Ab 2007 greifen erhebliche Steuererhöhungen. Mehrwert- und ­Versicherungsteuer steigen. Arbeitnehmer können weniger Werbungskosten abziehen.

Über 1 000 Euro werden der Familie Seydel im nächsten Jahr in ihrer Kasse fehlen. Denn wegen der Steueränderungen müssen sie nicht nur mehr Mehrwert- und Versicherungsteuer zahlen, sondern auch höhere Einkommensteuer.

So wie die Seydels bleibt niemand mehr von den Steuererhöhungen verschont:

  • Die Mehrwert- und Versicherungsteuer erhöht sich um 3 Prozentpunkte von 16 auf 19 Prozent.
  • Arbeitnehmer zahlen mehr Einkommen­steuer, weil sie weniger Werbungskosten für den Arbeitsweg und das Arbeitszimmer geltend machen können. Wer kaum Kosten nachweist, kann wie bisher 920 Euro Werbungskostenpauschale abziehen.
  • Einbußen haben Eltern mit Kindern ab dem Geburtsjahrgang 1982. Sind die Kinder nach dem 25. Geburtstag noch in der Ausbildung, bekommen Eltern für sie bis zu zwei Jahre weniger das Kindergeld und die steuerlichen Freibeträge.

Höhere Mehrwertsteuer

Am meisten schlägt 2007 die erhöhte Mehrwertsteuer (auch Umsatzsteuer genannt) zu Buche. Wer ein Auto für 34 000 Euro netto (Preis ohne Mehrwertsteuer) kauft, zahlt durch die Steuererhöhung glatte 1 020 Euro mehr als in diesem Jahr.

Ebenfalls erhöht wird die Versicherungsteuer von 16 auf 19 Prozent zum Beispiel für die private Haftpflicht, Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung. Auch die Steuersätze für besondere Policen wie die Hausratversicherung mit anteiligem Feuerschutz steigen von 15 auf 18 Prozent.

Wenigstens der ermäßigte Mehrwertsteuersatz steigt nicht. So kommen auf Lebensmittel, Blumen, Pflanzen und Bücher weiterhin nur 7 Prozent Mehrwertsteuer.

Gibt Familie Seydel im neuen Jahr jeden Monat rund 1 500 Euro netto für Waren mit 19 Prozent Mehrwertsteuersatz und für Versicherungsbeiträge aus, muss sie 540 Euro mehr berappen.

Aufschlag auf hohe Einkommen

Eine gesonderte Steuererhöhung droht Spitzenverdienern. Hatte die alte Bundesregierung den Spitzensteuersatz gerade von 53 auf 42 Prozent gesenkt, beträgt dieser für Gutverdiener ab 2007 wieder 45 ­Prozent. Angestellte, Vermieter und Kapitalanleger, die im Jahr 250 000 Euro (Ehepaare 500 000 Euro) steuerpflichtiges Einkommen erreichen, müssen auf jeden ­Euro, der über diesem hohen Einkommen liegt, 45 Prozent Einkommensteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag zahlen.

Dagegen sind Einsprüche bereits programmiert. Experten haben verfassungsrechtliche Bedenken, weil die neue „Reichensteuer“ vorerst nicht für gewerbliche oder selbstständige Einkünfte gilt.

Weniger für den Arbeitsweg

Die Seydels trifft diese Erhöhung nicht. Sie können jedoch wie viele andere Arbeitnehmer ab Januar weniger für ihren Arbeitsweg abziehen: Die ersten 20 Kilometer Entfernung von der Wohnung zur Arbeitsstätte fallen vollständig weg. Erst ab dem 21. Kilometer werden wie bisher 30 Cent pro Entfernungskilometer berücksichtigt.

Herr Seydel, der jeden Tag 80 Kilometer zur Arbeit fährt, kann in diesem Jahr noch insgesamt 5 520 Euro beim Finanzamt abrechnen: 230 Arbeitstage × 0,30 Euro Entfernungspauschale × 80 Entfernungskilo­meter. Im nächsten Jahr sinkt der Abzugsbetrag auf 4 140 Euro: 230 Arbeitstage × 0,30 Euro Entfernungspauschale × 60 Entfernungskilometer (siehe Tabelle).

Das sind 1 380 Euro weniger als 2006. Bei 30 Prozent Grenzsteuersatz mit rund 26 000 Euro (52 000 Euro Ehepaare) steuerpflichtigem Einkommen erhöht sich die Einkommensteuer 2007 um 414 Euro.

Entlastung erst ab 34 Kilometer

Steuerlich bringt die Entfernungspauschale außerdem erst zusätzliche Entlastung, wenn die Werbungskosten insgesamt im Jahr höher sind als die Pauschale. Über den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro kommt erst, wer an 230 Tagen mindestens 34 Kilometer zur Arbeit fährt. Bei 230 Arbeitstagen kann er 966 Euro Entfernungspauschale geltend machen. Nur wer noch weitere Werbungskosten absetzen kann, erhält auch bei geringeren Entfernungen eine Entlastung.

Auch für Bus- und Bahnfahrer gibt es nach den neuen Regeln ab 2007 nur noch die Entfernungspauschale. Sie können nicht mehr alternativ höhere Ticketkosten abziehen.

Große Abstriche müssen zudem Arbeitnehmer mit Unfallkosten auf dem Arbeitsweg hinnehmen. Nur noch bis 2006 erkennt der Fiskus Reparaturen oder den Restwert des Pkw bei einem Totalschaden zusätzlich als Werbungskosten an. Ab 2007 beteiligt sich das Finanzamt nicht mehr am finanziellen Schaden.

Keine Einbußen bei den Fahrtkosten müssen behinderte Arbeitnehmer befürchten. Mit mindestens 70 Prozent Behinderung oder 50 Prozent mit dem Merkzeichen „G“ oder „aG“ rechnen sie wie bisher für ihre Fahrten zur Arbeit jeden Kilometer des Hin- und Rückwegs mit 30 Cent Dienstreisepauschale ab oder alternativ ihre tatsächlichen Fahrtkosten.

Arbeitszimmer kaum noch drin

Die Einkommensteuer steigt auch je nach persönlichem Steuersatz um bis zu 525 ­Euro für Arbeitnehmer, die bisher bis zu 1 250 Euro für ein Arbeitszimmer absetzen. Dieser Abzug ist ab 2007 gestrichen.

Die Beamten erkennen nur noch ein häusliches Arbeitszimmer an, wenn es ­Mittelpunkt der gesamten beruflichen ­Tätigkeit ist. Dann zählen die Kosten in voller Höhe. Das gilt auch bei einer Arbeit mit Außendienst, wenn der inhaltliche Schwerpunkt der gesamten Tätigkeit die Arbeit im Arbeitszimmer ist.

In allen anderen Fällen ist das Arbeitszimmer gestrichen. Herrn Seydel betrifft das aber nicht. Er konnte schon bisher nichts für sein Arbeitszimmer abziehen, weil er einen Arbeitsplatz in der Firma hat.

Ihm bleibt nach wie vor eine andere Möglichkeit: Er kann die Ausgaben für beruflich genutzte Möbel oder Gegenstände wie PC, Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Schreibtischlampe, Bücherregal und Beistelltische – egal wo sie zuhause stehen – als Werbungskosten ansetzen. Was inklusive Mehrwertsteuer nicht mehr als 475,60 Euro kostet, mindert im Jahr des Kaufs die Einkommensteuer. Teurere Dinge sind über die Nutzung verteilt abzuschreiben, ein PC zum Beispiel über 36 Monate.

Sparerfreibetrag sinkt weiter

Höhere Steuer müssen ab 2007 auch Sparer einkalkulieren, die ihren Sparerfreibetrag ausschöpfen. Singles mit 42 Prozent Grenzsteuersatz müssen rund 260 Euro mehr zahlen, weil der Freibetrag inklusive 51 Euro Werbungskostenpauschale von 1 421 Euro auf 801 Euro sinkt.

Auch Ehepaare erhalten weniger Kapi­talerträge wie Zinsen und Dividenden im Jahr steuerfrei: inklusive 2 × 51 Euro Werbungskostenpauschale nur noch 1 602 ­Euro. Bisher sind 2 842 Euro steuerfrei.

Von dem 1993 eingeführten Sparerfreibetrag in Höhe von 6 136 Euro (Alleinstehende 3 068 Euro) ist nach mehreren Kürzungen nur noch wenig übrig geblieben.

Weniger Kindervergünstigungen

Auch als Eltern erwartet die Seydels ein Einschnitt: Wenn ihre Kinder Marcel und Nina über den 25. Geburtstag hinaus studieren, verlieren sie pro Kind 3 696 Euro Kindergeld (1 848 Euro × 2 Jahre). Das gilt für Kinder ab dem Geburtsjahrgang 1983. Außerdem bekommen die Eltern ab dem 25. Geburtstag des Kindes nicht mehr die Kinder- und Ausbildungsfreibeträge. Für Alleinerziehende entfällt der Entlastungsbetrag. Bisher gibt es die Kinderförderung bis zum 27. Lebensjahr.

Ausgenommen sind Kinder, die 1982 geboren wurden. Eltern erhalten bis zum 26. Geburtstag die Kinderförderung, für ältere Kinder bis zum 27. Geburtstag.

Der Anspruch verlängert sich jedoch bei allen um die Zeit, in der das Kind bis drei Jahre Wehr-, Ersatz- oder Polizeidienstzeit leistet oder als Entwicklungshelfer arbeitet. Keine Altersgrenze greift, wenn das Kind vor dem 25. Lebensjahr behindert war.

Das Kindergeld kann zukünftig auch für viele Azubis oder Studenten mit Nebenjob entfallen. Auch bei ihnen werden Fahrtkosten erst ab dem 21. Kilometer berücksichtigt. So liegen ihre Einkünfte und Bezüge schneller über 7 680 Euro im Jahr. Ab dieser Grenze gibt es kein Kindergeld und keine Kinderfreibeträge.

Die Kürzung der Entfernungspauschale gilt auch beim Ausbildungsfreibetrag. Für Kinder mit auswärtiger Unterbringung gibt es 924 Euro zusätzlichen Freibetrag, wenn die Einkünfte nach Abzug von Werbungskosten und Sozialversicherungsbeiträgen nicht mehr als 1 848 Euro betragen. Können 20 Kilometer weniger abgesetzt werden, erhöht das die Einkünfte bei 230 Tagen um 1 380 Euro.

Die Seydels haben noch eine kleine ­Hoffnung – das Bundesverfassungsgericht. Möglicherweise erklären die Richter diese Änderung für verfassungswidrig.

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