Wo Sie eine kompetente Beratung erhalten

Wird ein Familien­mitglied pflegebedürftig, stehen Angehörige oft vor großen organisatorischen Problemen: Gesetzliche Rege­lungen sind kompliziert, Informationen schwer zu finden. Beratung von Experten ist dann Gold wert.

Anspruch nutzen. Wer Pflege­leistungen beantragt oder bezieht, hat Anspruch auf eine individuelle und kostenlose Pflegeberatung. Das gilt auch für Angehörige. Kassenpatienten fragen ihre Pflegekasse (erreich­bar über die Krankenkasse). Privatpatienten wenden sich an die Compass Private Pflegeberatung, Telefon 0800/1 01 88 00 (kostenfrei).

Stütz­punkt besuchen. Die gesetzlichen Kassen beraten oft in Pfle­gestütz­punkten. Die stehen allen Hilfe­suchenden offen – egal wo sie versichert sind –, kommen aber nicht in allen Regionen vor.

Beratungs­stellen hinzuziehen. Gibt es keinen Pfle­gestütz­punkt in der Nähe oder wünschen Sie eine Alternative, können Sie sich an andere Beratungs­stellen wenden, etwa von der Kommune, der Diakonie oder der Volks­solidarität.

Sozial­dienst anfragen. In Kliniken und Rehakliniken kümmert sich der Sozial­dienst um Fragen zur Pflege. Sein Angebot nutzten viele unserer Umfrage­teilnehmer. Selbst bei Zeit­druck lohnt es sich jedoch, auch externe Stellen aufzusuchen. Sie können den individuellen Pflegebedarf noch unter einem anderen Blick­winkel beur­teilen – auch bei Folgeberatungen nach dem Klinik­aufenthalt.

Gezielt suchen. Beim Zentrum für Qualität in der Pflege lässt sich komfortabel per Post­leitzahl und Daten­bank nach Anlauf­stellen suchen: www.bdb.zqp.de

Gespräch optimieren. Bereiten Sie sich auf jede Beratung gut vor. Schreiben Sie Ihre Fragen auf. Haken Sie nach, wenn Sie Erklärungen nicht verstehen; notieren Sie sich die wichtigen Infos.

Früh handeln. Lassen Sie sich bereits bei beginnender oder drohender Pflegebedürftig­keit beraten. Dank Hilfen wie zum Beispiel bodengleichen Duschen oder Haltegriffen können Sie länger zuhause bleiben – oder in Ruhe eine neue geeignete Bleibe suchen.

Interview: „Rundum reflektieren“

Stationäre Pflege Special

Gisela Seidel arbeitet im Pfle­gestütz­punkt Berlin Friedrichs­hain-Kreuz­berg, einem von etwa 550 deutschen Pfle­gestütz­punkten.

Pfle­gestütz­punkte gibt es seit 2009. Sind sie schon ausreichend bekannt?

Ich fürchte nein. Dabei ist persönliche Pflegeberatung sehr wichtig. Sie bietet die Möglich­keit, die Pflegesituation rundum von allen Seiten zu reflektieren. Oft finden sich Hilfen, um weiter zuhause zu leben, auf die man allein durch Broschüren und Internet nicht so einfach kommt. Und wenn doch der Umzug ins Heim ansteht, kennen wir die Einrichtungen im Quartier.

Erleben Sie oft Konflikte zwischen Pflegebedürftigen und Angehörigen?

Durch­aus. Wir bemühen uns dann um Mediation. Oft geht es darum, dass jemand nicht ins Heim will, obwohl das von außen unumgäng­lich scheint. Mitunter hilft bei der Entscheidung das Probewohnen, das Heime oft anbieten.

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