Wie Sie eine passende Einrichtung finden

Ins Pfle­geheim? Viele schreckt diese Vorstellung ab. Doch der Umzug kann die beste Lösung sein, etwa wenn sie einen Betroffenen vor Einsamkeit bewahrt. Unsere Check­liste hilft Ihnen, die optimale Einrichtung ausfindig zu machen.

Heime vergleichen. Suchen Sie mehrere Häuser auf, auch unangemeldet. Reden Sie mit Bewohnern, Angehörigen, Pflegern. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und bedenken Sie die individuelle Situation Ihres Angehörigen. Manche Heime sind auf Demenz spezialisiert oder bieten viel Tages­programm wie Sport, Basteln, Singen.

Im Viertel verankern. Positiv ist, wenn sich Heime öffnen. Dann kommen etwa Ehren­amtler hinein, Senioren von außen nutzen Angebote drin – und umge­kehrt.

Personal abfragen. Erkundigen Sie sich nach der Qualifikation und Zahl der Pfle­gekräfte. Sinn­voll ist die sogenannte Bezugs­pflege, bei der sich immer dieselben Personen um einen Bewohner kümmern.

Kosten beachten. Einen Über­blick bieten Preis­vergleichs­listen, die Sie bei der Pflegekasse anfordern können. Holen Sie zudem möglichst von mindestens zwei Heimen konkrete Vertrags­angebote ein. Prüfen Sie sie genau, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe. Die Kosten können sehr unterschiedlich ausfallen und monatlich leicht 2 000 bis 3 500 Euro betragen. Die Kassen zahlen derzeit je nach Pfle­gestufe 1 064 bis 1 995 Euro zu.

Probewohnen. Inner­halb von zwei Wochen nach Vertrags­schluss können Pflegebedürftige frist­los kündigen und wieder ausziehen. Manche Heime gewähren längeres Probewohnen oder bieten es vor Vertrags­schluss an. Einige schi­cken vor dem Umzug Mitarbeiter zum gegen­seitigen Kennen­lernen nach­hause.

Noten verstehen. Der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen bewertet alle Heime. Die Noten werden stark kritisiert und bis 2018 über­arbeitet. Aspekte wie Wohn­lich­keit können das Ergebnis verzerren. Achten Sie daher auf die Unternoten zum Bereich Pflege und medizi­nische Versorgung. Infos finden Sie etwa unter www.aok-pflegeheimnavigator.de oder www.pflegelotse.de.

Interview: „Kommen Sie mal zum Mittag­essen“

Stationäre Pflege Special

Markus Brinkmann leitet das Pfle­geheim Sankt Lamberti in Münster – eine von rund 10 900 voll­stationären Pfle­geeinrichtungen in Deutsch­land.

Pfle­geheime haben einen eher schlechten Ruf. Ist das berechtigt?

Nein, aber das Thema Pfle­geheim ist stark angst­besetzt. Viele wollen erst­mal nicht dorthin. Doch ich erlebe immer wieder Bewohner, die bei uns richtig aufblühen und die Gemeinschaft und Geborgenheit genießen.

Was schätzen Sie an Ihrem Heim?

Viel, vor allem die Kultur des Hauses. Dass etwa Nach­barn bei uns zu Mittag essen. Oder die Abend­runden, die wir den Bewohnern an sieben Tagen die Woche seit 22 Jahren anbieten.

Wie finden Sie es, wenn Interes­senten viel von Ihnen wissen wollen?

Das finde ich gut. Schließ­lich geht es um eine große Entscheidung. Ich führe zwei bis drei Gespräche am Tag, kläre diverse Fragen, zeige das Haus.

Und wenn jemand unangemeldet vorbeischaut?

Natürlich ist ein Beratungs­gespräch mit Termin plan­barer. Aber man kann unsere Einrichtung auch so kennen­lernen. Ich empfehle Interes­senten sogar: „Kommen Sie einfach mal zum Mittag­essen.“ Dabei kann man sich, ohne dass ich daneben stehe, mit Bewohnern unterhalten oder beob­achten, wie die Mitarbeiter einem begegnen. So spürt man die Atmosphäre, welcher Geist in einer Einrichtung herrscht. Darauf würde ich achten, wenn ich für meine Eltern ein Heim suchen müsste.

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