Sterbegeldversicherung Meldung

Sterbegeldversicherer werben in Vereinen. Lohnend sind die Angebote selten.

„Bloß nicht den Kindern auf der Tasche liegen!“ Bei Senioren sind Sterbegeldversicherungen beliebt. Doch die Policen begraben viel Geld und sind nur selten nötig.

Um älteren Menschen Sterbegeldversicherungen zu verkaufen, legen Versicherungsvertreter gerne ein Tremolo in die Stimme: „Ein Todesfall kann leicht zu einem erheblichen finanziellen Problem für die Familie werden“, reden sie ihrem Gegenüber ein schlechtes Gewissen ein.

Die Masche zieht. Die Angebote verkaufen sich so gut, dass sie in der Branche als „Türöffnerprodukt“ gelten: Wer eine Sterbegeldversicherung kauft, ist auch empfänglich für private Pflege- und Rentenversicherungen. Fast alle Lebensversicherer bieten die Sterbepolicen an, manche zusammen mit gesetzlichen Krankenkassen.

„Achtung: Gesetzliche Leistungen gestrichen“, stempelten die KarstadtQuelle-Versicherungen noch Ende vergangenen Jahres auf eine Wurfpostsendung, die für Sterbegeldversicherungen warb. Das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen hat die Regierung schon vor mehr als drei Jahren abgeschafft. Zum Schluss waren es noch 500 Euro, die es von der Kasse gab. Eine Beerdigung kostet rund 5 000 Euro.

Seither bieten die Versicherer verstärkt ihre Policen an. Sie sind nichts anderes als Lebensversicherungen. Für einen auf den ersten Blick geringen monatlichen Beitrag, der 20 Jahre lang oder bis zu einem Alter von höchstens 85 Jahren gezahlt wird, garantieren sie Summen zwischen 2 500 und 10 000 Euro. Sie werden mit dem Tod des Versicherten fällig. Je später im Leben ein Mensch eine solche Versicherung abschließt, umso höher ist sein Beitrag.

Geld fließt direkt an den Bestatter

Sterbegeldversicherung Meldung

Zur Sonne, zur Sterbegeldversicherung. Die Gewerkschaft Verdi macht Mitgliedern Angebote, die sie ablehnen sollten.

Beim Abschluss verzichten die meisten Versicherer auf Gesundheitsfragen. An deren Stelle treten Wartezeiten. Je nach Anbieter dauert es zwischen sechs Monaten und vier Jahren, bis im Todesfall die volle Versicherungssumme fällig wird. Stirbt der Versicherte in der Wartefrist, erhalten die Begünstigten nur Teile der Versicherungssumme.

Ausgezahlt wird das Geld an die Hinterbliebenen, die davon die Bestattungskosten tragen können. Oder das Geld fließt direkt an einen Bestattungsunternehmer, mit dem der Versicherte zu Lebzeiten einen Vorsorgevertrag geschlossen hatte.

Der Trend geht dahin, dass Versicherer und Bestatter zusammenarbeiten. Der Kunde schließt eine Sterbegeldversicherung ab und kauft damit gleichzeitig die Leistung eines Bestatters ein.

Die Ideal-Versicherung zum Beispiel verkauft mit ihren Sterbegeldversicherungen die Dienste von Ahorn-Grieneisen gleich mit. Das Bestattungsunternehmen gehört zur Firma. Entscheidet sich ein Kunde für eine Bestattungsvorsorge der Ideal, setzt aber nicht Ahorn-Grieneisen als Begünstigte ein, zieht ihm die Ideal 10 Prozent von der Versicherungssumme ab.

Die Nürnberger Versicherung arbeitet mit den rund 3 500 Bestattern zusammen, die im Verband Deutscher Bestattungsunternehmer zusammengeschlossen sind.

Renditegrab

Die Vorsorge ist teuer. Die Einzahlungen über die gesamte Laufzeit übersteigen vor allem bei höherem Einstiegsalter die garantierte Leistung bei weitem.

Ein 65-Jähriger, der bei KarstadtQuelle 5 000 Euro Sterbegeld absichern will, bezahlt monatlich 28,85 Euro und damit bis zum Alter von 85 Jahren 6 974 Euro. „Ich weiß, dass für diese Sterbegeldabsicherung bei Eintritt in höherem Lebensalter Beiträge zu bezahlen sind, die in ihrem Gesamtbetrag die Versicherungsleistung übersteigen können ...“, lässt sich KarstadtQuelle den Nachteil sogar quittieren.

Mit Überschussbeteiligungen rechnen die Versicherer die Produkte schön. Eine „attraktive Bonusleistung von 35 Prozent“ auf die Versicherungssumme stellt KarstadtQuelle in Aussicht. Im Kleinstgedruckten des Faltblatts weist die Gesellschaft darauf hin, dass diese Leistung jährlich neu festgesetzt wird und nicht garantiert werden kann.

Tatsächlich zahlt der Mann seine Bonusleistung selbst ein. Selbst wenn sie voll fällig würde, käme der Versicherte damit nur auf 6 750 Euro.

Verpflichtet sind die Versicherer zu einer Verzinsung von 2,25 Prozent. Die Zinsen gibt es aber nicht auf den vollen Beitrag. Die Versicherer ziehen zunächst die Abschluss- und Verwaltungskosten ab und kalkulieren eine saftige Risikoabsicherung ein. Erst der Rest wird verzinst.

Rechnerisch lohnt sich eine Sterbegeldversicherung nur, wenn der Versicherte kurz nach Ablauf der Wartefrist verstirbt und noch nicht allzu viel einbezahlt hat.

Sparen kann schon reichen

Die bessere Alternative zu Sterbegeldversicherungen ist, rechtzeitig etwas zu sparen oder anzulegen. Vielleicht wird ja mit 65 eine ganz normale Kapitallebensversicherung fällig. 3 700 Euro davon in einer Summe angelegt, bringen bei einem niedrig angesetzten Zinssatz von 3 Prozent binnen zehn Jahren 1 272 Euro Zinsen. Selbst wenn sonst nichts da ist, müssen die Angehörigen die Beerdigung dann nicht aus der eigenen Tasche bezahlen.

Würde ein Sparer, anstatt eine Sterbegeldversicherung abzuschließen, einen Sparplan bei seiner Bank abschließen und jeden Monat 28,85 Euro einzahlen, hätte er nach zehn Jahren 4 033 Euro auf dem Konto. Auch dieser Rechnung liegt ein Zinssatz von 3 Prozent zugrunde.

Geld aus vielen Quellen

Oft bekommen die Angehörigen auch aus anderen Quellen Geld, das sie für die Beerdigung ausgeben können.

  • Sterbevierteljahr: Die Deutsche Rentenversicherung zahlt auf Antrag wenige Tage nach dem Todesfall drei volle Monatsrenten an den hinterbliebenen Partner aus. Voraussetzung ist, dass der Verstorbene eine gesetzliche Rente bezogen hat.
  • Versorgungsamt: Hinterbliebene von Kriegsbeschädigten erhalten ein Sterbegeld nach dem Bundesversorgungsgesetz in Höhe des Dreifachen ihrer Bezüge. Voraussetzung ist, dass sie mit dem Verstorbenen zusammengelebt haben. Gibt es keine Verwandten, können dieses Geld auch diejenigen beantragen, die den Verstorbenen gepflegt oder seine Bestattung bezahlt haben.
  • Gesetzliche Unfallversicherung: Besteht nach einem Unfall ein Anspruch auf die Leistung der gesetzlichen Unfallversicherung, bezahlt diese Kasse Sterbegeld (2007: 350 Euro).
  • Öffentlicher Dienst: Angehörige von Angestellten des öffentlichen Dienstes erhalten oft eine Sterbebeihilfe.
  • Steuern sparen: Hinterbliebene können die Kosten für eine Bestattung als „außergewöhnliche Belastungen“ bei der Steuer angeben. Das geht aber nur, wenn der Nachlass nicht ausgereicht hat, die Bestattungskosten zu decken.
  • Sozialamt: Für mittellose Menschen ohne Angehörige bezahlen die Sozialämter eine einfache Bestattung. Werden später Angehörige ermittelt, müssen die allerdings die Kosten übernehmen.

Manche Menschen haben sogar bereits eine zusätzliche Absicherung für die Beerdigungskosten, ohne es zu wissen.

  • Betriebliche Sterbekasse: Ältere Menschen, die eine Sterbegeldversicherung angeboten bekommen, sollten prüfen, ob ihr ehemaliger Arbeitgeber eine Sterbekasse für sie unterhält oder unterhalten hat.
  • Private Unfallversicherung: Sterbegeld in Höhe der Versicherungssumme zahlt die private Unfallversicherung, wenn der Versicherte bei einem Unfall stirbt.
  • Risikolebensversicherung: Ehepartner sichern ihre Familie oft mit Risikolebensversicherungen ab. Häuslebauer werden von der Bank sogar häufig dazu verpflichtet, um den Baukredit abzusichern. Die Versicherungssummen sind so hoch, dass auch die Beerdigung daraus bezahlt werden kann. Die Verträge enden aber meist mit dem 65. Lebensjahr.

Wer ganz sicher gehen will, handelt schon jetzt mit einem Bestatter seiner Wahl aus, wie er beerdigt werden möchte. Das Geld dafür kann er bei der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand in Düsseldorf hinterlegen, einer Einrichtung des Bundesverbandes Deutscher Bestatter.

Sie zahlt 2 Prozent Zinsen. Die Verwaltungskosten gibt sie mit rund 0,25 Prozent und die Bestatterprovision mit 1 Prozent der Einlage an. Mitgliedsbeiträge an das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur schmälern die Rendite weiter. Dafür ist die Einlage sicher: Die Stadtsparkasse Wuppertal bürgt dafür.

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