Pfle­gestärkungs­gesetz I und II: Das ändert sich in der stationären Pflege

Betreuungs­kräfte

Seit 2015 können Heime, finanziert von den Pflegekassen, etwa doppelt so viele Betreuungs­kräfte einstellen wie bisher. Damit sind bis zu 20 000 zusätzliche Personen für die Heimbe­wohner da, um mit ihnen spazieren zu gehen oder ihnen vorzulesen. Anders als früher kümmern sich die Betreuer um alle Pflegebedürftigen, nicht nur um Demenz­kranke.

Vor- und Nachteile: Bewohner erfahren Zuwendung, Pfleger werden entlastet. Doch am Fach­kräfte­mangel ändert sich nichts. Betreuungs­kräfte sind weder für Pfle­geaufgaben ausgebildet, noch dürfen sie sie ausüben. Wegen der Personalnot werden sie laut Experten aber oft dazu genötigt. Das kann Heimbe­wohner gefährden.

Beratung

Wer Pflege­leistungen beantragt, dem soll die Kasse ab 2016 unver­züglich eine kostenlose Beratung anbieten und Ansprech­partner nennen. Angehörige können nun eigen­ständig Rat suchen. Die Landes­verbände der Pflegekassen sollen Preis­vergleichs­listen mit ambulanten und stationären Pfle­geanbietern und weiteren Hilfs­angeboten erstellen und alle drei Monate aktualisieren.

Vor- und Nachteile: Die Beratung wird schneller und umfang­reicher. Die Vergleichs­listen bekommen Versicherte aber nicht auto­matisch geschickt, sondern nur auf Nach­frage. Das Gesetz konzentriert sich auf die Beratung durch Pflegekassen, also durch die Leistungs­träger. Die Beratung durch unabhängige Stellen wird nicht gestärkt.

Begut­achtung

Ab 2017 soll der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen den Pflegebedarf individueller erfassen als bisher. An die Stelle der heutigen drei Pfle­gestufen treten fünf Pfle­gegrade, die nicht mehr den Zeit­aufwand der Pflege abbilden, sondern darauf abstellen, wie selbst­ständig der Patient ist. Zudem berück­sichtigen sie geistige Einschränkungen wie Demenz besser als bisher.

Vor- und Nachteile: Experten sehen in den Pfle­gegraden eine Verbesserung. Kritiker befürchten aber finanzielle Nachteile für leicht Pflegebedürftige, die stationär versorgt werden wollen. Das könnte die Wahl­freiheit schmälern und das Bild vom Heim als Auffang­station für sehr alte und gebrech­liche Menschen festigen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 31 Nutzer finden das hilfreich.