Welche alternativen Wohn­formen es gibt

Zuhause pflegen oder ins Heim? Das sind längst nicht mehr die einzigen Möglich­keiten. Inzwischen gibt es viele weitere Wohn­formen. Wer sie kennt, hat bei der Suche nach einem passenden Platz mehr Auswahl.

Vielfalt. Neue Wohn­formen sollen helfen, trotz Alter oder Pflegebedürftig­keit möglichst selbst­ständig und individuell zu leben. Nicht immer sind die Modelle klar voneinander abzu­grenzen. Grob lassen sich unterscheiden:

Seniorenresidenz und Wohn­stift. Sie gelten als gehobene Variante des Pfle­geheims. Bewohner beziehen ein eigenes Apart­ment, einge­bettet in ein Gesamt­gefüge mit gemein­samen Einrichtungen, etwa Konzert­saal, Café, Friseur, Pool.

Betreutes Wohnen. Auch hier haben Bewohner ihr eigenes Apart­ment und buchen individuell, welche Hilfen sie brauchen. Die Projekte zählen in der Regel zur ambulanten Versorgung, können aber an Pfle­geheime gekoppelt sein.

Betreute Wohn­gemeinschaft. Mehrere Senioren oder Pflegebedürftige teilen eine Wohnung – meist jeder mit eigenem Zimmer und unterstützt von Helfern für den Haushalt und von Pflege­diensten. Diese Projekte sind ambulant, unterliegen aber teil­weise der Heim­aufsicht.

Stationäre Haus­gemeinschaft. Mehrere Wohn­gruppen befinden sich in einem Haus (siehe Interview). Die gesamte Einrichtung unterliegt dem Heimrecht. Solche Angebote gibt es immer häufiger.

Unter einem Dach. Manche Einrichtungen versammeln mehrere Wohn­formen, sodass bei Bedarf Über­gänge möglich sind – bis hin zur klassischen voll­stationären Pflege.

Suche. Wer einen Über­blick gewinnen will, kann Pflegeberatungs­stellen oder Bekannte fragen. Oder geben Sie Stichwörter wie „Betreutes Wohnen“ plus Region im Netz ein. Gebündelt sind Angebote schwer zu finden.

Interview: „Es gibt für jeden das richtige Angebot“

Stationäre Pflege Special

Kaspar Pfister leitet die Benevit-Gruppe, die 23 Pfle­geheime in mehreren Bundes­ländern betreibt – fast alle mit dem Konzept der stationären Haus­gemeinschaft.

Was ist besonders an Ihrem Konzept?

Unsere Heime sind in Wohnungen unterteilt, in denen je zirka 14 Pflegebedürftige leben. Jede Wohnung wird von Haus­wirt­schafts- und Pflege­personal betreut und versorgt sich selbst. Küche und Wasch­küche sind nicht ausgelagert. So haben die Bewohner Betreuer um sich und die Chance, praktisch mitzuhelfen, wenn sie etwa gern kochen. Das vermittelt ihnen Häuslich­keit und Auto­nomie. Sie denken: „Ich kann ja was!“, und wenn es nur das Tisch­decken ist.

Bringt das WG-Leben oft Konflikte mit sich, knallt es manchmal?

Konflikte gibt es natürlich. Dann zählt es, dass die Mitarbeiter eine Mediations­rolle über­nehmen. Zudem sind die Gruppen so groß, dass sich Bewohner gut aus dem Weg gehen beziehungs­weise einer passenden Untergruppe anschließen können.

Wie stellen Sie sich die Pfle­geheime der Zukunft vor?

Sie müssen Teil des sozialen Lebens sein. Dass es inzwischen eine gewisse Vielfalt an Wohn­formen gibt, ist positiv. Negativ finde ich die Über­regulierung in der Pflege. Mit jedem neuen Gesetz wird alles komplizierter. Zudem muss die stationäre Pflege endlich gleich­wertig neben der ambulanten stehen und einen besseren Ruf bekommen. Dann können Menschen guten Gewissens alle Möglich­keiten nutzen. Es gibt für jeden das richtige Angebot.

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