Steuer 2016 Special

Bis zu 133 Euro Ersparnis für Singles und 266 Euro für Paare sind 2016 drin.

Der steigende Grund­frei­betrag bringt Normal­verdienern rund 100 Euro mehr. Eltern freuen sich über Extra­entlastungen.

Die gute Nach­richt vorab: Im kommenden Jahr zahlen alle weniger Steuern. Für Steuerzahler mit Jahres­einkommen von rund 40 000 Euro sind es beispiels­weise 92 Euro weniger.

Hintergrund ist die Anhebung des Grund­frei­betrags, zusätzlich verschiebt sich noch der Spitzen­steu­ersatz nach oben. Das bringt Steuer­erleichterung durch den Abbau der „kalten Progression“. Damit wird endlich der Effekt korrigiert, dass Angestellte nach einer Gehalts­erhöhung wegen des steigenden Steuer­tarifs am Ende weniger in der Tasche hatten als vorher.

Vor allem Eltern profitieren von den Änderungen. Für sie gibt es noch einmal 2 Euro monatlich mehr pro Kind. Neben dem Kinder­geld steigt auch der Kinder­frei­betrag. Die Anhebung ist zwar geringer als 2015 (144 Euro), beträgt aber immerhin 96 Euro.

Finanztest stellt die wichtigsten Steuer­änderungen auf einen Blick vor und alles, was Steuerzahler noch wissen müssen.

Grund­frei­betrag steigt

Die Bundes­regierung muss Bürger entlasten, weil das Existenz­minimum gestiegen ist. Verfassungs­recht­lich muss dieses regel­mäßig an die Inflation angepasst werden, damit es steuerfrei bleibt.

Deshalb hat die Bundes­regierung bereits 2015 den Grund­frei­betrag erhöht. Jetzt steigt er noch einmal um 180 Euro – von 8 472 auf 8 652 Euro. Die Einkommensteuer sinkt dadurch bis zu 266 Euro im Jahr (Tabelle: Bis zu 266 Euro weniger Steuer ab 2016). Wer Reichen­steuer zahlt, spart noch mehr – Paare bis zu 488 Euro.

Anders als in den Vorjahren wird mit der Anhebung des Grund­frei­betrags auch der Tarif­verlauf verschoben. Das bedeutet: Bei gleichem Einkommen verringern sich die Steuersätze bis zum Spitzen­steu­ersatz. Das hat den seit langem geforderten Abbau der „kalten Progression“ zur Folge.

Für viele bringt dieser Tarif­verlauf eine größere Entlastung als die Anhebung des Existenz­minimums (Tabelle: Bis zu 266 Euro weniger Steuer ab 2016).

Spitzen­steu­ersatz-Grenze ange­hoben

Der Spitzen­steu­ersatz von 42 Prozent wird 2016 erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 53 666 Euro (Ehepaare und einge­tragene Lebens­partner 107 332 Euro) fällig. Der 3-prozentige Zuschlag für Reiche auf den Spitzen­steu­ersatz von 42 Prozent gilt ab einem zu versteuernden Einkommen von 254 447 Euro bei Allein­stehenden (für Ehepaare und einge­tragene Lebens­partner ab 508 894 Euro).

Grenze für Steuererklärungs­pflicht

Höher liegt auch die Grenze, ab der für Nicht­arbeitnehmer die Steuererklärung Pflicht wird: Sie liegt bei einem Gesamt­betrag der Einkünfte von mehr als 8 652 Euro (zusammen­ver­anlagte Ehegatten und Lebens­gefährten: 17 304 Euro).

Arbeitnehmer mit Frei­betrag müssen erst eine Steuererklärung abgeben, wenn ihr Lohn 2016 mehr als 11 000 Euro beträgt (Ehe- und Lebens­partner: 20 900).

Plus für Eltern

Steuer 2016 Special

Für Familien gibts mehr: Kinder­geld, Kinder­frei­betrag und Kinder­zuschlag steigen.

Familien gehören zu den Gewinnern: Eltern können sich über eine weitere kleine Anhebung des Kinder­gelds freuen. Für das erste und zweite Kind gibt es jetzt 190 Euro, für das dritte 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind 221 Euro.

Außerdem steigt der Kinder­frei­betrag um 96 Euro auf 4 608 Euro (2 304 pro Eltern­teil). Dieser Frei­betrag soll das Existenz­minimum von Kindern über die Eltern absichern. Eltern erhalten zudem wie bisher einen Betreuungs­frei­betrag von 2 640 Euro, also 1 320 Euro pro Eltern­teil.

Entlastung für Ehepaar, ein Kind (Euro) ...

Einkommen

… durch Kinder­geld und -frei­betrag

Mehr als 2015

40 000

2 280

24

60 000

2 280

24

80 000

2 538

32

100 000

2 866

38

120 000

3 044

40

    Rechnung ohne Solidaritäts­zuschlag, Wirkung des Steuer­tarifs heraus­gerechnet; das heißt, die in Tabelle „Bis zu 266 Euro weniger Steuer ab 2016“ aufgeführte Entlastung kommt dazu.

      Beispiel: Ehepaar Schultz aus Hannover hat eine neunjäh­rige Tochter und verdient jähr­lich 40 000 Euro. Durch die Anhebung des steuerfreien Grund­frei­betrags, die Verringerung der Steuersätze und die Entlastung durch Kinder­geld und Kinder­frei­betrag spart das Paar 126 Euro Steuern.

      Steuer-ID fürs Kinder­geld

      Eltern müssen ab 2016 der Familien­kasse ihre Steueridentifikations­nummer (Steuer-ID) und die ihres Kindes mitteilen. Bei Neuanträgen müssen sie Angaben gleich machen. Liegen die Nummern im Laufe des Jahres nicht vor, fordert die Kasse zu Beginn des Jahres 2017 das Kinder­geld für 2016 zurück. Die Regelung soll verhindern, dass mehrere Personen für dasselbe Kind gleich­zeitig Kinder­geld beziehen (Meldung Kindergeld: Ab 2016 nur mit Steuer-ID).

      Tipp: Haben Sie die Identifikations­nummern verlegt, fragen Sie diese früh­zeitig beim Bundes­zentral­amt für Steuern ab. Nutzen Sie dafür das Antrags­formular im Internet (Bzst.de, Rubrik „Steuer national“ unter „Steuerliche Identifikations­nummer“). Die Nummer wird per Post zugestellt.

      Kinder­zuschlag ange­hoben

      Ab 1. Juli 2016 steigt auch der Kinder­zuschlag um 20 Euro auf monatlich 160 Euro. Diesen erhalten Eltern, die zwar ihren Lebens­unterhalt bestreiten können, aber nicht den ihrer Kinder. Voraus­setzung: Die Kinder wohnen zuhause und für sie besteht ein Kinder­geld­anspruch.

      Mehr Unterhalt für Angehörige

      Mit der Anhebung des Existenz­minimums können auch für Unter­halts­leistungen an bedürftige Angehörige und andere begüns­tigte Personen 180 Euro mehr pro Jahr als außergewöhnliche Belastungen abge­setzt werden: bis 8 652 Euro (2015: 8 472 Euro). Der Wert erhöht sich um die Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung der unterstützten Person.

      Tipp: Bereits seit 2015 gilt: Für die unterstützte Person müssen Sie unter Umständen eine Steuer-ID angeben. Das ist der Fall, wenn die unterstützte Person unbe­schränkt oder beschränkt steuer­pflichtig ist. Als Unter­halts­leistender können Sie die Steuer-ID bei Ihrer zuständigen Finanzbehörde erfragen.

      Beitrags­bemessungs­grenzen steigen

      Spür­bar teurer wird für Besserverdiener, die gesetzlich renten- und kranken­versichert sind, die Sozial­versicherung. Grund sind höhere Beitrags­bemessungs­grenzen. Für viele Angestellte wird auch der Zusatz­beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse steigen, die Beitrags­sätze der anderen Versicherungen bleiben (voraus­sicht­lich) stabil.

      Arbeitnehmer mit einem Brutto­lohn von mehr als 49 500 Euro zahlen wegen der höheren Beitrags­bemessungs­grenze auf jeden Fall mehr für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung.

      Anhebung der Bemessungs­grenzen in Euro

      2015

      2016

      KV und PV

      49 500

      50 850

      AV und RV (West)

      72 600

      74 400

      AV und RV (Ost)

      62 400

      64 800

        (KV = Kranken­versicherung; PV = Pflege­versicherung; AV = Arbeits­losen­versicherung; RV = Renten­versicherung)

          Ab 50 850 Euro Jahres­lohn steigt der Beitrag um 126,56 Euro im Jahr (Berechnung mit 0,9 Prozent Zusatz­beitrag zur Kranken­versicherung, aber ohne erhöhten Pflege­satz).

          Für Arbeitnehmer in den alten Bundes­ländern mit Bruttolöhnen ober­halb von 72 600 Euro (62 400 neue Bundes­länder) steigt zusätzlich der Beitrag in die Arbeits­losen- und Renten­versicherung.

          Ab 74 400 Euro sind das für die gesamten Sozial­versicherungs­beiträge jähr­lich 321,86 Euro mehr für Beschäftigte in den alten und 386,96 Euro für Menschen in den neuen Bundes­ländern.

          Beispiel: Der Angestellte Markus Meier in Dresden verdient jähr­lich 64 800 Euro brutto. Monatlich werden 32,25 Euro mehr an Sozial­versicherungs­beiträgen fällig (bei 0,9 Prozent Zusatz­beitrag zur gesetzlichen Kranken­versicherung).

          Mehr für Alters­vorsorge absetz­bar

          Für die gesetzliche Renten­versicherung, für Versorgungs­werke und Rürup-Verträge können Berufs­tätige 2016 höhere Beiträge als bisher absetzen. Das Finanz­amt erkennt 82 Prozent ihrer Beiträge an (2015: 80 Prozent). Bei Arbeitnehmern werden 64 Prozent des Arbeitnehmer­anteils für die gesetzliche Renten­versicherung als Sonder­ausgaben anerkannt.

          Der Höchst­betrag für die geförderte Alters­vorsorge steigt auf 22 767 Euro. Der Sonder­ausgaben­abzug für eine Rürup-Rente beträgt maximal 18 669 Euro (82 Prozent von 22 767 Euro). Für gesetzlich Renten­versicherte ist das weniger (64 Prozent), bei Beamten werden fiktive Renten­versicherungs­beiträge ange­rechnet.

          2016 sind geförderte Einzahlungen in die betriebliche Alters­vorsorge wie Direkt­zusage, Unterstüt­zungs­kasse, Pensions­kasse, Pensions­fonds oder Direkt­versicherung bis zu 2 976 Euro möglich (Tabelle: Die wichtigsten Änderungen für 2016).

          Erleichterungen für Klein­unternehmer

          Steuer 2016 Special

          Gut für Klein­unternehmer: Bei weniger als 600 000 Euro Umsatz und 60 000 Gewinn ist keine Bilanz nötig.

          Die Grenz­beträge für Umsatz und Gewinn steigen für Klein­unternehmer um 20 Prozent von 500 000 auf 600 000 Euro beziehungs­weise von 50 000 auf 60 000 Euro. Der Vorteil: Erst wenn sie über diesen Beträgen liegen, unterliegen sie der Bilanzierungs­pflicht – also den Buch­führungs- und Aufzeichnungs­pflichten nach dem Handels­gesetz­buch und der Abgaben­ordnung.

          Geringerer Frei­betrag für Neurentner

          Steuer 2016 Special

          Wer 2016 in Rente geht, muss 72 Prozent seiner Rente versteuern.

          Wer 2016 in Rente geht, erhält nur noch einen Frei­betrag von 28 Prozent. 72 Prozent der Rente müssen versteuert werden. Der Frei­betrag errechnet sich aus der Jahres­rente des Folge­jahres 2017. Die Folge: Wer 2015 in Rente ging, muss 2016 bis zu einer aktuellen Monats­rente von etwa 1 210 Euro keine Steuern zahlen, wenn er keine weiteren Einkünfte bezieht. Bei Renten­beginn 2016 liegt die Grenze fast 40 Euro nied­riger.

          Alters­entlastungs­beitrag geringer

          Schlechter als frühere Jahr­gänge schneiden alle ab, die 2016 das 65. Lebens­jahr voll­enden oder in den Ruhe­stand gehen. Denn ihr Alters­entlastungs­betrag für Neben­einkünfte beträgt nur 22,4 Prozent, maximal 1 064 Euro. Zu Neben­einkünften zählen etwa Kapital­einkünfte, Einkünfte aus Vermietung oder Neben­tätig­keit und voll steuer­pflichtige Alters­bezüge wie die Riester-Rente und steuer­pflichtige Auszahlungen aus betrieblicher Alters­vorsorge.

          Wer bis 2005 65 Jahre alt wurde, erhält noch 40 Prozent und bis zu 1 900 Euro steuerfrei. Der Versorgungs­frei­betrag für Pensionen verringert sich auf 22,4 Prozent, maximal 1 680 Euro plus 504 Euro Zuschlag.

          Frei­beträge gelten künftig zwei Jahre

          Arbeitnehmer, die für ihre Ausgaben wie Kosten des Arbeits­wegs oder Unterhalt einen Frei­betrag für den Lohn­steuer­abzug beim Finanz­amt beantragen wollen, können dies ab 2016 gleich für zwei Jahre tun. Ein Frei­betrag kürzt direkt die monatliche Steuerlast und führt zu mehr Netto vom Brutto.

          Tipp: Ein Neueintrag ist dann erst für 2018 wieder erforderlich, dieser kann ab Oktober 2017 einge­tragen werden. Den „Antrag auf Lohn­steuer-Ermäßigung“ finden Sie im Internet (Formulare-bfinv.de).

          Anleger müssen Aufträge erneuern

          Frei­stellungs­aufträge, die bereits vor dem Jahr 2011 dem Geld­institut erteilt wurden, sind ab Januar 2016 nicht mehr gültig, wenn sie noch keine Steueridentifikations­nummer (Steuer-ID) enthielten. Anleger müssen prüfen, ob das für ihre Aufträge zutrifft.

          Jeder kann pro Jahr bis 801 Euro Erträge wie Zinsen, Dividenden und Verkaufs­gewinne steuerfrei stellen (Ehepaare, einge­tragene Lebens­partner 1 602 Euro).

          Tipp: Damit Ihr alter Frei­stellungs­auftrag weiter gültig ist, müssen Sie Ihrer Bank Ihre Steuer-ID mitteilen, sofern ihr die noch nicht vorliegt. Diese Nummer finden Sie im Einkommensteuer­bescheid oder auf Ihrer Lohn­steuer­bescheinigung.

          Sie können sie auch über das Bundes­zentral­amt für Steuern im Internet neu anfordern (Bzst.de).

          Kirchen­steuer auf Kapital­erträge

          Banken, Versicherungen, Genossenschaften und Kapitalgesell­schaften müssen ihre Kunden nur noch einmal darüber informieren, dass sie die Kirchen­steuer auf Kapital­erträge von Kirchen­mitgliedern auto­matisch einbehalten – sofern diese keinen Sperr­vermerk erteilt haben. Bislang mussten die Kredit­institute ihre Kunden jähr­lich darüber informieren.

          Tipp: Sie wollen die Abfrage nicht und begleichen die Kirchen­steuer selbst über Ihre Steuererklärung? Dann müssen Sie beim Bundes­zentral­amt für Steuern schriftlich wider­sprechen. Das Formular gibt es im Internet (Bzst.de, „Steuern National“ und „Kirchen­steuer“).

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