Wie Sie im Heim zu guter Pflege beitragen

In vielen Heimen gibt es zu wenig Fach­personal – das kann das Wohl­befinden und die Sicherheit der Bewohner beein­trächtigen. Angehörige sollten auf Probleme achten – denn „satt und sauber“ ist nicht genug.

Rechte kennen. Gegen den Fach­kräfte­mangel können Sie wenig tun, aber alle Hilfen nutzen – etwa die Betreuungs­kräfte. Sie kümmern sich zusätzlich um Bewohner, gehen zum Beispiel mit ihnen spazieren (Pflegestärkungsgesetz I und II). Fragen Sie danach, wenn Ihr Angehöriger zum Beispiel einsam oder sein Alltag eintönig wirkt. Achten Sie aber darauf, dass die Helfer keine Pfle­geaufgaben wie Waschen, Hilfe beim Ankleiden oder Begleitung zur Toilette über­nehmen und auch keine Medikamente verabreichen. Dafür sind sie nicht ausgebildet.

Aufpassen. Halten Sie bei Ihren Besuchen in der Pfle­geeinrichtung die Augen offen. Ist Ihr Angehöriger gewaschen und wirkt gut mit Essen und Trinken versorgt? Wird seine Kleidung regel­mäßig gewechselt? Was erzählt er über seinen Alltag? Sprechen Sie regel­mäßig mit den Pfle­gekräften. Das schafft Vertrauen und zeigt die Situation aus deren Perspektive.

Informieren. Lassen Sie es das Personal wissen, wenn Ihr Angehöriger bestimmte Bedürf­nisse und Gewohn­heiten hat.

Ansprechen. Fällt Ihnen wieder­holt etwas Negatives auf, sprechen Sie es freundlich, aber offen an – zunächst bei der Pfle­gekraft, notfalls bei der Bereichs- oder Heimleitung. Weitere Anlauf­stellen sind Bewohnerbeiräte oder -fürsprecher, teils auch Mediatoren oder Sozial­dienste. Probleme sollten sich lösen oder abmildern lassen – oder Sie zumindest nach dem Gespräch verstehen, warum nicht. Teils erwarten Angehörige mehr, als das beste Heim leisten kann.

Hilfe holen. Ernste ungelöste Probleme sind möglicher­weise ein Fall für die Heim­aufsicht. Wer Unterstüt­zung sucht, wendet sich zum Beispiel an Pflegeberatungs­stellen (Pflegestärkungsgesetz I und II) oder an die Bundes­interes­senvertretung für alte und pflege­betroffene Menschen (Biva). Auch ein Heim­wechsel kann infrage kommen.

Interview: „Bringen Sie sich als Angehöriger ein“

Stationäre Pflege Special

Reinhard Leopold aus Bremen hat seine Eltern viele Jahre im Pfle­geheim begleitet – und sogar eine Selbst­hilfe-Initiative gegründet.

Waren Sie gern im Heim zu Besuch?

Meine Geschwister und ich haben meine Eltern dort häufig besucht, aber leider viel Negatives erlebt. Es gab damals – wie heute – zu wenig Pfle­gekräfte. Ihr Stress war ihnen anzu­merken und machte sich dann auch in der Versorgungs­qualität bemerk­bar.

Konnten Sie Mängel beheben?

Manche ja, teils schon durch den direkten Dialog mit den Pfle­gekräften. Aber manche auch erst mit externer Hilfe.

Was können Angehörige noch tun?

Bringen Sie sich ein! Häufige Besuche tun Bewohnern gut. Eigenen Ideen, die den oft eintönigen Heim-Alltag unter­brechen, sind keine Grenzen gesetzt. Und bilden Sie zum Beispiel einen Angehörigen-Beirat. So etwas kann jeder. Ich gründete 2006 die Initiative „Heim-Mitwirkung“. Wir bieten ehren­amtlich Informationen und Unterstüt­zung und engagieren uns politisch für eine menschen­würdige Pflege.

Wie fühlten Sie sich, als Ihre Eltern ins Heim kamen?

Wenn man Menschen, die man gern hat, in fremde Hände zur Pflege geben muss, fällt das schwer. Aber es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man an seine Grenzen stößt. Pflegende Angehörige leisten physisch und psychisch Außer­ordentliches.

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