Ab Januar 2010 kommt der neue Steuerabzug für Versicherungen. Zusammen mit anderen Neuerungen bringt er vielen Menschen leicht ein paar Hundert Euro im Jahr.

In Wahlkampfzeiten reden Politiker gerne von Steuersenkungen. Oft sind es leere Versprechen. Auf das „Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung“, das der Bundesrat im Juli vor der Wahl durchgewunken hat, ist dagegen Verlass.

Berufstätige können ab 2010 mehr von ihren Beiträgen für die Kranken- und Pflegeversicherung absetzen. Das Finanzamt erkennt ihre gesamten Ausgaben für die medizinische Grundversorgung an. Dazu kommt ab Januar ein günstigerer Steuertarif, den der Bundesrat dieses Jahr schon im Februar mit dem Konjunkturpaket II abgesegnet hat. Die Steuersätze sinken und der Grundfreibetrag steigt, sodass vom Einkommen mehr steuerfrei ist.

Durch den neuen Grundfreibetrag verlieren Eltern mit erwachsenen Kindern ab 2010 außerdem nicht mehr so schnell das Kindergeld. Menschen, die an Angehörige oder Lebensgefährten Unterhalt zahlen, können mehr absetzen. Und Rentner müssen seltener eine Steuererklärung abgeben (siehe Tabelle: Das ändert sich ab dem Jahr 2010).

Entlastung bei der Lohnabrechnung

Die Entlastung durch den neuen Steuertarif und den Versicherungsabzug spüren Arbeitnehmer ab Januar 2010 schon während des Jahres bei jeder Lohnabrechnung.

Beispiel:Ein gesetzlich versicherter Angestellter mit Kindern, 50 000 Euro Bruttogehalt und Steuerklasse III, zahlt im Jahr 2010 in den alten Bundesländern Monat für Monat fast 33 Euro weniger Lohnsteuer als 2009. Das sind übers Jahr 394 Euro weniger Lohnsteuer als 2009

Seine Frau ist ebenfalls gesetzlich versichert und verdient in Steuerklasse V 35 000 Euro im Jahr. Ihre Ersparnis beträgt sogar gut 158 Euro im Monat. Im ganzen Jahr sind es 1 900 Euro.

Die Entlastung der Frau ist so hoch, weil das Finanzamt in Steuerklasse V zum ersten Mal eine Vorsorgepauschale für Kranken-, Pflege- und Rentenbeiträge vom Lohn abzieht. Bisher wurden die Sozialabgaben beim Ehepartner in Steuerklasse III mitberücksichtigt. Das ändert sich 2010.

Zusammen spart unser gesetzlich versichertes Ehepaar nächstes Jahr 2 294 Euro bei der Lohnabrechnung, wenn es die Steuerklassenkombination III/V behält.

Abzüge für Privatversicherte

Für Privatversicherte sind noch keine exakten Berechnungen möglich. Weil ihr Kranken- und Pflegeversicherungsschutz häufig über den gesetzlichen Leistungskatalog hinausgeht, erkennt das Finanzamt nicht den vollen Beitrag als Sonderausgaben an. Die Abschläge für Zusatzleistungen wie die Chefarztbehandlung oder das Einbettzimmer im Krankenhaus werden zurzeit noch berechnet.

Privatversicherte, die Leistungen über dem gesetzlichen Standard mitversichert haben, werden künftig von ihrem Versicherer Beitragsmitteilungen erhalten, in denen diese separat abgerechnet sind. So können sie leicht erkennen, wie viel das Finanzamt von ihrem Beitrag berücksichtigen wird.

Beispiel: Eine alleinstehende selbstständige Anwältin zahlt 3 500 Euro für ihre private Krankenversicherung. 350 Euro (10 Prozent) kosten laut Beitragsmitteilung die Zusatzleistungen, die das Finanzamt nicht anerkennt. Es bleiben 3 150 Euro. Dazu kommen 200 Euro für die Pflegeversicherung.

Insgesamt kann die Anwältin in der Steuererklärung 3 350 Euro für ihre Kranken- und Pflegeversicherung abrechnen. Muss sie vorher 40 000 Euro Einkommen versteuern, bekommt das Finanzamt von ihr im Jahr 2010 durch den günstigeren Steuertarif und den neuen Versicherungsabzug 430 Euro weniger Einkommensteuer als dieses Jahr.

Den vollen Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung können Privatversicherte nur absetzen, wenn sie im Basistarif versichert sind, den die Versicherungsgesellschaften seit Januar 2009 anbieten.

Familien dürfen die Ausgaben für jedes privatversicherte Familienmitglied als Sonderausgaben absetzen – also auch für den Ehepartner und die Kinder.

Abzüge für gesetzlich Versicherte

Auch die gesetzlich Krankenversicherten können ihre Beiträge nicht komplett absetzen. Ihren Krankenversicherungsbeitrag kürzt das Finanzamt im Jahr 2010 um 4 Prozent. Die Behörde klammert damit den Aufwand für das Krankengeld aus, das Versicherte für ihren Verdienstausfall bei länger anhaltender Krankheit erhalten.

Der Höchstbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt dieses Jahr 3 483,90 Euro. So viel zahlen zurzeit Versicherte, die brutto mindestens 44 100 Euro Gehalt verdienen. Nachdem 4 Prozent für das Krankengeld abgezogen sind, erkennt das Finanzamt nächstes Jahr 3 344,54 Euro an, wenn die jetzigen Beitragssätze und Bemessungsgrenzen weitergelten.

Zusammen mit der Pflegeversicherung können Arbeitnehmer mit Kindern 2010 bis zu 3 775 Euro im Jahr absetzen. Ohne Kinder geben sie mehr für die gesetzliche Pflegeversicherung aus und dürfen 3 885 Euro abrechnen. Das Finanzamt erkennt damit im Jahr 2010 zum Beispiel bei Versicherten mit Kindern 2 275 Euro mehr als dieses Jahr an.

2009 können gesetzlich versicherte Arbeitnehmer nämlich für Verträge wie Kranken- und Pflegeversicherungen maximal 1 500 Euro im Jahr absetzen, wenn der Arbeitgeber den Beitrag mitfinanziert.

Ab 2010 ist außerdem der Kreis, für den das Finanzamt Versicherungsbeiträge anerkennt, größer. Jeder kann absetzen:

  • die eigenen Beiträge,
  • die Beiträge für den Ehepartner oder gesetzlich eingetragenen Lebenspartner und
  • die Beiträge für alle Kinder, für die Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht.

Erfolgreich nachgebessert

Im Entwurf zum Bürgerentlastungsgesetz sah es noch so aus, als würden Berufstätige, die relativ wenig für ihre Kranken- und Pflegeversicherung ausgeben, ab 2010 beim Finanzamt die Verlierer sein. Das ist jetzt doch anders gekommen.

Privat und gesetzlich Versicherte mit relativ geringen Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung können noch Kosten für Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfallversicherungen und ähnliche Policen abrechnen. Das geht aber nur, wenn sie insgesamt folgende Grenzen nicht überschreiten:

  • 1 900 Euro im Jahr, wenn ihr Arbeitgeber den Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag mitfinanziert oder sie Anspruch auf Beihilfe haben;
  • 2 800 Euro, wenn sie wie Selbstständige diesen Versicherungsschutz ganz allein finanzieren.

Beispiel:Eine alleinerziehende Mutter in Steuerklasse II ist mit ihrem Kind gesetzlich versichert und verdient 18 000 Euro im Jahr. Sie zahlt für ihre Kranken- und Pflegeversicherung 1 597,50 Euro im Jahr.

Im Jahr 2010 zieht das Finanzamt von diesem Beitrag 4 Prozent für das mitversicherte Krankengeld ab und erkennt den Rest von rund 1 534 Euro an. Zusätzlich kann die Frau 366 Euro für Schutz wie Arbeitslosen-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen absetzen, bis der Höchstbetrag von 1 900 Euro im Jahr erreicht ist.

Dieses Jahr sind es dagegen maximal 1 500 Euro, die das Finanzamt anerkennt. Das sind 400 Euro weniger. Durch den neuen Versicherungsabzug und den günstigeren Steuertarif spart die alleinerziehende Mutter 151 Euro Lohnsteuer.

Wenn alleinstehende gesetzlich versicherte Arbeitnehmer nächstes Jahr mindestens 22 200 Euro brutto verdienen, schöpfen sie den neuen Höchstbetrag von 1 900 Euro aber schon mit ihrer Kranken- und Pflegeversicherung aus. Dann erkennt das Finanzamt Schutz wie Arbeitslosen-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen nicht mehr an.

Die Beiträge für die Grundversorgung in der Kranken- und Pflegeversicherung dürfen dagegen ruhig über 1 900 Euro im Jahr hinausgehen. Das Finanzamt erkennt sie trotzdem voll als Sonderausgaben an.

Rentner und Selbstständige

Kein Gewinn ist der neue Versicherungsabzug für die meisten Rentner, weil sie ihre Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge jetzt schon voll absetzen können. Auch Arbeitnehmer mit geringen Löhnen und viele Selbstständige profitieren oft nicht von den neuen Regeln.

Sie erhalten deshalb ab 2010 den ganz alten Versicherungsabzug aus der Zeit vor 2005 weiter. Er berücksichtigt Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung und berufliche Versorgungswerke zusammen mit Schutz wie Kranken-, Pflege-, Haftpflicht und Unfallversicherungen. Das Finanzamt zieht dafür im Steuerbescheid maximal 5 069 (Ehepaare: 10 138) Euro im Jahr von den Einkünften ab. Um den alten Versicherungsabzug zu erhalten, müssen die Versicherten aber eine Steuererklärung abgeben.

Beispiel: Ein Vater mit Steuerklasse III und 30 000 Euro Bruttolohn zahlt im Jahr 2010 insgesamt 94 Euro mehr Lohnsteuer als bisher, wenn er gesetzlich versichert ist.

Gibt der Mann für 2010 eine Steuererklärung ab, wendet das Finanzamt den Versicherungsabzug aus der Zeit vor 2005 an und zahlt ihm 176 Euro zurück.

Unterhalt plus Versicherungsbeiträge

Besonders vorteilhaft ist der neue Versicherungsabzug für alle, die Unterhalt an bedürftige Angehörige, Lebensgefährten oder frühere Ehepartner zahlen. Übernehmen sie auch deren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, können sie mehr als den allgemein üblichen Höchstbetrag für Unterhalt beim Finanzamt als Sonderausgaben absetzen.

Beispiel:Eine Frau zahlt ihrem geschiedenen Mann 15 000 Euro Unterhalt. Davon gibt sie 3 000 Euro für seine Krankenversicherung aus. Zurzeit erkennt das Finanzamt für den gesamten Unterhalt nur den Höchstbetrag von 13 805 Euro im Jahr als Sonderausgaben an. Nächstes Jahr kann die Frau die vollen 15 000 Euro absetzen.

Im Gegenzug muss ihr Exmann die von ihr gesponserten Versicherungsbeiträge bei seinem Finanzamt versteuern. Dann kann er diese ebenfalls als Sonderausgaben geltend machen, obwohl er die Versicherungen gar nicht bezahlt hat.

Das „Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung“ machts möglich.

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