Steueränderungen 2002 Meldung

Steuerzahler müssen sich nicht nur an den Euro gewöhnen. Viel gravierender sind die Änderungen bei der Familienförderung, Altersvorsorge oder bei Investitionen in Immobilien in den neuen Bundesländern.

Ein dickes Paket Steueränderungen soll bis Jahresende die gesetzgeberischen Hürden passieren. Selten ergeben sich danach jedoch Vorteile für Steuerzahler. Bundesfinanzminister Hans Eichel bleibt seinem Sparkurs treu.

Mehr Kindergeld

Steueränderungen 2002 Meldung

Fest steht, dass Eltern ab Januar mehr Kindergeld bekommen. Für das erste und zweite Kind gibt es je 154 Euro. Alternativ bringt Gutverdienern per Steuerjahresausgleich der Kinderfreibetrag von 3.648 Euro (1.824 Euro je Elternteil) mehr. Neu ist, dass es zusätzlich für jedes Kind 2.160 Euro (1.080 Euro je Elternteil) Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung gibt ­ den so genannten Erziehungsfreibetrag.

Von diesen höheren Freibeträgen (Erziehungs- plus Kinderfreibetrag) profitiert zum Beispiel ein Ehepaar mit einem Kind, das im neuen Jahr mehr als 56.000 Euro Einkommen verbucht. Für das zweite Kind ist die Steuerermäßigung durch die Freibeträge günstiger als das Kindergeld bei über 61.800 Euro Einkommen der Eltern.

Tipp: Wenn das Kind nur bei einem Elternteil gemeldet ist, sollte sich Mutter oder Vater per Steuererklärung die andere Hälfte des neuen Erziehungsfreibetrags übertragen lassen. Dadurch wirken sich die Freibeträge viel früher aus: Für einen Alleinerziehenden mit Kind ist ab 12.000 Euro Einkommen die Steuerermäßigung höher als das Kindergeld.

Kinderbetreuung nachweisen

Berufstätige Eltern, deren Sprössling noch keine 14 Jahre ist, können Betreuungskosten als außergewöhnliche Belastungen abziehen. Allerdings sind die ersten 1.548 Euro ihre Privatsache. Das Finanzamt erkennt nur die darüber liegenden Ausgaben an und davon maximal jährlich 1.500 Euro. Den Höchstabzug ergattern Eltern also erst bei 3.048 Euro Betreuungskosten im Jahr.

Tipp: Sammeln Sie übers Jahr Rechnungen für die Kindertagesstätte und gelegentliche Kindermädchen. Keine Sozialversicherungsbeiträge werden für die Betreuerin fällig, wenn das Arbeitsverhältnis auf höchstens 50 Arbeitstage im Jahr befristet ist und der Stundenlohn bis zu 12 Euro beträgt. Die Lohnsteuer können Eltern dann pauschal (25 Prozent) ans Finanzamt zahlen.

Kindergeld retten

Für erwachsene Kinder in der Ausbildung zahlt Vater Staat nur Kindergeld, wenn sie 2002 nicht mehr als 7.188 Euro Einkünfte und Bezüge haben. Diese Grenze ist geringfügig um 18,51 Mark höher als 2001. Doch müssen Eltern dabei beachten, dass ab 2002 auch Zinsen und Dividenden des Kindes unter dem Sparerfreibetrag wieder zu den maßgeblichen Einkünften zählen. Die Familienkasse zieht nur 51 Euro Werbungskostenpauschale ab oder höhere nachgewiesene Kosten.

Tipp: Kinder über 18 Jahre sollten ihre ersparten Zinsen möglichst in Zeiten einheimsen, in denen die Eltern keinen Anspruch mehr auf Kindergeld haben. Den Zinszufluss zögern zum Beispiel Bundesschatzbriefe Typ B hinaus. Anders als bei üblichen Zinspapieren bekommt der Sparer nicht jährlich Zinsen, sondern erst am Ende der siebenjährigen Sparzeit. Nach Ansicht des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz darf die Kasse beim Typ B die Zinsen erst dann berücksichtigen ­ aber nur wenn die Zinsen in der Kindergeldzeit fällig werden (Az. 5 K 1476/99).

Riester-Förderung vergleichen

Auch wer Kinder hat, sollte an die Rente denken. Gerade für Familien bringt die neue Riester-Förderung Vorteile. Doch keine Übereile, denn Eltern müssen gut kalkulieren.

Schließen sie 2002 einen Riester-Vertrag ab, erhält jeder Ehepartner für 2002 jeweils 38 Euro Zulage. Für jedes Kind gibt es noch mal 46 Euro Zulage. Mit der Steuererklärung für das Jahr 2002 ermittelt das Finanzamt, ob der mögliche Sonderausgabenabzug (maximal 525 Euro) günstiger als die Zulage ist und eine Steuergutschrift bringt.

Bis 2008 vervierfachen sich die Förderbeträge. Zugleich müssen Eltern einplanen, dass der Eigenbeitrag steigt. 2002 beträgt der Mindestbeitrag 1 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens vom Vorjahr, ab 2008 4 Prozent.

Hat ein Vater 2001 78.233 Mark brutto (40.000 Euro) verdient, beträgt der Mindestbeitrag 2002 in einen Riester-Vertrag 400 Euro (1 Prozent von 40.000 Euro). Aus eigener Tasche zahlt davon der Vater zweier Kindern nur 270 Euro ein. 130 Euro Zulage (38 Euro plus 46 Euro pro Kind) spendiert der Staat. Bei gleichbleibendem Einkommen 2008 würde der jährliche Mindestbeitrag auf 1.600 Euro steigen. Der Vater zahlt davon 1.076 Euro ein, 524 Euro kommt aus der Förderung (154 Euro plus 2 x 185 Euro für die Kinder).

Dieser Vater hats gut: Riester beteiligt sich mit 32,5 Prozent an seiner Altersvorsorge. Ohne Kinder stünde er schlechter da: Ein Riester-Geförderter ohne Kinder mit gleichem Einkommen kommt nur auf 9,5 Prozent Förderquote.

Riester-Förderung können auch Ehepartner ergattern, die im Grunde nicht zulagenberechtigt sind, wie Nichtberufstätige, Beamte oder Unternehmer. Erfüllt nur ein Gatte die Bedingungen, erhält auch der Partner Zulage. Der braucht dafür nicht mal selber etwas einzuzahlen. Es reicht aus, wenn der versicherte Ehepartner einen Mindestbeitrag in seinen Riester-Vertrag einzahlt.

Tipp: Niemand sollte in einen Riester-Vertrag mehr einzahlen, als er für die optimale Förderung braucht, denn die Riester-Rente ist im Alter voll steuerpflichtig. Wer darüber hinaus fürs Alter sparen will, sollte mit steuergünstigen Verträgen etwa einer privaten Rentenversicherung oder einem Fondssparplan Erträge scheffeln.

Ökozulagen befristet

Wer bis Ende 2002 in ein selbst genutztes Niedrigenergiehaus einzieht, erhält zur Eigenheimzulage acht Jahre lang 205 Euro Wärmeschutzzulage, insgesamt 1.640 Euro. Allerdings muss beim Neubau der Bauantrag/Bauanzeige bis zum 31. Januar 2002 gestellt sein. Diese Frist gilt auch für den Einbau von Energiesparanlagen in Neubauten. Bei Altbauten muss die geförderte Wärmepumpe, Solaranlage oder Anlage zur Wärmerückgewinnung bis 31. Dezember 2002 einbebaut sein, um acht Jahre lang bis zu 256 Euro Ökozulage, insgesamt also bis 2.048 Euro zu bekommen.

Tipp: Ohne Nachweise gib es keine Förderung: Bei Niedrigenergiehäusern reicht ein Wärmebedarfsausweis, bei Wärmepumpen Unterlagen des Herstellers zu Bauart und Typprüfung.

Immobilienerbe mit Bedacht

Immobilienerben können weiter auf die günstige Immobilienbewertung setzen. Derzeit beträgt die Erbschaft- und Schenkungsteuer etwa zwischen 50 und 70 Prozent des Verkehrwerts der Immobilie. An der Regel will der Gesetzgeber bis 2006 festhalten. Das bringt Familien meist Vorteile.

Tipp: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Deshalb empfiehlt es sich, Varianten der Übertragung einer Immobilie langfristig mit dem Steuerberater durchzurechnen.

Ostförderung geändert

Bisher bekamen Eigennutzer in den neuen Ländern extra Investitionszulage, wenn sie Wohnungen aus DDR-Zeiten aufmöbelten. Damit soll ab 2002 Schluss sein. Einen besonderen Fördertopf der Bundesländer gibt es noch für Eigenheimer bestimmter innerstädtischer Altbauwohnungen.

Höhere Investitionszulage winkt Vermietern für die Sanierung innerstädtischer Gebäude der Baujahre bis 1948 (denkmalgeschützte bis 1959) in den neuen Bundesländern. Maximal beteiligt sich der Staat an Investitionen (2002 bis 2004) mit 22 Prozent Zulage. Gefördert werden bis zu 1.200 Euro Sanierungskosten pro Quadratmeter, die außerdem um 50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zu kürzen sind.

Für andere Mietwohnungen im Osten gibt es bis 2004 die alte 15-Prozent-Förderung weiter. Berechnungsgrundlage sind ab 2002 je Quadratmeter Wohnfläche bis zu 614 Euro Sanierungskosten abzüglich 50 Euro.

Tipp: Mit dem Antrag auf Investitionszulage müssen Sie sich nicht beeilen. Die Antragsfrist beträgt vier Jahre.

Vereinfachung beim Unterhalt

Die Steueränderungen bringen Vereinfachungen für Lebensgefährten. Bisher konnten sie Unterhalt an den nichtberufstätigen Partner als außergewöhnliche Belastungen nur ansetzen, wenn sie belegt haben, um wie viel öffentliche Mittel wie Arbeitslosen- oder Sozialhilfe bei dem Partner gekürzt wurde.

Tipp: Zukünftig reicht ein Beleg, dass Arbeitslosen- oder Sozialhilfe wegen der Lebensgemeinschaft bei dem Partner gekürzt wurde. Auch Lebensgefährten können dann jährlich bis zu 7.188 Euro in ihrer Steuererklärung angeben.

Immobilienfinanzierung

Käufer eines Mietobjekts müssen bei der Finanzierung aufpassen. Vereinbart der Investor ein Disagio (Damnum), zieht das Finanzamt diese Zinsvorauszahlung nicht mehr in jedem Fall im Jahr des Kaufs als Werbungskosten ab.

In einem Fall hatten die Kölner Finanzrichter verlangt, dass die Zinsvorauszahlung auf die Laufzeit der Zinsbindung zu verteilen ist, weil das Disagio ein von der Laufzeit abhängiger Ausgleich für den niedrigeren Nominalzins ist (Az. 8 K 6758/95).

Tipp: Sie sollten auf keinen Fall das Disagio über ein Extradarlehen wie in dem Kölner Fall finanzieren. Der Steuervorteil sollte immer die zusätzlichen Kosten für ein Damnum aufwiegen.

Steuersatz im Blick behalten

Gehen Sie bei der langfristigen Planung von sinkenden Spitzensteuersätzen aus. Seit 2001 beträgt der Spitzensteuersatz 51,2 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag) und sinkt 2005 auf 44,3 Prozent (mit Soli-Zuschlag).

Tipp: Beachten Sie die Senkung des Steuersatzes besonders bei der Prüfung der Rendite von Steuersparmodellen. Oft sind Beispielrechnungen mit aktueller Steuerbelastung kalkuliert.

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