Staubsauger Test

Auf glatten Böden saugen viele Geräte „gut“. Die wahren Könner machen auch Teppiche richtig sauber.

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Hubert Cecil Booth war nicht nur ein findiger Ingenieur, man könnte ihn auch den bedeutendsten Staubsaugervertreter seiner Zeit nennen. Zumindest war der Brite ein begabter Marketingstratege. Nur wenige Monate nachdem er den ersten Motorstaubsauger der Welt konstruiert hatte, verkaufte er die mannshohe, von einem knatternden Benzinmotor angetriebene Saugpumpe dem König von England höchstpersön­lich. Das war im Oktober 1902, kurz nach des Königs Krönung. Booth hatte für die Feierlichkeiten die Zeremonienteppiche von Westminster Abbey gesaugt. Edward VII. war so beeindruckt, dass er gleich zwei der wundersamen Entstaubungsmaschinen orderte – eine für den Buckinghampalast und eine für Schloss Windsor.

Staubsauger für König, Zar und Kaiser

Staubsauger Test

Frühe Staubsauger waren oft handbetriebene Saugpumpen, hier ein Patent von 1905.

In der Folge, so schreibt Booth in seinen Erinnerungen, demonstrierte er die Erfindung noch dem französischen Präsidenten Armand Fallières, Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. Das war der Durchbruch: Wer etwas auf sich hielt, ließ fortan saugen. Es dauerte nicht lange, und die Staubsaugerpumpen wurden auf Pferdewagen durch die Straßen Londons gezogen. Mit bis zu hundert Meter langen Schläuchen, die von außen durch die Fenster gelegt wurden, befreiten die Männer der „British Vacuum Cleaner Company“ die Wohnungen der Stadt vom Staub der Jahrhunderte. Die Firma expandierte – und mit ihr die Geräte. Als Hubert C. Booth 1955 starb, baute sein Unternehmen die größten Staubsauger der Welt – gigantische Maschinen für die Kohleminen im Lande. Da war das Staubsaugen in den eigenen vier Wänden längst zur Privatsache geworden: Die Entwicklung starker Elektromotoren erlaubte den Bau immer kleinerer – und damit tragbarer – Geräte.

30 Jahre nach Booth's Tod war es wieder ein Brite, der ein neues Kapitel in der Geschichte des Staubsaugers schrieb. In den 80er Jahren entwickelte James Dyson einen beutellosen Staubsauger. Zuvor hatte er sich über die nachlassende Saugkraft geärgert, wenn der Staubbeutel nach und nach voller wurde.

Weniger beutellose Geräte verkauft

Beutellose Staubsauger lagen in der Vergangenheit im Trend, doch nun gehen die Verkaufszahlen in diesem Segment wieder zurück. Zurzeit sind zwei Drittel der jährlich rund 4,5 Millionen in Deutschland verkauften Bodenstaubsauger Beutelgeräte. Von den 15 Bodenstaubsaugern in diesem Test haben 3 eine Staubbox. Ein Dyson ist diesmal nicht dabei, im letzten Test kam er auf ein „Befriedigend“ (Test Bodenstaubsauger 4/2007). Ein Vorteil dieser Geräte ist, dass man keine Beutel nachkaufen muss. Doch während Staubbeutel einfach in den Müll wandern, muss die Staubbox ausgekippt werden. Das ist nicht nur für Hausstauballergiker ein Problem, sondern auch für alle anderen, weil sich im Hausstaub durchaus Schadstoffe sammeln können.

Klassische Beutelsauger sind mittlerweile oft standardmäßig mit Vlies- statt mit Papierbeuteln ausgestattet. Das ist sinnvoll, weil sich Vliesfilter nicht so schnell zusetzen wie Papierfilter. Dadurch bleiben sie länger luftdurchlässig – und die Saugleistung lässt auch bei vollerem Beutel nicht so stark nach. Übrigens: Ein großer Beutel eignet sich eher für Haushalte, in denen viel gesaugt wird, zum Beispiel für Familien mit Kindern. Wer wenig saugt, ist mit einem kleinen Beutel besser dran – er wird schneller voll. Denn Staub im Beutel, insbesondere wenn Tierhaare dabei sind, fängt mit der Zeit an zu riechen oder gar zu verkeimen.

„Gut“ saugen trotz geringer Leistung

Was die Saugleistung betrifft, versuchen sich die Anbieter in einer Art „Wattrennen“ gegenseitig zu überbieten. Dabei lässt sich die Saugleistung an der Wattzahl gar nicht ablesen. Zum einen erreichte bei unseren Messungen kaum ein Gerät die proklamierten Werte von bis zu 2 400 Watt. Zum anderen ist für die Saugleistung ohnehin nicht die Anschlussleistung entscheidend, sondern die Abstimmung von Grundgerät, Saugrohren, Düsen und Luftwegen. Im Praxistest saugte von den Handelsgeräten das mit der geringsten Anschlussleistung am besten: der Eio mit zirka 1 300 Watt. Der Vorwerk, der nur im Direktvertrieb angeboten wird (siehe „Direktanbieter“), kommt sogar mit 1 000 Watt aus.

Strom sparen mit niedriger Wattzahl

Eine höhere Wattzahl geht hingegen immer mit einem höheren Stromverbrauch einher. Wer zum Beispiel mit dem Quelle / Privileg auf höchster Stufe (rund 2 000 Watt) jede Woche zwei bis drei Stunden saugt, kommt im Jahr auf etwa 250 Kilowattstunden, also rund 50 Euro. Der Eio benötigt ungefähr ein Drittel weniger – und saugt dabei noch besser.

Die Bodenstaubsauger von Eio und Vorwerk sind die einzigen im Test, die „gut“ auf Teppich saugen. Die meisten anderen folgen mit „befriedigend“. Manche sind hier aber auch schlechter: Panasonic und Lux saugen auf Teppich „mangelhaft“. Auch bei der Faseraufnahme von Teppichboden – ein Kriterium, das vor allem Besitzer von haarigen Haustieren interessieren dürfte – sind gute Noten selten.

Beim Saugen auf besonders dichtem Velours gab es Handhabungsprobleme: Bei Dirt Devil, Fakir, Panasonic und Lux ließen sich die Düsen trotz heruntergeregelter Leistung nicht mehr richtig manövrieren. Um einen solchen Teppich saugen zu können, muss die Saugleistung bei diesen Geräten so stark vermindert werden, dass die Staubaufnahme stark reduziert wird. Das haben wir negativ bewertet. Auf weniger dichtem Teppich – etwa Schlingenware – tritt dieses Problem aber nicht auf.

Hausstauballergiker sollten unbedingt auf ein „sehr gutes“ Staubrückhaltevermögen achten, womit fast alle Geräte im Test auftrumpfen können. Die meisten Bodenstaubsauger haben einen Hocheffizienzfilter, Hepa-Filter genannt (High Efficiency Particulate Airfilter).

Eine Garantie ist das aber auch nicht: Trotz seines Hocheffizienzfilters bläst der Panasonic den Staub mehr als alle anderen wieder hinten heraus. Der Miele dagegen behält auch ohne Hepa-Filter den gesammelten Feinstaub „sehr gut“ im Innern. Hier spielt auch die Gerätekonstruktion eine Rolle. Deren Güte offenbart sich aber erst in einem Test.

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