Staubsauger Test

Fliesen und Parkett sind für die meisten Geräte keine Hürde. Doch auf Teppichen saugen nur drei richtig gut: Miele, Kärcher und Dyson.

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Rund 4,3 Millionen Kunden kaufen sich in Deutschland jedes Jahr einen neuen Staubsauger. Bei einem Durchschnittspreis von 90 Euro bescheren sie der Branche stolze 380 Millionen Euro Umsatz. Für weniger Geld gibt es meist auch weniger Qualität. Das scheint sich nach unseren Tests in den Jahren 2005 (Test Bodenstaubsauger) und 2006 (Test Bodenstaubsauger) herumgesprochen zu haben. Auch, dass beutellose Modelle selten Spitzenleistungen vollbringen. Jedenfalls steigt seit einigen Monaten wieder die Nachfrage nach etwas teureren Modellen und nach Staubsaugern mit klassischer Filtertechnik. „Beim Verbraucher hat ein Lerneffekt stattgefunden. Er hat gemerkt, dass er mit einer Staubbox Probleme bekommt“, berichtet ein Händler. Einen Staubbehälter auszuleeren und auszuwaschen, ist mühsamer, als einen Vlies- oder Papierfilter auszu­wechseln.

In diesem Test haben wir Bodenstaubsauger mit und ohne Staubbox und aus zwei Preisklassen gegeneinander antreten lassen: Geräte, die etwa 95 bis 140 Euro, aber auch fast das Doppelte und mehr kosten. Auf den Saugparcours gingen sie in der Serienausstattung, so wie wir sie im Laden vorge­funden haben: mit Standardfilter oder Staubbox (AEG, Dyson, Philips, Samsung SC 8550) und mit Standarddüse. Die saugt gleichermaßen Teppiche, Auslegware, Fliesen und Parkett – mit eingezogenem Bürstenkranz alle textilen Beläge, mit ausgefahrenen Borsten alle glatten Böden.

Der Panasonic-Sauger MC-CG 467 arbeitet serienmäßig mit einer Turbodüse. Deren Bürstenwalze wird aber nicht durch einen separaten Motor angetrieben wie bei einer üblichen Elektrodüse, sondern mechanisch durch den Luftsog, der beim Saugen entsteht.

Panasonic saugt „mangelhaft“

Staubsauger Test

Wollfäden verdeutlichen den starken Luftaustritt am Panasonic-Gerät.

Vorteilhaft ist diese Turbodüse nicht. Im Gegenteil: Das Panasonic-Gerät saugt so schlecht wie kein anderes im Test. Selbst mit neuen Filtern schluckt es auf Veloursteppich nur knapp 60 Prozent des aufge­streuten und eingewalzten Prüfstaubs, mit gefülltem Staubbeutel nur noch 36 Prozent. Anders ausgedrückt: Weit mehr als die Hälfte des Schmutzes bleibt dann einfach auf dem Teppich liegen. Wer Schlingenware ausgelegt hat, kann sich das Staubsaugen fast ganz sparen. Dort erwischt die Düse nur magere 20 Prozent. Gute „Teppichkehrer“ wie Miele, Kärcher und Dyson schaffen um die 80 Prozent Staubaufnahme auf beiden Teppicharten.

Der Panasonic saugt aber nicht nur „mangelhaft“, er behält das Aufgesaugte auch nicht bei sich. Er pustet es wieder in den Raum. „Mangelhaft“ bekommt er deshalb auch für sein „Staubrückhaltevermögen“, wie es im Fachjargon heißt. Feinste Staubpartikel, die eigentlich vom Abluftfilter aufgehalten werden sollen, entfleuchen zuvor durch das undichte Gehäuse – und zwar so kräftig, dass davor sogar die Flamme eines Feuerzeugs erlischt. Die Wollfäden auf dem Foto oben verdeutlichen diesen unsinnigen, besonders für Menschen mit Hausstaub­al­lergie riskanten Luftaustritt. In der Werbung angepriesene Hochleistungsfilter nutzen eben wenig, wenn die Ge­samt­kons­truktion nicht stimmt.

Beim Samsung SC 7253 stimmt sie auch nicht. Hier sitzt die Feinfilterkassette nicht passgenau, sodass staubbelastete Luft vorbeiströmt. Sein Staubrückhaltevermögen ist deshalb nur „ausreichend“.

Mit 110 Euro gehört das „mangelhafte“ Panasonic-Modell zu den preisgünstigen Geräten im Test. Ebenso Samsung SC 7253 (129 Euro). Der saugt auf Teppichen nicht besser. Billig heißt aber nicht automatisch schlecht. Dass es für wenig Geld auch gute Qualität geben kann, beweisen Quelle und Siemens. Die verwandten Modelle Privileg VS06PR32 und Siemens VS06G 1666 sowie die Baugleichheit von Bosch machten auf unserem Saugparcours eine „gute“, wenngleich nicht die beste Figur und überzeugten mit einer sehr guten Filterwirkung.

Teure sind robuster

Staubsauger Test

Schwächen zeigten sich aber in puncto Haltbarkeit. In den – zugegebenermaßen harten – Stoß- und Fallprüfungen machte sich auf Dauer bemerkbar, woran gespart wird. Bis auf Hoover Sensory TS 2344 zeigten alle preisgünstigen Geräte Schäden an der Düse oder am Gehäuse. So brachen zum Beispiel Schlauchhalterungen und Griffe. Da das aber erst nach zahlreichen Stößen passierte oder sich problemlos reparieren ließ, nannten wir das noch „befriedigend“ und „ausreichend“ (Dirt Devil). Die teureren Staubsauger bewältigten die unsanfte Behandlung meist klaglos. Sie sind robuster und langlebiger.

Hohe Wattzahlen beweisen nichts

Staubsauger Test

Hinter der Staubbox des AEG-Electrolux Twinclean sitzt ein Lammellenfilter. Ist er verdreckt, wird er gedreht und vom Luftstrom frei gepustet.

Und sie saugen tendenziell besser, was aber mit hohen Wattzahlen auf dem Typenschild nichts zu tun hat. Miele S5 ecoline, Spitzenreiter auf Schlingenteppich, weist „nur“ 1 600 Watt aus, Dyson DC 08 T, top auf Veloursware, sogar 200 Watt weniger. Das schont die Haushaltskasse. Mehr Leistung bedeutet nämlich meist höhere Stromkosten, garantiert aber keine bessere Staubaufnahme. Fakir Prestige 2300 und Hoover Sensory TS 2344 mit ihren angegebenen 2 300 Watt verbrauchen rund ein Drittel mehr Strom als sparsame Modelle, saugen aber nur mittelmäßig.

Beutel besser als Box

Staubsauger Test

Hygienisch sind Staubbeutel mit Verschluss.

Fünf Bodenstaubsauger sammeln den Hausschmutz in einem auswaschbaren Staubbehälter. Das erspart zwar den Nachkauf und Austausch der Papier- oder Vliesbeutel fürs Grobe, ganz ohne Filterersatz geht es bei den meisten aber trotzdem nicht (siehe Tabelle „So viel kosten Ersatzfilter“). Der Abluftfilter für die feinsten Staubteilchen und oft auch der Motorschutzfilter sollten regelmäßig ersetzt werden – etwa alle ein bis zwei Jahre. Genaues steht in der Gebrauchsanleitung.

Nur beim Dyson DC 08 T ist keinerlei Ersatz erforderlich, sagt der Anbieter. Das klingt verlockend, spart aber nicht wirklich viel. Denn der Dyson kostet rund 200 Euro mehr als die anderen „Teuren“ unserer Auswahl. Dafür bekommt man schon jede Menge Ersatzfilter – ob mit oder ohne Staubbox. Überzeugen kann der Dyson in anderer Hinsicht. Er saugt deutlich besser als die anderen beutellosen Geräte, die besonders auf Teppichen Schwächen zeigten. Für ein abschließendes „Gut“ reichte es trotzdem nicht. Dafür ist der Dyson beim Saugen viel zu laut. Außerdem ist das Entleeren des Staubbehälters recht unappetitlich. Denn dabei wirbelt man leicht viel Staub auf, was für alle Modelle ohne Beutel gilt. Vielen Menschen ist allein der Anblick der verdreckten Staubbox so ekelig, dass sie lieber wieder zum Vlies- oder Papierfilter greifen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1359 Nutzer finden das hilfreich.