Test­vergleich: EU-Label und Stiftung Warentest

Staubsauger Test

Die Ära angeblicher Powersauger mit mehr als 2 000 Watt ist vorbei. Die EU-Ökodesign-Richt­linie drosselt neue Staubsauger mit Netz­kabel seit September 2017 auf 900 Watt. Damit einhergehend ist ein Energielabel für die Staubsauger Pflicht. Das EU-Label gibt bei Staubsaugern auch Reinigungs­klassen an. Sie decken sich nicht immer mit den Prüf­ergeb­nissen von test. Das liegt vor allem an unterschiedlichen Test­methoden. Die Prüfungen für die Einstufung auf dem Label sind oft praxis­fern.

Darüber informiert das Energielabel

Staubsauger Test

Das Energielabel ordnet die Geräte in Energieeffizienz­klassen von A bis G. Zusätzlich weist es den Strom­verbrauch aus, der höchs­tens 43 Kilowatt­stunden pro Jahr betragen darf. Er wird anhand eines 87-Quadrat­meter großen Modell-Haus­halts errechnet, in dem die Bewohner jede Woche einmal staubsaugen. Zudem informiert das Label über die Reinigungs­wirkung der Geräte, also wie gut sie Staub von Teppich und Hartboden entfernen – ebenfalls in Klassen von A bis G. Weitere Angaben betreffen die Laut­stärke und die Staub­emission. Der Schall­leistungs­pegel darf höchs­tens 80 dB (A) betragen, die Staub­emission höchs­tens 1 Prozent.

Labe­langaben weichen von Test­ergeb­nissen ab

Der Test von Boden­staubsaugern im Juni 2015 ermöglichte es erst­mals, die Angaben auf dem Energielabel mit den Testergebnissen zu vergleichen. Es zeigte sich, dass die Energieklassen meist ganz gut zu den Mess­werten des Tests passten. Die Reinigungs­klassen allerdings deckten sich nur selten mit den Prüf­ergeb­nissen. Teil­weise gab es große Unterschiede zwischen dem, was das Label verkündet, und dem, was das Prüf­labor heraus­fand. So saugten Staubsauger mit einem A für beste Staub­aufnahme mitunter schlechter als Geräte mit einem nied­rigeren Label. Woran könnte das liegen? Zum einen daran, dass die EU-Verordnung den Anbietern Spielräume bei den Label­prüfungen lässt, etwa bei der Wahl des Prüfteppichs. Zum anderen prüft die Stiftung Warentest teil­weise auch näher an der alltäglichen Praxis im Haushalt, wie der Vergleich der Prüf­methoden (siehe unten) zeigt.

Die Stiftung Warentest prüft umfang­reicher als das EU-Label

Für Verbraucher heißt das: Am Energielabel allein kann er die Qualität eines Staubsaugers nicht abschätzen. Zumal es einige wichtige Aspekte gar nicht benennt. So bezieht sich die Angabe der Reinigungs­klasse auf Hartboden nur auf Böden mit Ritzen, also etwa Dielen. Ein darauf optimierter Sauger schiebt auf glattem Parkett den Staub eher vor sich her. Für die Stiftung Warentest müssen die Sauger zeigen, wie gut sie sowohl auf Teppich und Dielenboden arbeiten als auch auf glattem Hartboden wie Laminat oder Parkett. Hinzu kommen Prüfungen zur Faser­aufnahme von Pols­tern und Teppichen, was vor allem für Tierhalter wichtig ist, zur Alltags­tauglich­keit, etwa wie sich die Geräte manövrieren lassen sowie zur Halt­barkeit von Motor und Gehäuse.

So laufen die Prüfungen der Stiftung Warentest

  • Mehrere Leistungs­stufen. Die Reinigungs­wirkung prüft test bei ma­ximaler und reduzierter Kraft. Grund: Nutzer regeln oft herunter, um besser schieben zu können. Aus diesen Werten wird das Urteil für Saugen auf Teppichboden berechnet.
  • Voller Beutel. Test prüft nicht nur mit leerem, sondern auch mit gefülltem Staubbehälter, da die Saug­kraft dann nach­lässt. Das aus den verschiedenen Tests ermittelte Gesamt­ergebnis ist damit nah an der Praxis.
  • Universaldüsen. Geprüft wird die Reinigungs­wirkung auf allen Böden mit der Universaldüse. Auch in der Praxis tauschen viele die Düse nicht, wenn sie von Teppich auf Hartboden wechseln.
  • Ein Teppich. Alle Staubsauger im Test müssen auf dem selben Prüfteppich zeigen, was sie können. Die Ergeb­nisse sind somit gut vergleich­bar.
  • Ein Labor. Die Tests finden für alle Geräte in nur einem Labor statt, das auch Label­prüfungen macht. Abläufe sind hoch auto­matisiert, die Ergeb­nisse damit gut vergleich­bar.
  • Messen. Da der Test mit allen Geräten in einem kurzen Zeitraum statt­findet, sind für die Vergleich­barkeit keine Korrektur­rechnungen notwendig.

So laufen die Prüfungen für das EU-Label

  • Nur maximale Leistung. Die Reinigungs­wirkung wird fürs Label immer mit maximaler Leistung geprüft. Einige Geräte saugen sich dabei am Boden fest, sodass sie kaum mehr zu schieben sind. Das Ergebnis ist eine hohe Saug­kraft, die aber unprakti­kabel ist.
  • Leerer Beutel. Für das EU-Label werden Staubsauger immer mit leerem Staubbehälter geprüft. Das ergibt stets die höchste Saug­kraft, ist aber praxis­fern, da im Alltag der Beutel oder die Box meist zumindest teil­weise gefüllt ist.
  • Spezialdüsen. Um die Reinigungs­wirkung auf Teppich und Hartboden zu prüfen, dürfen die Anbieter die speziellen Düsen verwenden und das jeweils beste Ergebnis aufs Label schreiben.
  • Verschiedene Teppiche. Die Norm erlaubt Anbietern, aus mehreren Chargen eines Normteppichs jenen auszuwählen, auf dem ihr Gerät am besten saugt.
  • Unterschiedliche Labors. Jeder Anbieter darf selbst messen oder ein geeignetes Labor frei wählen. Die Mess­ausrüstungen in den Labors sind verschieden. Das kann die Mess­werte beein­flussen.
  • Rechnen. Um Labe­langaben über Jahre hinweg vergleichen zu können, werden die Mess­werte mit Korrektur­rechnungen auf einen Referenz­wert bezogen.

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