss Mitglied werden. Fast wird über­all eine einmalige Aufnahme­gebühr fällig, häufig um die 10 bis 20 Euro. Jähr­lich muss das Mitglied dann eine Gebühr zahlen, die sich an seinen Brutto­jahres­einnahmen orientiert. Große Vereine verlangen zwischen 35 und 442 Euro pro Jahr (siehe Tabelle).

Beratung kostet 149 Euro im Schnitt

Im Schnitt zahlen Mitglieder des größten Vereins, der Vereinigten Lohn­steuer­hilfe e. V. (VLH), 149 Euro für ihre Steuererklärung. Bei der Höhe der Mitglieds­beiträge gibt es re­gional Unterschiede zwischen den Vereinen. Lassen sich Ehepartner nicht gemein­sam veranlagen, müssen beide die Gebühr nach der Höhe ihrer jeweiligen Jahres­einnahmen entrichten. Das kann teurer sein als die gemein­same Steuererklärung.

Leistungen der Lohn­steuer­hilfe

Für den Mitglieds­beitrag versprechen die Vereine das gesamte Jahr über steuerlichen Rat zu üblichen Steuerfragen von Arbeitneh­mern, etwa der Wahl der passenden Steuerklasse oder dazu, wie ein Frei­stellungs­auftrag für die Bank korrekt ausgefüllt wird. Zudem geben sie ihren Kunden Tipps, wie diese Steuern sparen können. Die Vereine erstellen für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, sie berechnen die Steuer­nach­zahlung oder -rück­erstattung und sie prüfen den Steuer­bescheid. Wenn ­nötig, ­legen sie auch Einspruch gegen den ­Bescheid ein. Im Streitfall klagen sie für ihre Mitglieder vor dem Finanzge­richt, sofern das sinn­voll erscheint.

Keine Beratung für Gewer­betreibende

Arbeitnehmer mit Einkünften aus selbst­ständiger Tätig­keit haben Pech: Wer etwa auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage hat und den Strom ins Netz eines Strom­anbieters einspeist, betreibt ein Gewerbe und kann sich nur an einen Steuerberater wenden. Aufteilen lässt sich die Steuererklärung nicht. Mit der Einkommensteuer zum Lohn­steuer­hilfe­ver­ein, mit der Solar­anlage zum Steuerberater – das geht nicht. Es gibt keine Mandats­teilung. Ähnliches gilt für Ehepaare, die eine gemein­same Steuererklärung machen: Wenn ein Partner Arbeitnehmer, der andere aber selbst­ständig ist und sich beide gemein­sam veranlagen wollen, können sie sich nicht von einem Lohn­steuer­hilfe­ver­ein helfen lassen. Sie müssen einen Steuerberater aufsuchen.

Neben­einkünfte erlaubt

Eigentlich dürfen die Vereine nur in Lohn­fragen beraten. Doch sie helfen auch, wenn sich Einnahmen aus Kapital­vermögen oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung neben dem Gehalt in Grenzen halten. Bei Allein­stehenden dürfen es 13 000 Euro sein, bei Ehepaare bis zu 26 000 Euro im Jahr. Wer also ein Aktiendepot besitzt, muss nicht gleich zum Steuerberater. Kapi­taler­träge, die wegen bereits einbehaltener Ab­geltung­steuer in der Steuererklärung nicht erklärt werden, bleiben bei der Einnahme­grenze unbe­rück­sichtigt. 

Den richtigen Verein finden

Die Suche nach dem passenden Verein in der Nähe geht einfach online: Eine Adresse ist zum Beispiel der Zertifizierungs­verband der Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (ZVL). Auf dessen Internetseite unter zvlonline.de können Interes­sierte Vereine nach Post­leitzahl oder Ort suchen. Dort finden sich nur Beratungs­stellen, die nach den Maßgaben der Din-Norm 77 700 zertifiziert wurden.

Eine danach zertifizierte Lohn­steuer­hilfe muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Beratungs­stelle muss gut erreich­bar sein.
  • Termine sollen inner­halb von zwei Wochen angeboten werden.
  • Es muss eine individuelle Beratung mit ausreichend viel Zeit statt­finden.
  • Nach Vorliegen aller Unterlagen muss eine kurz­fristige Bearbeitung erfolgen.
  • Es gibt eine schriftliche Information über die Voraus­berechnung der Steuererklärung.
  • Der Steuer­bescheid wird geprüft.

Tipp: Es besteht keine Pflicht, die orts­ansässige Lohn­steuer­hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch nach einem Umzug dürfen Sie sich von Ihrer alten Beratungs­stelle helfen lassen.

Alternative Gewerk­schaft

Gewerk­schafts­mitglieder können sich auch von ihrer Gewerk­schaft steuerlich beraten lassen. Bei der Beratung gelten ähnliche Beschränkungen wie bei den Lohn­steuer­hilfe­ver­einen. Zum Teil arbeiten Gewerk­schaften mit Lohn­steuer­hilfe­ver­einen zusammen und gewähren ihren Mitgliedern güns­tigere Konditionen.

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