Steuerberatung

Für Arbeitnehmer und Rentner: Lohn­steuer­hilfe­ver­ein

14.02.2017

„Die Lohn­steuer­hilfe­ver­eine erfreuen sich seit Jahren guten Zulaufs, die Mitglieder­zahlen steigen“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (BVL). Wer Hilfe bei einem der Vereine sucht, muss Mitglied werden. Fast wird über­all eine einmalige Aufnahme­gebühr fällig, häufig um die 10 bis 20 Euro. Jähr­lich muss das Mitglied dann eine Gebühr zahlen, die sich an seinen Brutto­jahres­einnahmen orientiert. Große Vereine verlangen zwischen 35 und 442 Euro pro Jahr (siehe Tabelle).

Inhalt

Beratung kostet 149 Euro im Schnitt

Im Schnitt zahlen Mitglieder des größten Vereins, der Vereinigten Lohn­steuer­hilfe e. V. (VLH), 149 Euro für ihre Steuererklärung. Bei der Höhe der Mitglieds­beiträge gibt es re­gional Unterschiede zwischen den Vereinen. Lassen sich Ehepartner nicht gemein­sam veranlagen, müssen beide die Gebühr nach der Höhe ihrer jeweiligen Jahres­einnahmen entrichten. Das kann teurer sein als die gemein­same Steuererklärung.

Leistungen der Lohn­steuer­hilfe

Für den Mitglieds­beitrag versprechen die Vereine das gesamte Jahr über steuerlichen Rat zu üblichen Steuerfragen von Arbeitneh­mern, etwa der Wahl der passenden Steuerklasse oder dazu, wie ein Frei­stellungs­auftrag für die Bank korrekt ausgefüllt wird. Zudem geben sie ihren Kunden Tipps, wie diese Steuern sparen können. Die Vereine erstellen für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, sie berechnen die Steuer­nach­zahlung oder -rück­erstattung und sie prüfen den Steuer­bescheid. Wenn ­nötig, ­legen sie auch Einspruch gegen den ­Bescheid ein. Im Streitfall klagen sie für ihre Mitglieder vor dem Finanzge­richt, sofern das sinn­voll erscheint.

Keine Beratung für Gewer­betreibende

Arbeitnehmer mit Einkünften aus selbst­ständiger Tätig­keit haben Pech: Wer etwa auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage hat und den Strom ins Netz eines Strom­anbieters einspeist, betreibt ein Gewerbe und kann sich nur an einen Steuerberater wenden. Aufteilen lässt sich die Steuererklärung nicht. Mit der Einkommensteuer zum Lohn­steuer­hilfe­ver­ein, mit der Solar­anlage zum Steuerberater – das geht nicht. Es gibt keine Mandats­teilung. Ähnliches gilt für Ehepaare, die eine gemein­same Steuererklärung machen: Wenn ein Partner Arbeitnehmer, der andere aber selbst­ständig ist und sich beide gemein­sam veranlagen wollen, können sie sich nicht von einem Lohn­steuer­hilfe­ver­ein helfen lassen. Sie müssen einen Steuerberater aufsuchen.

Neben­einkünfte erlaubt

Eigentlich dürfen die Vereine nur in Lohn­fragen beraten. Doch sie helfen auch, wenn sich Einnahmen aus Kapital­vermögen oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung neben dem Gehalt in Grenzen halten. Bei Allein­stehenden dürfen es 13 000 Euro sein, bei Ehepaare bis zu 26 000 Euro im Jahr. Wer also ein Aktiendepot besitzt, muss nicht gleich zum Steuerberater. Kapi­taler­träge, die wegen bereits einbehaltener Ab­geltung­steuer in der Steuererklärung nicht erklärt werden, bleiben bei der Einnahme­grenze unbe­rück­sichtigt. 

Den richtigen Verein finden

Die Suche nach dem passenden Verein in der Nähe geht einfach online: Eine Adresse ist zum Beispiel der Zertifizierungs­verband der Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (ZVL). Auf dessen Internetseite unter zvlonline.de können Interes­sierte Vereine nach Post­leitzahl oder Ort suchen. Dort finden sich nur Beratungs­stellen, die nach den Maßgaben der Din-Norm 77 700 zertifiziert wurden.

Eine danach zertifizierte Lohn­steuer­hilfe muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Beratungs­stelle muss gut erreich­bar sein.
  • Termine sollen inner­halb von zwei Wochen angeboten werden.
  • Es muss eine individuelle Beratung mit ausreichend viel Zeit statt­finden.
  • Nach Vorliegen aller Unterlagen muss eine kurz­fristige Bearbeitung erfolgen.
  • Es gibt eine schriftliche Information über die Voraus­berechnung der Steuererklärung.
  • Der Steuer­bescheid wird geprüft.

Tipp: Es besteht keine Pflicht, die orts­ansässige Lohn­steuer­hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch nach einem Umzug dürfen Sie sich von Ihrer alten Beratungs­stelle helfen lassen.

Alternative Gewerk­schaft

Gewerk­schafts­mitglieder können sich auch von ihrer Gewerk­schaft steuerlich beraten lassen. Bei der Beratung gelten ähnliche Beschränkungen wie bei den Lohn­steuer­hilfe­ver­einen. Zum Teil arbeiten Gewerk­schaften mit Lohn­steuer­hilfe­ver­einen zusammen und gewähren ihren Mitgliedern güns­tigere Konditionen.

14.02.2017
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