Staubsauger Test

Sie sind für 50 Euro zu haben, und die Werbung verspricht Höchst­­leistungen. Doch die vier „Guten“ im Test kosten mindestens das Doppelte.

Ein Staubsauger soll Staub saugen. Er soll den Schmutz aber auch gefälligst bei sich behalten und nicht wieder heimlich im Raum verteilen. Der Fachmann sagt: Er muss ein gutes Staub­rückhaltevermögen haben. Um das zu erreichen, muss die Gesamtkonzeption stimmen, von Filtern und Staubbeuteln bis zur Stabilität und Dichtigkeit der Gehäuse. Außerdem wünschen sich die Kunden eine leichte Handhabung, gute Umwelteigenschaften und eine lange Haltbarkeit. Bekommen sie das für weniger als 100 Euro? Wir haben 15 Staubsauger der Klasse bis 150 Euro geprüft.

Geiz ist hier nicht geil

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Kontrolle: Wie viel vom Schmutz landet im Staubbeutel, wie viel bleibt auf den Prüfflächen zurück?

Geiz mag geil sein, bei Staubsaugern ist er es jedenfalls nicht. Der Test zeigt: Unterhalb einer bestimmten Preisgrenze sind attraktive Geräte kaum zu finden. Die drei „mangelhaften“ Urteile im Staub­rückhalte­­ver­mö­gen und damit in den Umwelteigenschaften trafen Clatronic (59 Euro), Progress (80 Euro) und Solac (50 Euro). Auf ein „Gut“ kam bei den Geräten unter 85 Euro nur der AFK BS-2 000 für 55 Euro. Eine Kaufempfehlung ist er mit seinen drei „mangelhaften“ Urteilen beim Saugen auf Teppich, aus Ritzen und bei der Faseraufnahme aber nicht. Auf ein „sehr gutes“ Staubrückhaltevermögen bringen es 6 der 15 Geräte. Nur eins davon, der Hoover für 85 Euro, gehört zur unteren Preisklasse. Aber der macht wiederum beim Saugen auf Teppichböden und aus Ritzen keine gute Figur.

AFK, Dirt Devil, Hoover, LG, Otto/hanseatic und Siemens sind von Hause aus mit teuren Hepa(High Efficiency Particulate Air)-Filtern ausgestattet. Sie sollen auch feinste Partikel aus der Abluft heraushalten. Diese Fähigkeit verlieren Hepa-Filter nach einiger Zeit, weshalb ein Austausch etwa alle zwei Jahre empfohlen wird – Kosten zwischen etwa 15 und 30 Euro. Doch nur bei Hoover, LG und Siemens führen die Hepa-Filter zu einem „sehr guten“ Staubrückhaltevermögen. Dass sich auch mit preisgünstigeren Mikro-Vlies-Filtern ein hohes Staubrückhaltevermögen erzielen lässt, zeigen Miele und Philips. Diese Filter sollten zwar häufiger gewechselt werden, aber sie liegen deshalb den meisten Beutelpackungen bei. Der Preis dafür beträgt dann weniger als zehn Euro.

Teppich als harte Herausforderung

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Fasern: Eine genau definierte Menge wird zur Prüfung der Faseraufnahme auf einer Testfläche verteilt.

Teppichböden sind für Staubsauger eine harte Herausforderung. Denn selbst die vier Spitzenreiter in diesem Test erreichten im Prüfpunkt „Saugen von Teppich“ nur ein „Befriedigend“. Philips und Quelle/Privileg kamen auch bei der Faseraufnahme über dieses Urteil nicht hinaus. Das schafften nur die erheblich teureren Geräte aus unserer Untersu­chung in test 4/04 (Bodenstaubsauger: Es gibt noch viel zu tun). Sehr deutliche Mängel auf Teppichen, beim Saugen aus Ritzen und bei der Faseraufnahme zeigten sich in diesem Test bei den Geräten für weniger als 80 Euro. AFK, Otto/hanseatic, Progress und Solac kassierten für ihre Saugleistungen auf Teppichböden sogar ein „Mangelhaft“. Da hilft es auch nicht, wenn zum Beispiel Otto/Hanseatic eine „Turbodüse“ „zur fasertiefen Reinigung von Teppichböden durch rotierende Bürsten“ mitliefert.

Nichts für Allergiker

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Handarbeit ist gefordert, wenn im Labor Staubsauger für Staubsauger zeigen muss, was er taugt. Hier geht es um die Faserauf­nahme – eine Schwachstelle der Düsen an vielen Geräten im Test.

Besonders Allergiker sollten einen weiten Bogen um alle Geräte der unteren Preisklasse machen: Mit Ausnahme des Otto/hanseatic kann bei ihnen beim Beutelwechsel viel Staub austreten, weil die Ansaugöffnungen der Beutel nicht zu verschließen sind. Dirt Devil arbeitet nach einem „Zyklon“-System, bei dem der Schmutz nicht in einen Beutel, sondern in einen festen zylindrischen Behälter gewirbelt wird. Problematisch ist das Entleeren dieses Behälters, denn dabei kann leicht viel Schmutz aufgewirbelt werden.

Haushaltsgeräte sollten eine möglichst lange Zeit zuverlässig funktionieren, ohne mechanische Probleme. Die tauchten im Haltbarkeitstest dennoch auf, wiederum gehäuft in der unteren Preisklasse: Motorausfälle durch defekte Kohlebürsten bei Clatronic und LG; einige Kandidaten fielen vor Ablauf der 600-stündigen Dauerprüfung aus. Beim Otto/hansatic stellten sich bei den Fahrten über Türschwellen Manövrierbehinderungen durch defekte Fronträder ein. Unsere Beurteilung im Prüfpunkt Haltbarkeit hing davon ab, ob die Geräte weiterhin funktionsfähig waren und in welchem Prüfstadium die Defekte auftraten (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“, unterhalb der Tabelle).

Dauerthema Beutelkauf

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Motorausfall: Kohlebürsten sind während des Dauerlaufs vorzeitig verschlissen – hier hängt noch eine an der Andruckfeder.

Zur leidigen Vielfalt von Staubsaugerbeuteln schrieben wir in test 4/04: „Sachverständige und Konsumentenvertreter beim Verbraucherrat im Deutschen Institut für Normung (DIN) bemühen sich seit Jahren, den unsinnigen Wirrwarr zu beseitigen. Ohne Zustimmung der Hersteller kann der Verbraucherrat aber keine Vereinheitlichung durchsetzen.“ Daran hat sich seither nichts geändert.

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