Arbeitnehmer, Anleger, Rentner – alle müssen mit neuen Steuer­regeln rechnen. Manche sind günstig, andere nicht.

Einige Änderungen für das Steuer­jahr 2015 lagen Mitte Dezember noch auf dem Tisch. Der Bundes­rat hatte bis dahin nicht zuge­stimmt. Doch die meisten Entscheidungen sind gefallen.

Mehr oder weniger Sozial­abgaben

Los gehts auf jeden Fall im Januar bei der Gehalts­abrechnung. Für Arbeitnehmer ändern sich die Sozial­abgaben. Einige zahlen mehr, andere weniger als im Jahr 2014.

Sowohl der Beitrags­satz für die gesetzliche Renten­versicherung als auch der für die Kranken­versicherung sinkt. Die Krankenkassen dürfen allerdings vom Einkommen abhängige Zusatz­beiträge nehmen. Und der Beitrag für die Pflege­versicherung steigt.

Wie jedes Jahr sind die Grenzen höher, bis zu denen vom Lohn Sozial­abgaben abgehen. Die Abgabenlast hängt deshalb auch vom Verdienst ab. Tabelle: Das ändert sich für Arbeitnehmer.

Beispiel Sozial­abgaben: Verdient ein kinder­loser Rostocker im Jahr 2015 brutto 62 400 Euro, sinken seine Sozial­abgaben um 7,13 Euro. Er bekommt dadurch 7,13 Euro mehr Gehalt im Monat ausgezahlt.

Verdient der Mann 48 600 Euro, kann er sich jeden Monat über 34,43 Euro mehr freuen.

Fordert allerdings seine Krankenkasse 0,5 Prozent Zusatz­beitrag im Jahr, sind die Sozial­abgaben im ersten Fall monatlich um 13,50 Euro höher als 2015, im zweiten beträgt die Ersparnis nur 14,18 Euro.

Plus für Renten­versicherte

Positiv ist: Für die gesetzliche Renten­versicherung, für Versorgungs­werke und Rürup-Verträge können Berufs­tätige höhere Beiträge als Sonder­ausgaben absetzen.

Kommen die letzten Steuer­änderungen durch den Bundes­rat, beträgt der neue Höchst­betrag für die sogenannte Basis­vorsorge 22 172 Euro (bisher 20 000 Euro) im Jahr. Für Ehepaare und für gesetzliche Lebens­part­nerschaften sind es dann jähr­lich bis zu 44 344 Euro (bisher 40 000 Euro).

Anerkennen wird das Finanz­amt 80 Prozent. Bisher waren es nur 78 Prozent.

Plus für Rürup-Sparer

Sparer können mehr als bisher steuerfrei in Rürup-Verträge investieren.

Beispiel Rürup-Beitrag: Ein selbst­ständiger Grafiker, der eine Rürup-Renten­versicherung hat, darf 2015 bis zu 22 172 Euro Beitrag beim Finanz­amt geltend machen, wenn der Vertrag seine einzige Basis­vorsorge ist. Als Sonder­ausgaben zählen 17 738 Euro (80 Prozent). Der Mann spart damit 5 321 Euro, wenn sein Steu­ersatz mit Solidaritäts­zuschlag 30 Prozent beträgt.

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer können 2015 ebenfalls größere Steuer­vorteile als bisher erzielen, wenn sie einen Rürup-Vertrag haben. Sie schneiden allerdings weniger gut als Selbst­ständige ab, weil sie den gesamten gesetzlichen Rentenbeitrag mitzählen müssen.

In der Tabelle Alters­vorsorge stehen die Höchst­beträge, die steuer­begüns­tigt sind. Ehe- und gesetzliche Lebens­partner dürfen sie allein oder gemein­sam nutzen. Auch Beamte können die in der Tabelle genannten Summen ausschöpfen.

Alters­vorsorge

So viel können Beamte oder gesetzlich renten­versicherte Arbeitnehmer (Wenn die gesetzliche Rente oder die Pension vom Dienst­herrn bisher die einzige Basis­vorsorge ist.) steuergünstig in Rürup-Verträge investieren:

Brutto­lohn 2015 (Euro)

Höchst­betrag (Euro)

Allein­stehende

20 000

18 432

30 000

16 562

40 000

14 692

50 000

12 822

Ab 62 400 (neue Bundes­länder)

10 504

Ab 72 600 (alte Bundes­länder)

8 596

Ehe-/Lebens­partner1

40 000

36 864

50 000

34 994

60 000

33 124

70 000

31 254

80 000

29 384

90 000

27 514

    • 1 Höchst­betrag, wenn kein Partner über der Beitrags­bemessungs­grenze von 72 600 Euro (alte Bundes­länder) oder 62 400 Euro im Jahr (neue Bundes­länder) verdient.

    Chance für Familien

    Bei Redak­tions­schluss noch bestätigen musste der Bundes­rat eine neue Arbeit­geber­leistung. Sind Arbeitnehmer 2015 aus zwingenden beruflichen Gründen kurz­fristig verhindert, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige selbst zu betreuen, kann sich ein Gespräch mit dem Chef lohnen. Geplant ist, dass er ihnen Betreuungs- oder Pflege­kosten bis zu 600 Euro im Jahr steuerfrei ersetzen darf.

    Beispiel Pflege­zuschuss: Eine Angestellte besucht für mehrere Tage eine dienst­liche Fort­bildung und beschäftigt so lange für die Pflege ihrer schwerbehinderten Mutter eine Kranken­schwester. Der Arbeit­geber darf Pflege­kosten bis zu 600 Euro steuerfrei über­nehmen.

    Geringere Frei­beträge für Rentner

    Schlechter als frühere Jahr­gänge schneiden alle ab, die 2015 in den Ruhe­stand gehen.

    • Von 10 000 Euro gesetzlicher Rente sind nur noch 3 000 Euro (30 Prozent) im Jahr steuerfrei.
    • Für lohn­steuer­pflichtige Pensionen beträgt der Versorgungs­frei­betrag höchs­tens noch 2 340 Euro im Jahr.
    • Neben­einkünfte – etwa aus Mieten oder selbst­ständiger Arbeit – bleiben nur bis 1 140 Euro im Jahr steuerfrei, wenn Rentner und Pensionäre 2015 zum ersten Mal einen Alters­entlastungs­betrag erhalten.

    Das ändert sich für Rentner und Pensionäre

    Rentenfrei­betrag
    für gesetzliche Renten, Renten aus beruflichen Versorgungs­werken, Rürup-Verträgen

    Neu.
    Für Renten, die 2015 beginnen, beträgt der Frei­betrag 30 Prozent.

    Alt.
    Für Renten, die 2014 anfingen, gibt es noch 32 Prozent als Frei­betrag.

    Gesetzliche Rente für Mütter

    Neu.
    Für Mütter steigt der lebens­lange Rentenfrei­betrag, wenn ihre gesetzliche Rente seit 1. Juli 2014 höher ist, weil die Erziehung von vor 1992 geborenen Kinder stärker berück­sichtigt wird.

    Alt.
    Vor 2014 erhielten Mütter mit Kinder aus diesen Geburts­jahren geringere Renten und geringere Frei­beträge.

    Versorgungs­feibetrag
    für lohn­steuer­pflichtige Pensionen

    Neu.
    Können Pensionäre 2015 zum ersten Mal einen Versorgungs­frei­betrag bean­spruchen, sind von Beamten- und Firmenpensionen 24 Prozent steuerfrei, aber maximal 1 800 Euro im Jahr. Dazu kommt ein steuerfreier Zuschlag von 540 Euro.

    Alt.
    Hatten Pensionäre 2014 zum ersten Mal Anspruch auf einen Versorgungs­frei­betrag, waren noch 25,6 Prozent, aber maximal 1 920 Euro Pension steuerfrei. Der steuerfreie Zuschlag lag bei 576 Euro.

    Alters­entlastung,
    zum Beispiel für Einkünfte aus Riester-Renten, Pensions­fonds, Mieten, selbst­ständiger Arbeit

    Neu.
    Haben Rentner und Pensionäre 2015 zum ersten Mal Anspruch auf einen Alters­entlastungs­betrag, weil sie am 1. Januar das 64. Lebens­jahr erreicht haben, sind von Löhnen und Neben­einkünften 24 Prozent steuerfrei, aber maximal 1 140 Euro im Jahr.

    Alt.
    Begann der Anspruch 2014, beträgt der Alters­entlastungs­betrag noch 25,6 Prozent, aber maximal 1 216 Euro im Jahr.

    Verschärfung für Studenten

    Nicht beirren lassen sollten sich Auszubildende und Studenten von aktuellen Steuerplänen. Sie halten sich an einen Beschluss des Bundes­finanzhofs (BFH). Er hat beschlossen, dass sie Ausbildungs­kosten wie Studien­gebühren als Werbungs­kosten absetzen dürfen – egal, ob sie eine Erst- oder Zweit­ausbildung machen. Jetzt soll das Bundes­verfassungs­gericht entscheiden.

    Alle geben deshalb in der Steuererklärung für die Erst­ausbildung Werbungs­kosten an, wenn diese für sie güns­tiger als Sonder­ausgaben sind, weil sie kaum Einkommen zum Verrechnen haben. Sie lassen einen Verlust fest­stellen. Lehnt das Finanz­amt ab, legen sie Einspruch ein und verweisen auf den BFH-Beschluss (Az. VI R 2/12, 8/12). Dann bleibt der Steuer­bescheid offen.

    Zurzeit sind Ausbildungs­kosten nur dann Werbungs­kosten, wenn Auszubildende in einem Arbeits­verhältnis stehen oder eine Zweit­ausbildung machen. Andernfalls zählen ihre Kosten nur als Sonder­ausgaben und das nur bis zu 6 000 Euro im Jahr. Mit Sonder­ausgaben spart nur Steuern, wer ausreichend Einkommen versteuern muss.

    Künftig soll der Sonder­ausgaben­abzug auch für alle gelten, die eine Zweit­ausbildung ohne Arbeits­verhältnis machen und beim ersten Mal weniger als 12 Monate in Ausbildung waren.

    Beispiel Zweit­ausbildung: Ein Mann hat 2014 sechs Monate eine Ausbildung zum Flug­begleiter absol­viert. 2015 schließt er zwei Jahre lang für 40 000 Euro eine Piloten­ausbildung an. In dieser Zeit hat er kein Einkommen. Die Kosten von 40 000 Euro lässt er als Verlust vortragen. Das Finanz­amt soll ihn von späteren Einkünften abziehen. So spart der Pilot tausende Euro Steuern.

    Künftig sollen die Ausbildungs­kosten des Mannes Sonder­ausgaben sein, weil die erste Ausbildung weniger als 12 Monate dauert. Passiert diese Änderung am 19. Dezember den Bundes­rat, bleibt aber noch die Hoff­nung auf das Bundes­verfassungs­gericht.

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