Nur drei Anbieter haben günstige und kundenfreundliche Verträge. Doch auch diese sind nicht für jeden geeignet.

Wollen Sie Ihre Kinder in finanzielle Schwierigkeiten stürzen? Die Werbeleute der Versicherer und Sterbekassen heben gerne den Zeigefinger, wenn sie Sterbegeldversicherungen anbieten. Sie haben zwei gute Argumente: Jeder stirbt irgendwann, und das ist mit Kosten verbunden, den Kosten für die Bestattung.

Eine Sterbegeldversicherung reicht gewöhnlich, um diese Kosten zu decken. Die Policen gibt es mit Versicherungssummen von ein paar Tausend Euro. Wenn der Versicherte stirbt, zahlen die Gesellschaften das Geld an die Angehörigen aus.

Wir haben die Angebote von 30 Lebensversicherern und 14 Sterbekassen getestet. Betrachtet haben wir Angebote für 45- und 65-jährige Frauen und Männer mit einer Versicherungssumme von 5 000 Euro und einer Beitragszahlungsdauer von 20 Jahren. Der Schutz der Police läuft nach dem Ende der Beitragszahlung weiter.

Nur für die Gruppe der 45-Jährigen gibt es drei Tarife, die unseren Anforderungen standhalten, die Angebote der Debeka, der HDH und der SDK.

Sie schneiden in beiden Prüfpunkten gut ab: Kosten und Beiträge dieser Tarife stehen in einem günstigen Verhältnis, und die Versicherungsbedingungen dieser Verträge sind verbraucherfreundlich. Außerdem halten die Angebote dem Vergleich mit einer sicheren, verzinsten Geldanlage plus Todesfallabsicherung stand.

Frauen, die mit Mitte vierzig abschließen, müssen für die guten Angebote Beiträge zwischen 13 Euro und 16 Euro im Monat zahlen. Männer zahlen etwa 2 Euro mehr, weil sie im Durchschnitt früher sterben.

Für Menschen ab 65 Jahre sind die Angebote dagegen grundsätzlich zu teuer. Bei ihnen ist der Anteil der Risikoabsicherung im Beitrag zu hoch. Das kann dazu führen, dass ein 65-jähriger Mann für eine garantierte Summe von 5 000 Euro bei KarstadtQuelle binnen 20 Jahren 9 367 Euro einzahlt, jeden Monat 39,03 Euro.

Wir haben die Tarife aller Versicherer und großen Sterbekassen abgefragt. Gruppenversicherungen und Vorsorgeverträge mit Bestattungsfirmen klammern wir aus.

Unsere Bewertungen für das Kosten-Beitrags-Verhältnis und die Verbraucherfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen zeigen die vier Tabellen mit unseren 45-jährigen und 65-jährigen Modellfällen. Zusätzlich haben wir die wichtigsten Versicherungsbedingungen in der Tabelle „Wichtige Vertragsbedingungen der Sterbegeldversicherungen“ aufgeschlüsselt.

So haben wir verglichen

Sterbegeldversicherungen sind Kapitallebensversicherungen mit kleinen Versicherungssummen. Die Beiträge fließen in den Risikoschutz, den Sparanteil und die Verwaltungskosten. Der Risikoschutz hält immer bis zum Lebensende.

Beim Tod des Versicherten bekommen die Angehörigen die Versicherungssumme ausgezahlt, das ist die garantierte Leistung. Es könnte auch etwas mehr sein, wenn der Versicherer mit dem Geld der Kunden Überschüsse erwirtschaftet.

Überschüsse würden sich zum Beispiel ergeben, wenn der Versicherer mehr erwirtschaftet als den Zins, mit dem er kalkuliert hat. Die Anbieter ziehen vom Beitrag die Versicherungskosten ab und verzinsen den Sparanteil mit ihrem „Rechnungszins“.

Die meisten Versicherer rechnen mit einem Zins von 2,25 Prozent. Die Sterbekassen (siehe Tabelle) rechnen bis auf die Rheinisch-Westfälische alle mit einen etwas höheren Zins.

Trotz unterschiedlicher Zinsen ist die garantierte Leistung in allen Fällen gleich. Doch je höher der Rechnungszins, desto weniger Spielraum bleibt für Überschüsse. Im Gegenzug könnten Anbieter mit hohem Zins geringere Beiträge verlangen.

Wir haben nur die garantierte Leistung betrachtet, denn an ihr erkennt man, wie kostengünstig ein Anbieter ist. Vordere Ränge haben die Anbieter erreicht, bei denen das Verhältnis von Kosten und Beitrag unter Berücksichtigung des Zinses besser als bei den anderen ist (siehe Tabellen Modellfälle).

Ein Beispiel: Die Debeka erreicht mit einem Rechnungszins von 2,25 Prozent und einem Monatsbeitrag von 16,35 Euro bei den 45-jährigen Männern den vorderen Rang. Die Fürsorgekasse verlangt zwar nur 15,41 Euro, rechnet aber mit einen Zins von 3,5 Prozent. Damit müsste die Fürsorgekasse eigentlich noch billiger sein. Deshalb reichte es nur für Platz 2. Empfehlen können wir sie nicht, weil ihre Bedingungen nicht verbraucherfreundlich sind.

Der Vergleich mit der Alternative

Eine Sterbegeldversicherung ist nicht die einzige Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass ausreichend Geld für die Beerdigung da ist. Wir haben zum Vergleich ausgerechnet, was ein Kunde bekommt, wenn er sein Geld in eine preiswerte Risikolebensversicherung investiert und den Rest spart.

Da wir keine Risikolebensversicherung mit einer Versicherungssumme von 5 000 Euro gefunden haben, haben wir ein Angebot mit 10 000 Euro zugrunde gelegt, wobei die Summe im Laufe der Jahre fällt. Gleichzeitig wächst das Ersparte des Kunden, um die Beerdigung davon zu bezahlen. Für die Sparraten haben wir verschiedene Zinssätze durchgerechnet. 

Bekommt der Kunde für seine Sparraten mehr als 3 Prozent, schafft es bei den 45-Jährigen kein Anbieter, mit seiner Sterbegeldversicherung besser zu sein. Bei den 65-Jährigen reichen schon 2 Prozent Zins, um die Sterbegeldversicherungen zu schlagen.

Auf üppige Überschüsse darf man bei den meisten Sterbegeldversicherungen nicht hoffen. Sie würden das Bild also kaum ändern.

Tücken in den Bedingungen

Fair klingen die Angebote vieler Versicherer ohne Gesundheitsfragen. Denn nur wenn es Gesundheitsfragen gibt, können die Versicherer Interessenten auch ablehnen. Doch Vorsicht! Den Verzicht auf Gesundheitsfragen erkauft der Kunde mit einer Wartezeit von bis zu 36 Monaten. Stirbt der Kunde kurz nach dem Vertragsschluss, erhalten seine Angehörigen nicht die volle Versicherungssumme, sondern nur einen Teil davon – entweder die bereits bezahlten Beiträge abzüglich der Kosten oder einen Anteil der Versicherungssumme.

Nur nach einem Tod durch Unfall zahlen alle bis auf die LLH die volle Leistung sofort. Die Wartezeit war einer unserer Prüfpunkte bei der Bewertung der Bedingungen.

Sterbegeldpolicen als Türöffner

Die heutige Rentnergeneration ist die reichste, die je in Deutschland ihren Lebensabend genießen durfte. Genau deshalb steht sie im Visier der Versicherer, die mit immer raffinierteren Versicherungsprodukten für Senioren aufwarten.

In der Branche gelten Sterbegeldversicherungen als „Türöffnerprodukt“. Der Versicherungsverkäufer gewinnt den Kunden für die Police, indem er ihn moralisch unter Druck setzt: „Wollen Sie nach dem Tod noch ihren Kindern auf der Tasche liegen?“ Anschließend kann er ihm noch eine Rentenversicherung oder Assistance-Leistungen zur Pflegeversicherung verkaufen.

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