Staubsauger im Test

Ökobilanz im Vergleich: So öko ist Akku

Staubsauger im Test - Akkus­auger gegen Boden­staubsauger
Wer frisst mehr Strom? Akku- oder Kabel­staubsauger? © Getty Images (M)

Staubsauger mit Kabel belasten die Umwelt deutlich stärker als Geräte mit Akku. Das liegt vor allem an ihrem höheren Strom­verbrauch.

Staubsauger im Test Testergebnisse für 114 Staub­sauger

Inhalt

Akku gegen Kabel: Die Ökobilanz

Die einen schlu­cken ordentlich Strom übers Kabel und verlangen alle paar Wochen einen neuen Beutel, die anderen müssen häufig geladen werden und benötigen nach einigen Jahren einen neuen Lithium-Ionen-Akku. Die Gehäuse sind aus Plastik, ihr Innenleben ist ein Geheimnis aus Metallen und Kunststoffen: Ökologische Unschulds­engel sind beide nicht. Doch wer ist Öko-Teufelchen: Akku- oder Kabel­staubsauger?

Wir haben ihre Lebens­wege nachgezeichnet – von der Fabrik über Fracht­container, Waren­lager und Geschäft bis nach Hause und schließ­lich ins Recycling und den Elektroschrott. Unterwegs verursachen sie Treib­hausgase, verbrauchen Rohstoffe, Wasser und Strom.

Verlierer nach Punkten

All diese Auswirkungen haben wir zusammengezählt, gewichtet und in Umwelt­schadens­punkte umge­rechnet. Je mehr Punkte für ein Gerät, desto schlechter seine Ökobilanz. Ergebnis: Akkus­auger haben eine eindeutig bessere Ökobilanz als Geräte mit Kabel. Ein Akkus­auger erreicht 23 Umwelt­schadens­punkte, ein Kabels­auger fast 33.

Hohe Punkt­zahl? Schlechte Bilanz!

Die Umwelt­schadens­punkte fassen Öko-Einflüsse aus jedem „Lebens­abschnitt“ der Sauger zusammen. Beispiele:

  • Produktion. Welche Rohstoffe, wie viel Strom und Wasser werden benötigt, wie viel Wald wird gerodet? Welche Schad­stoffe entstehen?
  • Trans­port. Wie weit hat es der Sauger bis zum Kunden − und wie kommt er dahin?
  • Nutzung. Wie viel Strom verbraucht das Gerät? Welche Verbrauchs- und Verschleiß­teile sind wie oft notwendig?
  • Entsorgung. Was lässt sich recyceln, was wird verbrannt?

Knack­punkt ist der Strom­verbrauch

Allein mit ihrem Strom­verbrauch häufen Kabel­staubsauger fast so viele Schadens­punkte an wie Akkus­auger im gesamten Lebens­zyklus. Für die Bilanz haben wir angenommen, dass sie zehn Jahre je eine Stunde pro Woche benutzt werden. Dabei verbrauchen Kabelmodelle etwa doppelt so viel Strom wie Akkus­auger.

An den Reglern drehen

Wer einen Staubsauger nutzt, kann den Strom­verbrauch selbst stark senken − den alten Kabels­auger durch ein spar­sames Gerät ersetzen oder den Putzhelfer auf nied­riger Saug­stufe betreiben. Volle Pulle heißt: höherer Strom­verbrauch, schlechtere Ökobilanz. Bei Akkus­augern verschleißt dabei die Batterie schneller. Die notwendigen Ersatz­teile belasten die Ökobilanz zusätzlich. Noch schlechter sieht sie aus, wenn sich der Akku nicht wechseln lässt, sodass bei ausgelaugter Batterie gleich ein neuer Sauger fällig ist.

Der Akku macht den Kohl nicht fett

Im aktuellen Staubsaugertest wiegen fast alle Kabelgeräte zwei- bis dreimal so viel wie Akkus­auger. Doch in Akkus­augern ist mehr Elektronik verbaut, die eine aufwendigere Produktion erfordert. Deshalb wirkt sich die Produktion bei beiden ökologisch etwa gleich stark aus.

Der Akku selbst schlägt vergleichs­weise schwach auf die Ökobilanz durch. Selbst problematische Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt fallen kaum ins Gewicht, dafür sind die verwendeten Mengen zu gering. Die Batterie verursacht gerade mal einen Schadens­punkt – obwohl die Gewinnung von Lithium das Grund­wasser gefährdet. Kinder riskieren im Kongo für den Abbau von Kobalt ihr Leben. In unsere Ökobilanz konnten soziale Folgen oder Menschen­rechts­verletzungen nicht einfließen. Möglicher­weise würde das Ergebnis sonst anders aussehen.

Mit Ökostrom wirds besser

Beim größten Posten Strom­verbrauch dürfte sich die Ökobilanz in Zukunft quasi auto­matisch verbessern. Denn woher der Strom stammt, fließt auch ein. Aktuell wird noch mehr als die Hälfte des Stroms in Deutsch­land aus Kohle, Gas und Co erzeugt. Doch in den kommenden Jahren steigt der Ökostrom­anteil weiter. 

Tipp: Die Ökobilanzen von Staubtüchern haben wir in unserem Staubwedel- und Mikrofasertücher-Test untersucht.

Stromhunger verhagelt die Ökobilanz

Staubsauger im Test - Akkus­auger gegen Boden­staubsauger
© Stiftung Warentest, Getty Images (M)

Allein durch seinen Strom­verbrauch häuft der Kabels­auger fast so viele Umwelt­schadens­punkte an wie ein Akkus­auger in seinem gesamten Lebens­zyklus − selbst dann, wenn dieser irgend­wann einen Ersatz­akku braucht. Die ökologischen Auswirkungen von Produktion, Trans­port und Entsorgung liegen beim Kabel- und Akkus­auger dagegen fast gleich­auf.

Auf Dauer hilft weniger Power

Staubsauger im Test - Akkus­auger gegen Boden­staubsauger
Grafik korrigiert am 11.2.2022. © Stiftung Warentest, Adobe Stock (M)

Im Nutzungs­szenario (Stromhunger verhagelt die Ökobilanz) sind wir davon ausgegangen, dass die Staubsauger auf höchster Stufe laufen.

Der Dreh. Wenn wir nun an den Reglern drehen, ändert sich die Ökobilanz drastisch. Bei hoher Leistung verbrauchen sowohl Kabel- als auch Akkus­auger etwa doppelt so viel Strom wie auf nied­riger Stufe. Allerdings kann auf nied­riger Stufe die Saug­leistung leiden.

Umge­kehrt kommt bei Akkus­augern hinzu: Volle Pulle fördert den Verschleiß des Akkus. Läuft der Akkus­auger in zehn Betriebs­jahren immer auf hoher Stufe, braucht er drei neue Akkus, auf nied­riger Stufe dagegen keinen einzigen. Wer auf Kabels­auger setzt, kann auch ein Gerät mit nied­rigerer Leistungs­aufnahme anschaffen und so Strom sparen (Neue Stromsparer zahlen sich schnell aus).

Akku wechseln statt Sauger wegwerfen

Staubsauger im Test - Akkus­auger gegen Boden­staubsauger
© Stiftung Warentest, Getty Images (M)

Bei vielen Akku­staubsaugern lässt sich der Akku austauschen. Das ist praktisch und außerdem gut für die Ökobilanz.

Der Vorteil. Der Produktions­aufwand für einen Ersatz­akku ist vergleichs­weise gering und verursacht nur einen zusätzlichen Umwelt­schadens­punkt (siehe linker Balken). Bei Betrieb auf mitt­lerer Stufe ist ein neuer Akku nach knapp sechs Jahren fällig, wenn der alte nach 600-maligem Laden und Entladen dahin ist.

Es gibt aber immer noch Geräte mit fest verbautem Akku. Da müssen Nutzerin oder Nutzer nicht nur den ausgelaugten Akku ersetzen, sondern den kompletten Sauger. Produktion, Trans­port und Entsorgung eines zweiten Geräts belasten die Ökobilanz deutlich. Am Strom­verbrauch in der Nutzungs­phase ändert sich nichts.

Neue Stromsparer zahlen sich schnell aus

Staubsauger im Test - Akkus­auger gegen Boden­staubsauger
© Stiftung Warentest, Getty Images (M)

Oft ist es besser für Umwelt und Geldbeutel, ein Haus­halts­gerät möglichst lange zu nutzen. Manchmal rentiert sich Wegwerfen aber doch – wenn das alte Gerät Unmengen an Strom verbraucht.

Der Vergleich. Wir haben den Strom­verbrauch eines Kabels­augers, der etwa 2 000 Watt Leistung aufnimmt, in Umwelt­schadens­punkte umge­rechnet (gelbe Linie). Solche Geräte dürfen seit 2014 nicht mehr verkauft werden, sind aber vielfach noch im Dienst. Die grüne Linie zeigt, was sich durch einen neuen Kabels­auger mit 650 Watt Leistung ändert. Seine Produktion und die Entsorgung des Altgeräts haben wir berück­sichtigt, weshalb der Neue bei zehn Punkten startet. Schon im dritten Jahr steht er besser da als der alte Strom­fresser.

Staubsauger im Test Testergebnisse für 114 Staub­sauger

Mehr zum Thema

  • Fernseher im Test Top-Bild und Ton – geht auch günstig

    - Ob LG oder Samsung, ob Full HD oder UHD – im Fernseher-Test der Stiftung Warentest finden Sie Ihr TV-Gerät! Erfreulich: Auch güns­tige Fernseher sind unter den Guten.

  • Produktwarnung bei Wasch­maschinen Bosch-Siemens-Geräte mit loser Trommel

    - Die Bosch-Siemens-Hausgeräte-Gruppe (BSH) warnt vor einer Charge von Wasch­maschinen der Marken Bosch, Siemens und Constructa. Bei den betroffenen Modellen aus dem...

  • Wasch­trockner von Bosch und Siemens Immer noch Probleme bei neuen Maschinen

    - Etliche Wasch­trockner von Bosch und Siemens, die in diesem Jahr ausgeliefert wurden, konnten im Neuzustand nur waschen oder trocknen, Wasch­trocken-Programme...

516 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

OstSee85 am 05.05.2022 um 10:13 Uhr
Ärgerlich: bei neuem Miele S3 verrutscht Beutel

Böse Überraschung beim neuen Miele Complete S3 Select Power. Nach relativer kurzer Einsatzzeit bemerke ich einen unangenehmen Geruch beim Saugen: der (Original-)Beutel ist aus der Aufnahme ca. 1,5 cm nach oben gerutscht, eine große Menge Staub und Flusen sind am Beutel vorbei in den Innenraum des Saugers gelangt. Der Motorfilter komplett zugesetzt, auch der Motorabluftfilter dunkelschwarz von der Abluft gefärbt, eine Menge Staub muss in den Motor eingesaugt worden sein!
Auch nach Einsatz eines neuen kompletten Filtersatzes (und zwischenzeitlich mehrfacher Kontrolle des korrekten Sitzes des Staubbeutels) wieder dasselbe Phänomen: der Beutel ist aus der Aufnahme hochgerutscht und erneut der Motorfilter zugesetzt. Das Geschäft vor Ort, bei dem ich den Sauger gekauft habe, meint, ich würde die Beutel falsch einsetzen.
Der Miele-Service hat keine Idee, warum das passiert, einziger Rat, ich solle beim Einsetzen eines neuen Beutels die Aufnahme vorm Schließen nach unten drücken.

widescreen am 10.04.2022 um 12:34 Uhr
Staubsauger AEG VX7 CRAK: Saugaufsatz hält nicht

Hallo,
ich bevorzuge ja vor allem Produkte aus Ihren Tests, weil jene eine Dauerprüfung absolviert haben. Das gibt im Normalfall eine gewisse Sicherheit, dass jene Produkte auch in der normalen Haushalts-Nutzung lange genug durchhalten.
Jetzt ist mir aber die Ausnahme passiert: Wir haben einen Staubsauger AEG VX7 CRAK gekauft, welches gegenüber dem getesteten Modell wohl über zusätzliches Zubehör verfügt. Das war der Preis-Leistungs-Sieger im Februar 2020, mit Haltbarkeit laut Ihnen 'sehr gut' (1,4). Nun ist uns allerdings kurz hintereinander der Saugaufsatz gleich ZWEIMAL kaputt gegangen. Das führt zur Vermutung, es könnte einen Konstruktionsfehler geben.
Bei uns ist es zum zweiten mal so, dass der Saugaufsatz sich auf dem Endrohr in Uhrzeiger-Richtung dreht, d.h. nicht komplett fixiert wird. fixiert wird er nur GEGEN die Uhrzeiger-Richtung. Damit wackelt der Saugaufsatz, und ist nicht mehr vernünftig benutzbar.

wahrertest am 02.04.2022 um 10:26 Uhr
Vergleich über 10 Jahre Nutzungsdauer hinkt etwas.

Bisher hab ich noch kein Akku betriebenes Gerät gesehen, dessen Akku bei täglicher Verwendung nach 5 Jahren noch eine brauchbare Figur macht. Schauen Sie sich doch nur mal die Leistung des Akkus Ihrer Mobiltelefone an wenn die mehrere Jahre genutzt wurden.
Zumindest einen Akkutausch muss man für diese Zeit vorsehen, wenn man ehrlich ist. Ich denke dann sieht es von der Ökobilanz anders aus.
Ich bin selbst ein Großer Fan unseres Akku-Staubsaugers, der jetzt leider nach 4 Jahren den zweiten Akku braucht. Es ist ein Markengerät und man bekommt tatsächlich auch einen passenden Akku ohne viel basteln zu müssen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 28.03.2022 um 10:00 Uhr
Maße der Staubsauger

@fuhrmann77: Informationen zu den Maßen der Staubsauger finden Sie in unserer Tabelle bei "Ausstattung/Technische Merkmale".

fuhrmann77 am 26.03.2022 um 14:16 Uhr
Flacher Staubsauger gesucht

Hallo, um unter unserem Bett saugen zu können, benötige ich einen möglichst flachen Sauger. Sonst muss er nicht viel können, da die Fläche sehr klein ist. Finden sich Informationen dazu auch im aktuellen Test? Vielen Dank und viele Grüße