Schon wieder eine Steuerreform: 2006 geht es vor allem Arbeitnehmern ans Geld. Eltern hingegen bekommen mehr.

Die schwarz-rote Koalition fährt einen schnellen Sparkurs. Sie startete durch, beschloss innerhalb weniger Wochen Steuererhöhungen und strich Steuervorteile. Für 2006 fallen die Einschnitte zwar eher mild aus, etwa die Streichung der Heirats- und Geburtsbeihilfe von 315 Euro, die Firmen ihren Mitarbeitern steuerfrei schenken durften. Berufstä­ti­ge Eltern stehen nun sogar besser da, weil mehr Betreuungskosten anerkannt werden. Aber 2007 drückt die Regierung aufs Gaspedal: Mehrwertsteuer rauf, Pendlerpauschale runter, Sparerfreibetrag gekürzt, Kindergeld nur bis 25 Jahre (siehe „Steuerpläne 2007“). Hier die wichtigsten Änderungen 2006:

Abfindungen. Wer 2006 die Firma verlässt und eine Abfindung erhält, muss sie voll versteuern. Die alten Freibeträge (siehe Tabelle „Freibeträge bei Abfindungen“) fallen weg. Nur wenn die Vereinbarung noch 2005 geschlossen wurde oder eine Klage anhängig und bis Jahres­ende nicht entschieden war, gibt es den Freibetrag, wenn das Geld bis Ende 2007 ausgezahlt wird (Zeitsoldaten: 2008).

Beispiel: Im Dezember 2005 wurde zum 30. Oktober 2006 gekündigt. Der 49-jährige Mitarbeiter bekommt 37 200 Euro Abfindung. Davon bleiben 7 200 Euro steuerfrei. Auf die übrigen 30 000 Euro werden 6 868 Euro Einkommensteuer und Solizuschlag fällig. Ohne Freibetrag wären es 2 404 Euro mehr. Es müssen beide Bedingungen – Vereinbarung und Auszahlung – zum Stichtag erfüllt sein. Wurde eine Abfindung in Teilbeträgen vereinbart, sollte die letzte Rate bis Ende 2007 fließen.

Nacht- und Feiertagszuschläge. Gut verdienende Arbeitnehmer müssen Ein­bu­ßen hinnehmen. Zwar bleiben die Zuschläge steuerfrei, aber ab 25 Euro Stundenlohn sind jetzt Sozialabgaben fällig.

Steuerberatung. Private Steuerberatungskosten sind nicht mehr absetzbar. Das gilt für das Ausfüllen des Mantelbogens samt Anlage Kind, Einsprüche zu Kindergeld und -freibetrag, zu Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Andere Honorare werden aber weiter als Werbungskosten oder Betriebsausgaben an­erkannt. Das gilt für Beratungen zu Einkünften aus dem Job, aus Vermietung, aus Renten oder Kapitalanlagen.

Kinder. Rund 460 Millionen Euro hat die Koalition für Familien lockergemacht. Wie das Geld eingesetzt werden soll, war lange umstritten. Nun haben sich CDU und SPD auf die Grundlinien geeinigt.

Doppelverdienerpaare und alleinerziehende Erwerbstätige können zwei Drittel der Betreuungskosten für Kinder bis 14 Jahre absetzen. Maximal werden 4 000 Euro pro Kind und Jahr als Werbungskosten oder Betriebsausgaben an­er­kannt. Das erste Drittel der Kosten müssen die Eltern selbst tragen. 4 000 Euro kann also nur absetzen, wer 6 000 Betreuungskosten zahlt.

Beispiel: Kostet der Kitaplatz 2 100 Euro im Jahr, müssen Eltern das erste Drittel, also 700 Euro, allein bezahlen und können 1 400 Euro absetzen. Der Arbeitnehmerpauschbetrag spielt bei der Berechnung der abzugsfähigen Kosten keine Rolle.

Damit fahren vor allem Alleinerziehende jetzt besser, denn sie konnten bisher nur 750 Euro als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

Eine Ausnahme gilt für Alleinverdie­nerpaare, also Paare, bei denen nur einer berufstätig ist. Sie können nach diesem Muster nur die Betreuungskosten für drei- bis sechsjährige Kinder absetzen, also zwei Drittel der Kosten, maximal 4 000 Euro. Bei Kindern unter drei Jahre und bei Kindern zwischen 6 und 14 Jahre können sie 20 Pro­zent der Kosten von maximal 3 000 Euro jährlich – also maximal 600 Euro – als haushaltsnahe Dienstleistung (siehe unten) von der Steuerschuld abziehen.

Beispiel: Ein Alleinverdienerpaar zahlt 2 100 Euro Betreuungskosten jährlich für ein achtjähriges Kind. 20 Prozent davon sind 420 Euro. Diesen Betrag kann das Paar direkt von der Steuerschuld abziehen. Dazu muss das Kind aber im Haushalt betreut werden, die Betreuung im Hort oder anderswo gilt nicht als haushaltsnahe Dienstleistung.

Haushaltsnahe Dienstleistung. Bisher schon wurden Arbeiten wie Fenster putzen, Schönheitsreparaturen, Hilfe im Garten oder Pflege von Angehörigen gefördert. 20 Pro­zent des Lohns – maximal 600 Euro – können direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Es muss sich um einfache Jobs handeln, die ein durchschnittlicher Heimwerker selbst erledigen könnte. Und es darf nur Instandhaltung sein, nicht der Bau von etwas Neuem: Der Einbau eines neuen Bades wird nicht gefördert, wohl aber neue Fliesen im alten Bad.

Ab 2006 kommt aber hinzu, dass auch Arbeiten gefördert werden, die nur Fachhandwerker ausführen können. Mieter oder Eigentümer, die Erhaltungs- und Modernisierungsar­beiten für die privaten vier Wände in Auftrag geben, können jetzt noch einmal bis zu 20 Prozent – wiederum maximal 600 Euro – direkt von der Steuer abziehen. Und auch das gilt nur für den Arbeitslohn, nicht für die Materialkosten.

Beispiel: Eine Familie beauftragt eine Heizungsfirma mit der Verlegung von Heizungsrohren. Die Rechnung lautet über 5 600 Euro. Darin enthalten sind 3 250 Euro Arbeitslohn. Die Familie kann 600 Euro Steuerermäßigung in Anspruch nehmen (20 Prozent von 3 000 Euro).

Beauftragt die Familie einige Zeit später noch einen Maler, um die Räume nach dem Heizungsumbau zu renovieren, wird auch dessen Rechnung anerkannt. Die Familie kann 1 200 Euro von der Steuer abziehen. Das ist aber die Höchstgrenze.

Wichtig: Das Finanzamt akzeptiert nur die Rechnung von Firmen – nicht die des heimwerkenden Onkels. Und es will sowohl die Rechnung als auch den Überweisungsbeleg der Bank sehen. Barzahlungen oder Quittungen akzeptiert es nicht. Achten Sie darauf, dass der Arbeitslohn separat ausgewiesen wird.

Auch die Betreuung Pflegebedürftiger im Haushalt wird zusätzlich gefördert. Bisher gab es dafür bis 600 Euro Steuerrabatt. Jetzt kommen noch einmal 600 Euro hinzu, wenn der Patient Geld von der Pflegeversicherung erhält. Das macht zusammen 1 200 Euro Steuerersparnis im Jahr.

Wer Handwerker beauftragt und einen Pflegebedürftigen versorgt, der mindestens Pflegestufe I hat, spart sogar 1 800 Euro Steuern. Für die Kombination aus beidem ist das der Höchstbetrag.

Abschreibung. Selbstständige – auch im Nebenjob – können Computer, Firmenwagen, Büromöbel oder andere bewegliche Güter, die sie bis Ende 2007 anschaffen, höher abschreiben. Der degressive Abschreibungssatz wird auf 30 Prozent angehoben. Das gilt für Geräte, die ohne Umsatzsteuer mehr als 410 Euro kosten.

Immobilien. Die Eigenheimzulage wurde gestrichen. Nur wer noch 2005 einen Kaufvertrag unterschrieben oder einen Bauantrag gestellt hat, erhält sie noch. Einschränkungen auch für Vermieter: Investitionen in neue Mietwohnungen dürfen nur noch mit jährlich zwei Prozent abgeschrieben werden. Das gilt für Bauan­träge ab 2006.

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