Steuerberater-Hotlines bringen wenig Hilfe. Oft werden Anrufer falsch beraten.

Schnell, bequem und preiswert ­ mit solchen Vorzügen werben immer mehr Hotlines für ihre Angebote. Diesem Trend haben sich auch einige Steuerberater angeschlossen. Mit dem heißen Draht wollen sie ihren Mandanten durch das Dickicht von Gesetzen und steuerlichen Bestimmungen helfen. Für viele Verbraucher klingt das Angebot verlockend, wenn sie fernab vom nächsten Steuerberater wohnen oder aus anderen Gründen den Berater nicht persönlich aufsuchen wollen.

Die Stiftung Warentest hat zwei bekannte Steuerberater-Hotlines getestet: Profifon Steuern (0190 8/8 68 69) und InfoGenie Steuer (0 190 8/7 32 45 14). Ein dritter Anschluß (Dr. Dieter Nennen, 0190 8/7 24 03 51) war permanent nicht erreichbar und konnte deshalb nicht geprüft werden. Die Tester riefen bei beiden Hotlines im Abstand von mehreren Tagen dreimal an. Sie suchten in jedem der Gespräche Rat zu jeweils einem Fall.

Im ersten Fall ging es um die Reaktion auf den Steuerbescheid, im zweiten um Reisekosten und den Firmenwagen und im dritten um eine Erbschaft.

Die Beratung brachte in keinem der getesteten Fälle brauchbare Lösungen. Wären die Mandanten dem Rat per Telefon gefolgt, hätten sie durchweg eine Menge Geld verloren.

Ein InfoGenie-Berater, der seinen Namen in weiser Voraussicht nicht nannte, lag beim Thema Erbschaft nicht nur in allen Teilproblemen konsequent daneben, sondern verwies einen Anrufer sogar von sich aus an einen Lohnsteuerhilfeverein. Offenbar wußte er nicht, dass diese Vereine für Erbschaftsteuersachen keine Beratungsbefugnis haben. Dem Telefonberater hat es nicht geschadet, für ihn lief der Gebührenzähler trotzdem weiter. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Fehler programmiert

Wer seinem Steuerberater schon einmal eine vermeintlich einfache Frage gestellt hat, kennt die Reaktion: Der Berater kommt ins Grübeln, schlägt nach, bittet um Bedenkzeit. Das ist alles andere als ehrenrührig. Das komplizierte Steuersystem, das Tempo, mit dem steuerliche Bestimmungen erlassen, korrigiert und zurückgenommen werden, die Fülle der Finanzgerichtsurteile zwingen jeden Berater zu einer immer aufwendigeren Analyse des Sachverhalts. Hinzu kommt, dass Mandanten ihre eigenen Probleme oftmals gar nicht oder nur unvollständig erkennen und formulieren können. Der Berater braucht eine Menge Sachkenntnis, Engagement und Zeit, um überhaupt zum Kern eines Problems vorzudringen. Während eines Telefongesprächs von wenigen Minuten schafft es der beste Berater kaum, sich einen Überblick über einen konkreten Steuerfall zu verschaffen.

Viele Steuerberater halten deshalb von den Hotlines ihrer Kollegen generell nichts. Die Steuerberaterkammer Niedersachsen will sogar gerichtlich erreichen, dass die Hotline InfoGenie Steuer ihre Tätigkeit einstellt.

Unnötige Pannen

Die Steuerberater am heißen Draht versagten zum Teil selbst bei wirklich einfachen Fragen. So lag ein Profifon-Berater voll daneben, als er der An- ruferin beschied, sie könne für ihre Fortbildungsveranstaltung keine Verpflegungskosten geltend machen. Wäre sie dem Rat gefolgt, hätte sie 2.782 Mark Werbungskosten eingebüßt. Die ließen sich auch mit dem zweiten falschen Rat, nämlich die Fahrtkosten zum Seminar mit 52 Pfennig pro Pkw-Kilometer abzusetzen, nicht wieder hereinholen. Es handelte sich im Beispielfall um einen Firmenwagen, bei dem Aufwendungen für dienstlich zurückgelegte Kilometer nicht als Werbungskosten abgezogen werden dürfen.

Eine weitere Behauptung ließ den Tester zweifeln, ob am anderen Ende des heißen Drahtes tatsächlich der Steuerberater saß oder die Pausenvertretung: Ob für die Abrechnung des Firmenwagens mit dem Finanzamt das Fahrtenbuch oder die so genannte 1-Prozent-Methode günstiger ist, hänge vom Gehalt der Anruferin ab, meinte der Profifoner.

Er hatte offenbar das System gar nicht begriffen: Letztlich entscheiden Listenpreis und Umfang der privaten Nutzung des Fahrzeugs darüber, welche Abrechnungsmethode für den Steuerzahler vorteilhafter ist.

Der Kollege von InfoGenie teilte bei Verpflegungs- und Pkw-Kosten ziemlich exakt die falsche Meinung des Profifoners. Vom Fahrtenbuch der Anruferin wollte er gar nichts wissen, üblich sei die 1-Prozent-Methode, basta. Dass die Anruferin damit 2.396 Mark im Jahr mehr versteuern muss, wird er nie erfahren, denn für Details des Falls hatte er kein Ohr. Als er dann noch empfahl, für die arbeitstäglichen Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb 52 Pfennig pro Kilometer als Werbungskosten abzusetzen, war das sogar in zweifacher Hinsicht falsch. Es zählt nur die einfache Entfernung und zwar mit jeweils 70 Pfennigen pro Kilometer. Viel mehr Fehlberatung ließ sich in der Kürze der Zeit kaum unterbringen.

Erstaunlich waren die vielen Elementarfehler. Ein Berater behauptete trotz mehrfacher Nachfrage, dass Kinder 500.000 Mark steuerfrei erben dürfen. Tatsächlich sind es 400.000 Mark. Ein anderer mochte nicht von seiner Meinung lassen, dass der Erbschaftsteuersatz für Kinder des Erben konstant 11 Prozent betrage. In Wirklichkeit ändert sich dieser Satz mit dem Wert der Erbschaft.

In manchen Situationen fiel es den Anrufern schwer, sich das Lachen zu verkneifen: Ein Berater nahm mangels eigenem Taschenrechner das Angebot der Anruferin, selbst zu rechnen, dankbar an und diktierte ihr die Zahlen.

Kosten und Haftung

Von den Anrufern der Hotlines verlangt die Telekom 3,63 Mark pro Minute, davon gehen 2,89 Mark an den Steuerberater. Eine Telefonberatung kann maximal 217,80 Mark kosten, weil nach 60 Minuten die Verbindung automatisch unterbrochen wird. Verglichen mit mancher Steuerberaterrechnung ist das wenig. Doch wenn 15 Minuten Falschberatung 54,45 Mark kosten, ist der Preisvorteil dahin. Wenn dann durch den falschen Rat noch ein Schaden entsteht, wirken Steuerberaterhonorare fast schon wie Schnäppchen.

So würde das Gespräch beim Steuerberater im 1. Fall, in dem es um den Steuerbescheid geht, etwa 180 Mark kosten. Richtige Beratung vorausgesetzt, legt der Anrufer anschließend Einspruch ein und das Finanzamt muss rund 10.000 Mark Unterhaltskosten akzeptieren.

Läuft alles optimal, ist außerdem noch der Abzug von 60.000 Mark Werbungskosten gerettet. Das hätte für den Anrufer im besten Fall eine Einkommensteuersenkung von 37.100 Mark gebracht sowie einen Nachlass bei Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Die Telefonhotlines kosteten in diesem Fall zwar nur 20,04 und 53,04 Mark Gebühren, durch den falschen Tipp hätten sie jedoch alle Steuersparmöglichkeiten vermasselt.

Natürlich wird nicht nur an Hotlines falsch beraten, das geht auch im persönlichen Gespräch. Doch in der Leitung lauert ein Zusatzproblem: Einige Berater meldeten sich nicht mit Namen, einige nannten ihn auch auf Nachfrage eher undeutlich. Haftungsansprüche wegen Falschberatung kann ein Mandant aber nur durchsetzen, wenn er weiß, mit welchem Berater er gesprochen hat. Selbst wenn er den Namen kennt, fällt der Nachweis eines Fehlers noch schwer genug, denn es gibt weder schriftliche Unterlagen noch Dokumente.

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