Gehalts­abrechnung 2016: Mehr Netto im neuen Jahr

Steuer­vergüns­tigungen sorgen für mehr Netto vom Brutto. Zusätzlich sichern sich jetzt Arbeitnehmer mit Extra-Frei­beträgen monatlich mehr Geld.

Anfang des Jahres lohnt es sich für Angestellte, die Weichen für das neue Steuer­jahr zu stellen: Stehen Veränderungen wie Hoch­zeit oder Kinder an, können sie die Steuerklasse ändern. Für Ausgaben wie Fahrt­kosten zur Arbeit oder Unter­halts­zahlungen lassen sich Frei­beträge beantragen. Die erhöhen das Netto und gelten jetzt für zwei Jahre. Finanztest beant­wortet die wichtigsten Fragen rund ums Gehalt.

Ändern sich für mich 2016 die Sozial­abgaben?

Für die meisten Arbeitnehmer ändern sich 2016 die Sozial­abgaben nur gering­fügig. Die Krankenkassen dürfen vom Einkommen abhängige Zusatz­beiträge nehmen. Diese sollen im Schnitt um 0,2 Prozent­punkte steigen (Special Gesetzliche Krankenkasse: Jetzt wechseln und sparen, Finanztest 1/2016). Die Beitrags­sätze für Renten­versicherung, Arbeits­losen- und Pflege­versicherung bleiben aber voraus­sicht­lich stabil.

Wie steigen die Beitrags­bemessungs­grenzen?

Wie gewohnt steigen die Einkommens­grenzen, bis zu denen Sozial­abgaben fällig sind. Die Bemessungs­grenze für die Renten­versicherung steigt in den alten Bundes­ländern auf 6 200 Euro im Monat, in den neuen auf 5 400 Euro.

Habe ich mehr Netto?

Durch den güns­tigeren Grund­frei­betrag, den neuen Steuer­tarif und den Anstieg der Vorsorgepauschale (Steueränderungen 2016) bleibt 2016 für einige mehr übrig:

Steuerfreie Monats­gehälter 2016 (Euro)

Steuerklasse

I

II

III

IV

Allein­stehende

985

1 179 (mit einem Kind)

Ehepaare

1 865

985

Vom Lohn darüber zieht der Arbeit­geber Lohn­steuer ab. Dazu kommen meist 5,5 Prozent Soldaritäts­zuschlag und gegebenenfalls 8 oder 9 Prozent Kirchen­steuer. Beide Zuschläge sind etwas geringer, wenn Eltern Kinder­frei­beträge auf der Steuerkarte haben. Für Kinder unter 18 Jahren erhalten sie die auto­matisch, für voll­jährige Kinder auf Antrag beim Finanz­amt.

Kann ich mit einer güns­tigen Steuerklasse mein Netto beein­flussen?

Ja, für die Höhe der monatlichen Lohn­steuer ist auch die Steuerklasse entscheidend. Zwar fällt zum Beispiel die Steuer eines Ehepaares in der Schluss­abrechnung nach der Steuererklärung immer gleich hoch aus – unabhängig von den Steuerklassen. Aber mit einer günstig gewählten Steuerklasse haben Sie sofort mehr Geld auf dem Konto und nicht erst mit der Steuerrück­zahlung.

Wer sollte seine Steuerklassen­wahl jedes Jahr über­prüfen?

Vor allem Ehepaare und gesetzliche Lebens­partner sollten jedes Jahr neu prüfen, ob sie ihre Steuerklassen günstig kombiniert haben. Allein­erziehende wählen am besten die II. Verdienen sie mit einem Kind 3 500 Euro brutto, sind im Vergleich zur Steuerklasse I die Abzüge (Lohn­steuer und Soli) im Monat um 55,42 Euro geringer. Mit welcher Kombination Paare den güns­tigsten Lohn­steuer­abzug erreichen, können sie mithilfe des Steuerrechners des Bundesfinanzministeriums errechnen.

Für getrennte Partner kann ein Wechsel von Steuerklasse V zur I sinn­voll sein. Witwen und Witwer sollten die güns­tige Steuerklasse III bevor­zugen. Ist ihr Partner 2015 verstorben, erhalten sie die III bis Ende 2016 auto­matisch. Arbeitnehmer mit Neben­job werden immer über die ungüns­tigste Steuerklasse VI abge­rechnet.

Was kann ich als Single-Mama mit drei Kindern tun?

Als Allein­erziehende erhalten Sie mit Steuerklasse II den Entlastungs­betrag von 1 908 Euro, der 2015 um 600 Euro gestiegen ist. Dieser Betrag berück­sichtigt die Mehr­belastungen von Allein­erziehenden, indem er die fällige Steuer vermindert. Er ist bereits in die Lohn­steuer­tabelle einge­arbeitet. Für das zweite und jedes weitere Kind im Haushalt gibt es zusätzlich je 240 Euro. Damit Sie auch diesen Zusatz­betrag mit der Gehalts­abrechnung bekommen, müssen Sie handeln.

Tipp: Stellen Sie dafür den „Vereinfachten Antrag auf Lohn­steuerermäßigung“ beim Finanz­amt. Ergänzen Sie formlos, dass Ihre Kinder bei Ihnen gemeldet sind und Ihnen für sie Kinder­geld zusteht.

Senkt ein einge­tragener Frei­betrag meine monatliche Lohn­steuer?

Ja. Sie können für Ihre Werbungs­kosten wie Fahrt­kosten von mehr als 1 000 Euro im Jahr sowie für Sonder­ausgaben und außergewöhnliche Belastungen Frei­beträge beantragen (Tabelle: Sechs wichtige Freibeträge für das Gehalt). Dafür müssen Sie bis spätestens zum 30. November eines Jahres beim Finanz­amt den „Antrag auf Lohn­steuerermäßigung“ stellen. Ändern sich Ihre Frei­beträge vom vergangenen Jahr nicht und sind Ihre voll­jährigen Kinder noch in der Ausbildung, genügt der „Vereinfachte Antrag auf Lohn­steuerermäßigung“.

Wo beantrage ich eine neue Steuerklasse und Frei­beträge?

Sie können Steuerklasse und Frei­betrag beim Finanz­amt beantragen. Formulare finden Sie unter Formulare-bfinv.de. Diese können Sie kostenlos ausdrucken oder direkt beim Amt bekommen. Geben Sie die ausgefüllten Papiere beim Finanz­amt ab oder schi­cken Sie diese per Post.

Ab wann gilt die Änderung meiner neuen Steuermerkmale?

Frei­betrag und neu beantragte Steuerklasse werden ab dem Ersten des Folge­monats zu einem Merkmal auf der elektronischen Steuerkarte „Elstam“ (Elektronische Lohn­steuer­abzugs­merkmale).

Tipp: Wenn Sie den Antrag zum ersten Mal stellen, sollten Sie Nach­weise für Ihre Ausgaben vorlegen.

Wie lange gilt mein beantragter Frei­betrag?

Sie können Ihren Frei­betrag jetzt für zwei Jahre beantragen. Bis 2015 mussten Arbeitnehmer das jähr­lich tun. Voraus­setzung: Die dem Frei­betrag zugrundeliegenden Ausgaben ändern sich nicht. Für Hinterbliebene, Behinderte und Kinder unter 18 Jahren gelten Frei­beträge unbe­fristet.

Muss ich meinen Chef informieren, wenn sich Steuermerkmale geändert haben?

Nein. Allerdings ist es sinn­voll, Ihrem Chef nach dem Jahres­wechsel eine Bestätigung der Änderung vorzulegen. Denn häufig beginnen Unternehmen erst im Laufe des Jahres damit, die aktuellen Steuermerkmale ihrer Angestellten beim Bundes­zentral­amt für Steuern abzu­rufen. Die Bestätigung erhalten Sie beim Finanz­amt.

Sollte ich meine Gehalts­abrechnung regel­mäßig kontrollieren?

Ja, am besten jeden Monat. Denn Arbeit­geber rufen die Daten für die Höhe der Lohn­steuer aus der Elstam-Daten­bank ab.

Einige Daten wie Scheidung, Hoch­zeit oder Geburt gehen direkt von den Bürger­ämtern an die Daten­bank. Frisch­vermählte kommen auto­matisch in die Steuerklasse IV. Und Geschiedene sind ab Januar des folgenden Jahres wieder in Steuerklasse I. Seit Ende 2015 über­mitteln die Meldebehörden auch für einge­tragene Lebens­partner die Daten für den Steuer­abzug.

Ehepaare, die eine andere Kombination möchten, wie etwa III/V, müssen das selbst beantragen.

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