Vereint sind wir schlecht versichert

Die Versicherungsbranche nutzt Vereine, um Kunden zu gewinnen. Schnäppchen sind die Gruppentarife meist nicht.

Seniorenberatung Bayern e. V. Im weißblauen Logo ein bayerischer Löwe. Die Internetseite des Vereins verlinkt mit bayrischen Ministerien. Das sieht vertrauenerweckend aus. Als sich der Verein am 1. September 2006 in Straubing gründete, sprach ihm die Lokalpresse etwas vorschnell die Gemeinnützigkeit zu.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen ein Beerdigungsunternehmer und ein Bayreuther Versicherungsvertreter. Einen Antrag auf Gemeinnützigkeit hatte der Verein im Januar 2007 jedenfalls noch nicht gestellt.

Wenige Mausklicks genügen, und der Besucher der Internetseite findet sich bei der Berliner Ideal-Versicherung wieder. „Vertrauensvoll und kompetent zu beraten“, verspricht der Verein. Vergleichsmöglichkeiten anzubieten, gehört wohl nicht dazu. Die Ideal hat bei der Seniorenberatung Bayern das Monopol.

Corona-Familienwerk e. V. In Saarbrücken wirkt das Corona-Familienwerk e. V. Auch hinter diesem im Namen an kirchliche Einrichtungen erinnernden Verein steht ein Verkäufer.

Die Corona-Mitgliedschaft kostet 18 ­Euro im Jahr. Dafür erwirbt zum Beispiel eine 67-jährige Frau das Recht, eine Sterbegeldversicherung über 3 000 Euro bei der Ideal-Versicherung für 20,10 Euro Beitrag im Monat abzuschließen. Erreicht sie 85 Jahre, das Endalter für die Beitragszahlung, hätte sie 4 339,44 Euro und 18 Vereinsbeiträge, also insgesamt 4 659,44 Euro bezahlt.

Wo sind die Vorteile?

Angeblich profitiert die Frau von den günstigen Gruppenbedingungen des Familienwerks. Worin die Vorteile bestehen sollen, bleibt aber schleierhaft.

Würde sie sich nämlich direkt an den Berliner Seniorenversicherer wenden, berechnete der ihr 20,09 Euro im Monat, bei KarstadtQuelle wären 20,05 Euro für garantierte 3 000 Euro Ablaufleistung fällig. Vereinsbeiträge brauchte sie nicht zu bezahlen.

Verdi. Die etwa 2,4 Millionen Mitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhalten regelmäßig Angebote für eine Gruppen-Sterbegeldversicherung, die DBV-Winterthur, BHW und Volksfürsorge gemeinsam anbieten. Die 67-Jährige müsste hier für 3 000 Euro Versicherungssumme 14,94 Euro bezahlen.

Das klingt besser, als es ist. Der monatliche Beitrag wird durch die Überschüsse künstlich niedrig gehalten. Die sind aber nicht garantiert.

Musik- und Sportvereine bieten Mitgliedern ebenfalls Sterbegeldversicherungen an. Die Hamburg-Mannheimer hat nach eigenen Angaben rund 250 Vereine und Verbände unter Vertrag, darunter der VdK mit 1,1 Millionen Mitgliedern.

Gruppentarif mit Zwangsspende

Viele Gruppentarife enthalten Klauseln, dass die Überschussbeteiligung vom Versicherer an den Verein abgeführt wird. Meist weiß das Mitglied von der Zwangsspende nichts. Ein formloses Schreiben an den Versicherer macht ihr ein Ende.

Wer den Verein verlässt oder aus der ­Gewerkschaft austritt, verliert den in der Regel ohnehin schon ungünstigen Gruppentarif und muss fortan den noch schlechteren Individualtarif bezahlen.

Es geht auch anders: Vergleichsweise faire Angebote gibt es beim Solidar-Versicherungsverein in Bochum. Für 3 000 Euro Versicherungssumme muss eine 65-Jährige (Höchsteintrittsalter) 14,40 Euro im Monat anlegen.

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