Staubsaugerbeutel Sind güns­tige Kopien genauso gut wie das Original?

Es muss nicht der teure Originalbeutel des Staubsauger­herstel­lers sein. Fremdbeutel von Swirl und Co. sind oft genauso gut – und kosten teil­weise die Hälfte.

Staubsaugerbeutel Testergebnisse für 19 Staub­saugerbeutel 07/2016

Inhalt

Staubsaugerbeutel kauft man nicht, man sucht sie – scrollt sich durch Internet­daten­banken, blättert in Katalogen oder steht vor einem Laden­regal voll bunter Papp­schachteln, die sich nur durch kryptische Kürzel wie PH96, EX 46m oder M 701 BD unterscheiden. Allerdings nicht, ohne vorher selbst im Staub gehockt zu haben. Um an das passende Kürzel für seinen Beutel zu kommen, braucht man die Typenbezeichnung seines Saugers, die irgendwo an der Unterseite des Geräts versteckt ist. Es fühlt sich an wie der Kniefall vor einer Branche, die aus einem profanen Haus­halts­artikel ein Mysterium macht.

1 600 Beutelmodelle im Sortiment

Der Onlinehändler Staubbeutel.de führt mehr als 1 600 verschiedene Beutelmodelle. Jeder Staubsauger­hersteller bietet natürlich seine Originale an. Dominiert wird der Markt aber von Kopisten – allen voran Markt­führer Swirl. Oft sind die Fremdbeutel deutlich güns­tiger als die Originale. Doch saugen die Staubsauger mit ihnen auch genauso gut?

Kopien von AEG, Bosch und Miele

Die Antwort lautet: nein, nicht mit allen. Manchmal endet das Fremd­gehen mit unlieb­samen Über­raschungen. Einige geprüfte Filtertüten waren undicht, eine platzte sogar – ausgerechnet eine, die keine Ersparnis brachte. Verbraucher finden aber auch Beutel, deren Qualität und Preis stimmen. Wir haben 19 Beutelkopien gegen die Hausmarken von AEG, Bosch und Miele antreten lassen – in Staubsaugern der drei Marken (Test­ergeb­nisse und Gruppenkommentare).

Staubsaugerbeutel - Sind güns­tige Kopien genauso gut wie das Original?
© S. Thost, Stiftung Warentest (M)

Teppiche werden genauso sauber

Staubsauger­hersteller betonen, dass ihre Geräte nur mit perfekt abge­stimmten Beuteln – also ihren Originalen – gut arbeiten. Häufig schließen sie sogar Garan­tie­ansprüche aus, wenn Nutzer Fremdbeutel verwenden. Dabei machen die Kopisten ihre Sache oft ganz gut. Die Sauger säubern Teppich und Hartboden mit den Fremdbeuteln im Innern genauso wie mit den Hausmarken. Viele Kopien können jedoch weniger Staub aufnehmen, bevor die Saug­kraft merk­lich nach­lässt – der Nutzer muss den Beutel also früher wechseln. Das schmälert die mögliche Ersparnis, was wir im Kosten­vergleich berück­sichtigt haben.

Unterschiedlich ist zum Teil auch die Filter­wirkung. Mehr als jede dritte Kopie hält weniger Staub zurück als der Originalbeutel. Weniger effiziente Modelle haben zur Folge, dass sich im Sauger nachgeschaltete Motor­schutz- und Abluft­filter schneller zusetzen und häufiger gewechselt werden müssen.

Staubsaugerbeutel - Sind güns­tige Kopien genauso gut wie das Original?
© Stiftung Warentest

Undichte und geplatzte Beutel

Schlimmer ist ein Beutel, der nicht richtig passt. Um Pass­form und Halt­barkeit zu erkunden, haben wir die Tüten einem Härtetest unterzogen. Die Staubsauger mussten ein Gemisch aus Zement und Vogelsand einsaugen, wodurch die Poren der Filter schnell verstopfen. Einige Beutelmanschetten schlossen an den Saug­rohr­stutzen nicht dicht genug: Ross­manns Flink & Sauber sowie Staubbeutel-Profi in dem AEG-Sauger, Disba in dem Bosch-Gerät. So gelangte viel Staub ins Gerät­einnere anstatt in den Beutel. Auch das belastet die nach­folgenden Filter, kann außerdem den Motor beschädigen. Oben­drein ist es eine Riesen­sauerei.

Staubsaugerbeutel - Sind güns­tige Kopien genauso gut wie das Original?
Geplatzt. Der Beutel von Wolf riss im AEG-Sauger beim Belastungs­test auf. Verstaubt. Innenraum des AEG-Saugers, nachdem der Wolf-Beutel geplatzt war. © Stiftung Warentest

Das Duo Wolf-Beutel mit AEG-Sauger erwies sich ebenfalls als keine gute Part­nerschaft. Der Beutel platzte an der Naht auf. Das kann das Gerät komplett lahmlegen. Die Prüfung ist hart, in der Praxis dürfte solch eine Belastung selten vorkommen. Allerdings haben alle anderen Beutel den Härtetest über­standen.

Keine Billig­importe aus Fern­ost

Die Firma Wolf PVG gehört zur Unter­nehmens­gruppe Melitta – bekannt für ihre Kaffee­filter. Wolf fertigt sowohl eigene Staubsaugerbeutel als auch die der Marke Swirl. Der Filter­hersteller aus Ostwest­falen steckt hinter vielen Namen der Branche. Welche das sind, wollte er nicht mitteilen. Auch die Anbieter der anderen Fremdbeutel hielten ihre Lieferanten im Dunkeln. Alle versicherten, in Europa oder Deutsch­land fertigen zu lassen.

Kaum ein Staubsauger­hersteller fertigt seine Originalbeutel selbst. Von den dreien im Test produziert nur Electrolux die Beutel für seine Marke AEG in Schweden. Von dort kommen auch die Tüten der Electrolux-Marke Menalux, die in viele Markens­auger passen. Miele bezieht seine Originalbeutel nach eigenen Angaben von Eurofilters in Belgien. Bosch nannte auf Anfrage keine Namen.

Staubsaugerbeutel Testergebnisse für 19 Staub­saugerbeutel 07/2016

Keine normierten Staubbeutel in Sicht

Bleibt die Frage: Warum gibt es eigentlich keine normierten Staubbeutel? Weil kein Hersteller das will. Der Verbraucherrat des Deutschen Instituts für Normung versucht es seit Jahren. „Es fehlt an politischem Druck“, sagt Geschäfts­führerin Karin Both. „Bei Handy-Ladegeräten drängte Brüssel auf einheitliche Anschlüsse, weil dadurch weniger Geräte auf dem Schrott landen.“ Normierte Beutel würden keinen Müll vermeiden. Und so werden wir auch in Zukunft auf dem Boden knien, Kürzel suchen und hoffen, für unser betagtes Beuteltier passenden Ersatz zu finden.

Mehr zum Thema

  • Rück­ruf Aldi-Staubsauger Easy Home Staubsauger kann Feuer fangen

    - Akku-Staubsauger sind hand­lich, aber ihr Lithium-Akku ist nicht ohne Risiko. Diese Erfahrung macht nun auch Aldi Süd – und ruft das Gerät Easy Home zurück.

  • Energielabel Das bedeuten die neuen Etiketten

    - Seit März 2021 gilt ein strengeres Energielabel für Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Fernseher. Die Klassen A+ bis A+++ verschwinden. Wir klären auf.

  • Saugroboter und Wischroboter im Test Die besten Saugroboter

    - Saugroboter und Saug-Wischroboter sollen die Basis­reinigung erledigen. Doch nur neun Roboter sind gut. Ganz neu im Test 2022: zwei Saugroboter von Miele und Shark.

2 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

marcbs am 18.11.2020 um 23:37 Uhr
swirl AirSpace innen halbiert? Verdoppel-Trick !-)

homalu am 21.07.2016:
> Swirl halbiert den Staubbeutelinhalt künstlich ... in Beuteln M50
.
Danke erstmal für buchstäblich wertvollen Hinweis, denn so würden die Beutel erheblich günstiger.
.
Ich schaute gleich nach und kann 'innere Halbierung' für Beutel
swirl M50 AirSpace Technology bestätigen
und für
swirl M50 MicroPor® Power Filter verneinen.
Letztere haben nichts dergleichen und man kann bis zum 'echten' Boden gucken, was ich nun immer mache.-)
Offenbar ist es entsprechend swirls Aussage bei mit "AirSpace" bezeichneten Beuteln und sicher auch anderen Serien als M50 der evtl. gescheiterte oder vorgetäuschte Versuch ein 'besonderes' Produkt anzubieten.
Wenn es wirklich eine Art von "Volumen-Verschleierung" ist (was ich nicht ermessen kann), so dass sich dann der scheinbar günstigere Preis effektiv erheblich erhöhen würde, hielte ich dies für illegal.
.
Nun, swirl, nimm dies:
Zwischenbeutel-Klebepunkt am Loch lösen!
Dann ist's tatsächlich so günstig ;-)

marcbs am 18.11.2020 um 23:34 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

homalu am 21.07.2016 um 14:36 Uhr
Swirl halbiert den Staubbeutelinhalt künstlich

Zumindest in den von mir benutzten Beuteln M50 für einen Miele-Staubsauger ist eine künstliche Filterschicht innen am oberen Rand so befestigt, dass der Beutelinhalt halbiert wird. Ich habe mich daraufhin vor Jahren an Swirl gewandt und nachgefragt: Laut Aussage Swirl dient diese "Halbierung" angeblich dazu, den Staub im Beutel besser zu verteilen - er soll praktisch "um die Ecke" in den unteren Teil gesogen werden. Ich kann das nicht bestätigen. Bei neuen Beuteln löse ich daher diese Innenzwischenschicht an ihrer Klebestelle und komme seit dem länger mit einem Beutel aus.