Für Selbst­ständige: Steuerberater

Steuer­pflichtige mit Einkünften aus Land- und Forst­wirt­schaft, Gewerbe­betrieb oder aus selbst­ständiger Tätig­keit können sich nicht an Lohn­steuer­hilfe­ver­eine wenden. Sie müssen Rat beim Steuerberater oder einem Steuerbevoll­mächtigten suchen. Angestellte haben dagegen die freie Wahl – sie dürfen sich ihren Experten aussuchen.

Kosten für die Steuerberatung

Was ein Steuerberater kostet, können Verbraucher nicht leicht nach­voll­ziehen. Einen Anhalts­punkt geben die Tabellen der Steuerberater­vergütungs­ver­ordnung (StBVV). Die Verordnung setzt die Mindest- und Höchst­gebühren fest, welche Steuerberater für Leistungen berechnen müssen und dürfen. Wie viel es im Einzel­fall ist, hängt von Details und Aufwand ab. Klar ist: Die Gebühren für eine Steuererklärung über den Steuerberater sind in aller Regel höher als beim Lohn­steuer­hilfe­ver­ein.

Berater muss Gebühr im Zweifel begründen können

Jeder Tätig­keit ist eine Höchst­gebühr zuge­ordnet. Allerdings darf der Steuerberater nicht grund­sätzlich den Maximal­betrag fordern, sondern je nach Sach­verhalt und Aufwand nur anteilige Beträge. Verlangt der Berater für eine Tätig­keit mehr als die mitt­lere Gebühr, muss er das seinem Mandanten gegen­über begründen können.

Auf den Gegen­stands­wert kommt es an

Je höher der sogenannte Gegen­stands­wert und je komplexer der Fall, desto höher fällt auch die Rechnung aus. Der sogenannte Gegen­stands­wert ist zumeist der Wert der Sache, um die sich der Berater kümmern soll. Er richtet sich zum Beispiel nach der Höhe der Einkünfte.

Beispiel: Ein Angestellter verdient monatlich 4 500 Euro brutto und bekommt zusätzlich ein 13. Gehalt – insgesamt kommt er auf 58 500 Euro Lohn im Jahr und hat Werbungs­kosten von 1 500 Euro. Bei der Kostenbe­rechnung für die Einkommensteuererklärung beläuft sich der Gegen­stands­wert auf 60 000 Euro. Im Mittel kostet die Hilfe des Steuerberaters rund 413 Euro.

Tipp: Seit einer Gesetzes­änderung, die im Juli 2016 in Kraft getreten ist, dürfen Sie und Ihr Steuerberater mittels einer Vergütungs­ver­einbarung ausmachen, dass die Kosten für die Steuererklärung die Honorar­ordnung unter- und über­schreiten dürfen. Klären Sie vorab also unbe­dingt, wie der Berater abrechnen möchte. Es kann sich für Sie lohnen, mit ihm zu verhandeln.

Gute Vorbereitung kann Geld sparen

Um den Aufwand des Steuerberaters und damit die Kosten klein zu halten, lohnt sich eine gute Vorbereitung. „Man kann als Mandant seine Abrechnung auch zu seinen Gunsten beein­flussen, indem man seine Unterlagen schon gut vorsortiert dem Steuerberater über­gibt und ihm so die Arbeit erleichtert“, erläutert Steuerberater Heinz-Dieter Blümke, Vorsitzender des Rechts- und Berufs­rechts­ausschusses des Deutschen Steuerberater­verbands (DStV). „Es ist schon Spielraum vorhanden, den der Steuerberater nach billigem Ermessen inner­halb des Rahmens der Steuerberater­vergütungs­ver­ordnung nutzen kann.“

Rechnung nach­voll­ziehen

Sobald die Arbeit des Beraters erledigt ist, muss er eine nach­voll­zieh­bare Rechnung erstellen. „Damit der Mandant die Honorar­rechnung tatsäch­lich leicht nach­voll­ziehen kann, muss der Berater in seiner Rechnung bestimmte formelle Angaben machen“, erläutert Thomas Hund, stell­vertretender Haupt­geschäfts­führer und Leiter der Abteilung Recht und Berufs­recht der Bundes­steuerberaterkammer. So muss der Berater nicht nur die Beträge der einzelnen Gebühren, eine ­Bezeichnung des Gebührentat­bestands, sondern auch die Vorschriften der Vergütungs­ver­ordnung und den Gegen­stands­wert angeben.

Hilfe im Konfliktfall

Wer die Rechnung nicht versteht, sollte zunächst beim Berater nach­fragen. Kann der die Kosten nicht plausibel erklären, gibt es im Konfliktfall noch andere Möglich­keiten, sich zu wehren. „Sollte es doch einmal zu Problemen kommen, sind die Steuerberaterkammern Ansprech­partner für Mandanten“, sagt Hund. Steuerberater und Steuerbevoll­mächtigte unterliegen besonderen Berufs­pflichten, über­wacht von den Steuerberaterkammern: Sie müssen ihren Beruf unabhängig, eigen­ver­antwort­lich, gewissenhaft und verschwiegen ausüben. Die jeweils zuständige Steuerberaterkammer fungiert im Streit zwischen Steuerberater und Mandant als Schlichtungs­stelle.

Berater von der Steuer absetzen

Die Kosten für den Berater lassen sich von der Steuer absetzen: Allerdings kommt es dabei darauf an, was man den Berater machen lässt. Die Ausgaben für die Beratung dürfen nicht privat veranlasst sein. Thomas Hund von der Bundes­steuerberaterkammer erklärt: „Will man Steuerberatungs­kosten steuerlich geltend machen, müssen sich die Ausgaben auf die Ermitt­lung der Einkünfte beziehen und damit rein betrieblich oder beruflich veranlasst sein. Dann ­lassen sie sich als Betriebs­ausgaben oder Werbungs­kosten absetzen.“ Da haben Selbst­ständige bessere Karten als Angestellte. Steuerberater Heinz-Dieter Blümke ergänzt: „Gebühren für das Ausfüllen des Mantelbogens zur Einkommensteuererklärung erkennt der Fiskus nicht an, wohl aber sind die Beratungs­kosten für das Ausfüllen der Anlagen N, V, G oder SO in der jeweiligen Einkunfts­art als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben absetz­bar.“

Steuerberater finden

Such­portale im Internet können bei der Suche nach einem Berater in der Nähe helfen, etwa das Portal der Bundes­steuerberaterkammer unter bstbk.de. Daneben bietet der Deutsche Steuerberater­verband eine Internet­suche unter steuerberater-suchservice.de an. Hier lässt sich die Suche eingrenzen, etwa gezielt auf das Fach­gebiet des Beraters. Alternativ kommt eine Suche über das bundes­weite Steuerberater­verzeichnis infrage, in dem alle in Deutsch­land zugelassenen Steuerberater, Steuerbevoll­mächtigten und Steuerberatungs­gesell­schaften gelistet sind. Häufig lohnt auch eine Nach­frage im Kollegen- oder Bekann­tenkreis. Wer zufrieden ist, empfiehlt seinen Berater gerne weiter. Möchten Sie Ihre Steuererklärung doch lieber selbst machen?

Tipp: Wie gut Steuersoftware und Online-Steuer­programme sind, klärt unser Steuersoftware-Test.

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