Steuer-Checkup 2019 Special

Vorteil für alle: Auf Einkommen bis 9 168 Euro fallen 2019 keine Steuern an. Dieser Grund­frei­betrag ist um 168 Euro gestiegen.

Seit Januar hat sich viel geändert. Zahlreiche kleine Änderungen in diesem Jahr bringen Steuerzah­lern mit und ohne Kinder ein Plus in der Haus­halts­kasse. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest erläutern, wie Berufs­tätige, Familien und Rentner neue Vorteile nutzen und Tücken vermeiden.

Grund­frei­betrag gestiegen

Alle zahlen erst einmal weniger Steuern. Denn der Grund­frei­betrag, bis zu dem Einkommen steuerfrei bleiben muss, ist um 168 Euro auf 9 168 Euro gestiegen, für Ehepaare auf 18 336 Euro. Im Jahr 2020 liegen diese Grenzen bei 9 408 Euro und 18 816 Euro.

Dienst-E-Bike, Jobti­cket, betriebliche Alters­vorsorge

Seit Januar können Arbeitnehmer außerdem mit dem E-Bike vom Chef steuerfrei radeln oder mit umwelt­freundlichen Dienst­wagen Steuern sparen. Sie dürfen mehr in ihre betriebliche Alters­vorsorge einzahlen und ein Jobti­cket erhalten, ohne dass darauf Steuern anfallen. Doch einige neue Vorteile haben Tücken: Das E-Bike bleibt nur unter bestimmten Bedingungen steuerfrei. Vorsicht ist auch geboten, wenn Arbeitnehmer es am Ende der Leasing­zeit behalten wollen.

Unser Rat

Sammeln. Heben Sie alle Belege für steuerlich relevante Ausgaben gut auf, damit Sie diese dann für die Jahres­abrechnung 2019 parat haben. Dazu gehört alles, was Sie für Ihren Job ausgeben wie Bildungs­kosten und auch Privates wie Gesund­heits­kosten, Spenden und Rechnungen für Hand­werker und Helfer im Haushalt.

Vergleichen. Wie hoch Ihre Steuerersparnis 2019 gegen­über 2018 ausfällt, können Sie mit dem Steuerrechner online ermitteln. Dort können Sie auch sehen, wie viel Steuerersparnis Ihnen zusätzlich steuerlich anerkannte Ausgaben bringen.

Höhere Steuern für Neurentner

Neurentner müssen sich wohl oder übel auf höhere Steuern als frühere Renten­jahr­gänge einstellen, weil für jeden neuen Jahr­gang weniger von der Rente steuerfrei bleibt.

Mehr Kinder­geld

Für Familien gibt es ab Juli 10 Euro mehr Kinder­geld für jedes Kind. Der jähr­liche Kinder­frei­betrag wurde um 96 Euro auf 2 490 Euro (2020: 2 586 Euro) pro Eltern­teil und Kind ange­hoben. „Nicht erhöht wird jedoch der Betreuungs­frei­betrag“, kritisiert Uwe Rauhöft, Geschäfts­führer beim Bundes­verband Lohn­steuer­hilfe­ver­eine (BVL). „Dadurch wird die Lücke zum Existenz­minimum, das für Erwachsene steuerfrei ist, immer größer.“

Kinder­geld für

Bisher

Juli 2019

Erstes Kind

194 Euro

204 Euro

Zweites Kind

194 Euro

204 Euro

Drittes Kind

200 Euro

210 Euro

Jedes weitere Kind

225 Euro

235 Euro

      Schöpfen Sie die Förderung für Ihre Kinder voll aus

      Steuer-Checkup 2019 Special

      Kinder­geld können Sie bis zum 25. Geburts­tag Ihres Kindes erhalten. Nach der Geburt und ab dem 18. Geburts­tag müssen Sie es bei der Familien­kasse beantragen. Rück­wirkend gibt es das Geld nur bis zu sechs Monate.

      Was ist neu? Ab Juli 2019 beträgt das Kinder­geld 10 Euro mehr: 204 Euro für das erste und zweite Kind, 210 Euro für das dritte und 235 Euro für das vierte und jedes weitere Kind. Erhöht wurde der Kinder­frei­betrag um 192 Euro auf 4 980 Euro pro Kind und Eltern­paar, sodass inklusive Betreuungs­frei­betrag 7 620 Euro (2020: 7 812 Euro) steuerfrei sind. Den Frei­betrag gibt es anstelle des Kinder­gelds, wenn das für die Eltern güns­tiger ist. Den Vergleich stellt das Finanz­amt auto­matisch nach der Steuererklärung an. Je höher das Einkommen ist, um so güns­tiger der Frei­betrag.

      Beispiel: Für Eltern mit 65 000 Euro steuer­pflichtigem Einkommen bringt der Kinder­frei­betrag 106 Euro mehr als das Kinder­geld von 2 388 Euro (6 x 194 Euro + 6 x 204 Euro), das sie für ihr Kind in diesem Jahr erhalten.

      106 Euro Vorteil durch Kinder­frei­betrag

      Zu versteuerndes Einkommen 1

      65 000 Euro

      Steuer 2 ohne Kinder­frei­betrag

      12 782 Euro

      Steuer 2 mit Kinder­frei­betrag

      -10 288 Euro

      Differenz

      2 494 Euro

      Vorteil für die Eltern (2494 Euro - 2388 Euro Kinder­geld)

      106 Euro

        • 1 Nach Abzug Werbungs­kosten, Sonder­ausgaben, außergewöhnliche Belastungen.
        • 2 Inklusive Soli.

        Fallen. Das Finanz­amt rechnet das Kinder­geld immer an, auch wenn Sie es nicht erhalten haben. Wichtig ist auch zu prüfen, ob in der Gehalts­bescheinigung oder dem Elster-Konto im Portal der Finanz­verwaltung (elster.de) Ihre Kinder­frei­beträge beim Lohn­steuer­abzug berück­sichtigt werden. Diese senken schon in der Gehalts­abrechnung Soli­zuschlag und Kirchen­steuer.

        So gehen Sie vor. Passen Sie auf, dass Sie für Ihre Kinder über 18 nicht das Kinder­geld verlieren. Bis zum Erreichen des Berufs­ziels gibt es die Förderung während des Studiums oder der Ausbildung meist problemlos. Auch ein Zuver­dienst schadet nicht. Startet jedoch Ihr Kind eine weitere Ausbildung oder ein Zweitstudium, ist nur noch ein Neben­job von durch­schnitt­lich 20 Stunden in der Woche unschädlich. Muss Ihr Nach­wuchs länger als vier Monate warten, bis die Ausbildung beginnt, müssen Sie den Ausbildungs­willen Ihres Kindes nach­weisen. Das Kinder­geld können Sie im Internet (familienkasse.de) verlängern lassen.

        Radeln Sie mit dem E-Bike steuerfrei, aber Vorsicht beim Kauf

        E-Bikes sind für Arbeitnehmer als Extra zum Gehalt attraktiver geworden. In der Regel stellen Chefs geleaste Bikes zur Verfügung.

        Was ist neu? Radeln Sie mit dem Bike oder E-Bike vom Arbeit­geber auch privat, dann ist der Vorteil für Sie seit Januar steuerfrei. Bedingung: Der Chef stellt Ihnen das Rad zusätzlich zu Ihrem Gehalt zur Verfügung. Unabhängig davon können Sie für Ihre Arbeits­wege die Pend­lerpauschale von 30 Cent pro Entfernungs­kilometer in Ihrer Steuererklärung geltend machen.

        Fallen. Die Steuerfreiheit gilt befristet bis Ende 2021. Sie greift nicht mehr, wenn Sie nach Ablauf der Leasing­zeit das Bike direkt vom Anbieter verbilligt kaufen. In der Regel beträgt die Ablösezahlung 10 Prozent des ursprüng­lichen Listen­preises. Das Problem: Die Behörde veranschlagt den Wert des Rades nach drei Jahren mit 40 Prozent des ursprüng­lichen Listen­preises (BMF-Schreiben vom 17.11.2017, Über­lassung von [Elektro-]Fahr­rädern). Über­nehmen Sie das Rad zum nied­rigeren Wert, unterstellt das Finanz­amt einen steuer­pflichtigen geld­werten Vorteil und verlangt auf die Preisdifferenz Lohn­steuern und Sozial­abgaben.

        Beispiel Am Ende der dreijäh­rigen Leasing­zeit kaufen Sie das Rad für 300 Euro. Das Amt setzt als Rest­wert aber 40 Prozent des Neupreises an, also 1 200 Euro. Auf die Differenz von 900 Euro müssen Sie Abgaben zahlen.

        So gehen Sie vor. Fragen Sie den Leasinganbieter, ob er die Steuer über­nimmt. Er tut das oft zum pauschalen Steu­ersatz von 30 Prozent sozial­abgabenfrei. Das Bundes­finanz­ministerium hat diese Gestaltung in einem Schreiben vom 17.11.2017 (Az. IV C 5 – S 2334/12/10002–04) ausdrück­lich erlaubt. Aus dem Schneider sind Sie auch, wenn Sie einen nied­rigeren Wert belegen – etwa mit dem Gutachten eines Fahr­radhänd­lers. Besorgen Sie es sich, bevor Sie das Rad über­nehmen, damit das Amt gleich nur den nied­rigeren Wert besteuert und Sozial­abgaben in richtiger Höhe abgehen. Andere Regeln gelten aber für E-Bikes, die schneller als 25 Stundenkilo­meter fahren können. Für diese greifen die neuen Regeln für Elektro­autos (siehe unten: „Auf den Elektrodienst­wagen umzu­steigen, lohnt auch steuerlich“).

        Mehr Spielraum durch das neue steuerfreie Jobti­cket nutzen

        Viele Arbeit­geber beteiligen sich an den Ticket­kosten für den täglichen Arbeitsweg.

        Was ist neu? Spendiert Ihr Arbeit­geber ein Jobti­cket oder bezu­schusst Kosten für Bus und Bahn, ist dieser Vorteil nun steuer- und sozial­abgabenfrei. Bis Ende 2018 fielen darauf pauschal Steuern an. Zuschüsse für ein Taxi sind nicht begüns­tigt. Im Gegen­zug können Sie weniger für Ihren Arbeitsweg in der Steuererklärung 2019 absetzen. Von der Pend­lerpauschale (30 Cent x Kilo­meter der einfachen Entfernung x Arbeits­tage) für Ihren Arbeitsweg zur ersten Tätig­keits­stätte geht der steuerfreie Betrag für das Jobti­cket ab. Nur der Rest zählt steuerlich.

        Fallen. Die Steuerfreiheit für das Jobti­cket gilt nur, wenn die Firma den Bonus zusätzlich zu Ihrem Gehalt zahlt. Verzichten Sie freiwil­lig auf einen Teil Ihres Gehalts, um ein Jobti­cket zu bekommen, greift die Steuerbefreiung nicht.

        So gehen Sie vor. Erhalten Sie von Ihrem Arbeit­geber ein Jobti­cket oder einen Ticket­zuschuss, ist das Extra steuerfrei. Die Frei­grenze von 44 Euro im Monat spielt beim Jobti­cket keine Rolle mehr. Bis zu dem Betrag kann Ihre Firma zusätzlich steuer- und sozial­abgabenfreie Sachbezüge wie Tank­gutscheine oder Essens­gutscheine spendieren. Bisher war die Grenze oft durch den Zuschuss zum Jobti­cket verbraucht.

        Höhere Beiträge für die betriebliche Alters­vorsorge steuerfrei

        Für Ihre betriebliche Alters­versorgung sparen Sie bereits bei der monatlichen Gehalts­abrechnung Lohn­steuern und Sozial­abgaben.

        Was ist neu? In diesem Jahr können Sie bis zu 3 216 Euro steuer- und sozial­abgabenfrei in eine betriebliche Alters­vorsorge einzahlen.

        Darüber hinaus sind weitere 3 216 Euro einge­zahlte Beiträge steuerfrei – allerdings fallen darauf Sozial­abgaben an.

        Beispiel Eine Frau, die in diesem Jahr auf 40 000 Euro Brutto­lohn kommt und 2 400 Euro in eine betriebliche Direkt­versicherung abzwackt, spart darauf 666 Euro Steuern inklusive Soli sowie 482 Euro Sozial­abgaben bei 15,5 Prozent Beitrags­satz in der Kranken­versicherung. Das sind insgesamt 1 148 Euro.

        Fallen. Schließen Sie in diesem Jahr einen neuen Alters­vorsorgever­trag über Ihre Firma ab, ist neuerdings der Arbeit­geber verpflichtet, sich an dem Beitrag in eine Direkt­versicherung, eine Pensions­kasse oder einen Pensions­fonds zu beteiligen. Er muss 15 Prozent des umge­wandelten Entgelts in den Vertrag des Arbeitnehmers zuschießen. Aber nur, wenn der Arbeit­geber selbst eine Ersparnis hat. Für bereits bestehende Verträge, die bis Ende 2018 abge­schlossen wurden, ist der Arbeit­geber erst ab 2022 dazu verpflichtet.

        So gehen Sie vor. Bevor Sie einen Vertrag abschließen, sollten Sie die mögliche Ersparnis kennen und den Arbeit­geber­zuschuss in Ihrer Firma erfragen.

        Umstieg auf den Elektrodienst­wagen lohnt auch steuerlich

        Nutzen Sie einen Elektrodienst­wagen auch privat, müssen Sie den Vorteil wie bei anderen Firmenwagen monatlich versteuern.

        Was ist neu? Über­lässt Ihnen Ihr Chef ein E-Auto auch privat, müssen Sie nur den halben Bruttolisten­preis und nicht mehr den vollen mit 1 Prozent 2019 versteuern. Das gilt für alle seit dem 1. Januar neu angeschafften oder erst­mals zur privaten Nutzung über­lassenen E-Autos. Genauso sind extern aufladbare Hybrid­elektrofahr­zeuge (Plug-in-Hybride) begüns­tigt. Der volle Listen­preis zählt aber weiter bei allen anderen Firmen­autos.

        Beispiel Eine Frau steigt auf ein E-Dienst­auto mit 50 100 Euro Bruttolisten­preis um, das sie auch privat für den zehn Kilo­meter entfernten Arbeitsweg nutzt.

        325* Euro sind beim E-Auto zu versteuern

        1/2 von 50 100 Bruttolisten­preis

        25 050 Euro

        1 % von 25 000 Euro (abge­rundet auf volle 100 Euro)

        250 Euro

        0,03 % von 25 000 Euro x 10 (für 10 km Arbeitsweg)*

        75,00 Euro*

        Geld­werter Vorteil im Monat

        325,00 Euro*

          *Korrigiert am 28. März 2019

            Fallen. Der Vorteil ist zunächst bis Ende 2021 befristet. Die 4 000 Euro Umwelt­prämie des Bundes für E-Autos fällt bei Nettolisten­preisen von mehr als 60 000 Euro flach. Der Verlust dieser Förderung trifft beim Kauf aber allein die Firma. Bei der Berechnung des geld­werten Vorteils darf die Umwelt­prämie schon bisher nicht den Bruttolisten­preis mindern.

            So gehen Sie vor. Bevor Sie sich entscheiden, kalkulieren Sie Ihre Kosten. Fahren Sie den Dienst­wagen nur wenig privat, kann sich ein Fahrten­buch lohnen. Dann können Sie die zu viel bezahlten Steuern mit der Steuererklärung zurück­holen. Bei der Berechnung der Privatnut­zung wird die Pkw-Abschreibung oder vergleich­bare Leasingrate halbiert – nicht jedoch andere laufende Kosten.

            Auch als Rentner kommen Sie kaum noch an der Steuer vorbei

            Seit 2005 steigt für jeden neuen Renten­jahr­gang der steuer­pflichtige Teil der Rente. Zum Beispiel zahlt eine Rentnerin, die seit 2018 Rente erhält, für 2018 keine Steuern, wenn ihre Bruttorente nicht mehr als 1 190 im Monat beträgt und sie keine weiteren Einkünfte hat.

            Was ist neu? In diesem Jahr werden rund 48 000 Rentner nach Angaben des Bundes­finanz­ministeriums erst­mals steuer­pflichtig. Ein Grund ist die für Sommer erwartete Renten­erhöhung von 3,2 Prozent in den alten Bundes­ländern und 3,9 Prozent in den neuen. Zudem bekommen Eltern – zumeist Mütter − für ihre Kinder, die vor 1992 geboren wurden, 15 bis 16 Euro mehr Rente im Monat. Erhalten Sie in diesem Jahr erst­mals eine gesetzliche Rente? Dann müssen Sie bereits 78 Prozent davon versteuern, nur 22 Prozent sind steuerfrei. Für alle, die bis Ende 2005 bereits eine Rente erhielten, gilt noch ein Frei­betrag von 50 Prozent.

            Fallen. Meist sind Sie zur Steuererklärung verpflichtet. Vorbeimogeln geht nicht. Die Sozial­versicherungs­träger melden auto­matisch die Rentenzah­lungen an die Finanz­ämter.

            So gehen Sie vor. Mit unserem Steuerrechner können Sie ermitteln, wie hoch Ihre Steuerlast ausfällt. Erhalten Sie mehr Mütterrente, muss das Amt Ihren Rentenfrei­betrag neu ermitteln. Wichtig ist, dass Sie übers Jahr die Belege für Ausgaben sammeln. Vieles können Sie von Ihren steuer­pflichtigen Einnahmen abziehen – wie Ihre Basisbeiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung, zudem Krank­heits-, Pflege­kosten und Spenden. Oft kommt so viel zusammen, dass Sie unterm Strich wenig oder gar keine Steuern zahlen müssen.

            Als Minijobber steuer- und sozial­abgabenfrei dazu­verdienen

            Steuer- und sozial­abgabenfrei bleibt Ihr Minijob – auch im Neben­job, wenn Sie im Schnitt 450 Euro im Monat verdienen. Im Jahr sind 5 400 Euro abgabenfrei, wenn der Arbeit­geber den Verdienst mit 2 Prozent pauschal versteuert und die Steuer neben den Sozial­abgaben an die Minijobzentrale abführt.

            Was ist neu? Seit Januar beträgt der Mindest­lohn auch für Minijobber 9,19 Euro (2020: 9,35 Euro) pro Stunde statt früher 8,84 Euro.

            Fallen. Weil die Verdienst­grenze von 450 Euro im Monat nicht erhöht wurde, müssen Sie aufpassen, dass Sie diese Grenze durch den höheren Verdienst nicht über­schreiten.

            So gehen Sie vor. Verdienen Sie den Mindest­lohn, bleiben Sie mit knapp 49 Stunden im Monat unter der Grenze. Steuerfreie Zuschläge für Feier­tags- und Nacht­arbeit sowie das Jobti­cket oder Zuschüsse zu den Ticket­kosten für den öffent­lichen Nahverkehr bleiben außen vor. Über­schreiten Sie nur gelegentlich und nicht vorhersehbar die Grenze – etwa weil Sie für einen plötzlich erkrankten Kollegen einspringen, bleibt Ihre Tätig­keit ein Minijob. Ausnahms­weise darf Ihr Verdienst dann mehr als 5 400 Euro im Jahr betragen. Als gelegentlich gilt, wenn Sie maximal drei Kalendermonate inner­halb von zwölf mehr verdienen. Wie viel Sie in der Zeit verdienen, ist in dem Fall egal. Ihr Job bleibt abgabenfrei. Nur der Arbeit­geber muss die üblichen Pauschalen an die Minijobzentrale abführen. Als Minijobber sind Sie allerdings bei der Renten­versicherung in der Pflicht. Davon können Sie sich befreien lassen, indem Sie das bei Ihrem Arbeit­geber beantragen. Das kann für Rentner sinn­voll sein, weil die Zusatz­beiträge kaum ihre Alters­bezüge steigern.

            Setzen Sie den Unterhalt für Angehörige oder Lebens­gefährten ab

            Unterstützen Sie bedürftige, unter­halts­berechtigte Angehörige wie Eltern oder voll­jährige Kinder, für die Sie kein Kinder­geld mehr bekommen? Oder unterstützen Sie Ihren Lebens­partner und dieser erhält wegen der Lebens- und Haus­halts­gemeinschaft weniger Sozial­leistungen? Dann können Sie in diesem Jahr bis zu 9 168 Euro Unterhalt und die über­nommenen Basisbeiträge zur Kranken-und Pflege­versicherung als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

            Was ist neu? Sie können in diesem Jahr 168 Euro mehr als 2018 absetzen, maximal 9 168 Euro (2020: 9 408 Euro).

            Fallen. Beachten Sie, dass das Einkommen (Einnahmen minus Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben) und Bezüge (minus 180 Euro Kostenpauschale) wie Bafög-Zuschuss, steuerfreies Eltern- oder Betreuungs­geld von mehr als 624 Euro im Jahr den Höchst­betrag mindern. Eine selbst bewohnte Immobilie oder bis zu 15 500 Euro eigenes Vermögen des Bedürftigen bleiben unbe­rück­sichtigt.

            So gehen Sie vor. Den Höchst­betrag von 9 168 Euro können Sie nur absetzen, wenn Sie den Unterhalt seit Januar zahlen (BFH, Az. VI R 35/16). Ansonsten zählen nur die Monate, in denen Geld fließt – pro Monat maximal 764 Euro. Keine Kosten müssen Sie nach­weisen, wenn der Bedürftige in Ihrem Haushalt lebt. Die Bedürftig­keit sollten Sie mit einer Bescheinigung der örtlichen Behörden belegen können. Unter­halts­zahlungen weisen Sie am besten mit Bank­auszügen nach.

            Mehr Kapital­erträge sind für Gering­verdiener steuerfrei

            Gering­verdiener, Studenten und minderjäh­rige Kinder können mit einer Nicht­ver­anlagungs(NV)-Bescheinigung hohe Kapital­erträge über dem Sparerpausch­betrag von 801 Euro steuerfrei im Jahr kassieren.

            Was ist neu? Durch den höheren Grund­frei­betrag 2019 können Gering­verdiener 168 Euro mehr Kapital­erträge steuerfrei erhalten als 2018, insgesamt 10 005 Euro: 9 168 Euro Grund­frei­betrag + 801 Euro Sparerpausch­betrag + 36 Euro Sonder­ausgabenpausch­betrag. Im Jahr 2020 steigt der Betrag weiter um 240 Euro auf 10 245 Euro, weil der Grund­frei­betrag dann 9 408 Euro beträgt.

            Fallen. Ohne NV-Bescheinigung können Sie die zu viel bezahlten Steuern nur über die Steuererklärung zurück­holen, indem Sie die Güns­tiger­prüfung in Anlage KAP Zeile 4 beantragen.

            So gehen Sie vor. Vermeiden Sie unnötige Steuer­abzüge und Schreib­arbeit, indem Sie bei Ihrer Bank statt eines Frei­stellungs­auftrags eine NV-Bescheinigung vorlegen. Die können Sie beim Finanz­amt für drei Jahre beantragen, wenn Ihre Einnahmen auf absehbare Zeit unter 10 005 Euro (2020: 10 245 Euro) im Jahr bleiben. Das Antrags­formular NV 1 A erhalten Sie im Finanz­amt oder online unter dem Stich­wort Nichtveranlagungsbescheinigung.

            Dieses Special ist erst­mals am 2. August 2018 auf test.de erschienen. Es wurde am 19. März 2019 aktualisiert.

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