Stationäre Pflege Meldung

Jeder zehnte Pflegeheimbewohner wird vom Personal unzureichend gepflegt. Zu Hause leidet etwa jeder 20. Pflegebedürftige unter Vernachlässigung. Das hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bei seinen Qualitätskontrollen in Heimen und bei ambulanten Pflegediensten ermittelt. test.de sagt, wie Angehörige eine Einrichtung finden, in der Pflegebedürftige gut betreut werden und sich wohl fühlen können.

Qualitätsurteile erst nächstes Jahr

Ein Pflegeheim ist gut, wenn es menschlich gut geführt wird. Für Angehörige und Betroffene ist das Finden einer solchen Einrichtung aufwändig. test.de weist ihnen den Weg. Erleichtern würde die Suche ein Qualitäts-Ranking für Pflegeeinrichtungen. Doch Listen mit qualitätsbewerteten Heimen werden frühestens erst im nächsten Jahr veröffentlicht im Zuge der geplanten Pflegereform. Bis dahin müssen sich Betroffene und Angehörige auf Indizien und Besichtigungen von Pflegeheimen stützen. Oder sie fragen Bekannte, Kollegen und Nachbarn, was sie für Erfahrungen mit Pflegeeinrichtungen gesammelt haben. Dies rät auch der MDK-Geschäftsführer Peter Pick den Angehörigen. Hier sind die wichtigsten Schritte und Kriterien bei der Suche nach dem passendem Heim:

So wählen Sie ein Pflegeheim aus

  • Adressen. Auskünfte über Heime erhalten Sie bei der Stadtverwaltung, beim Sozialamt, den großen Wohlfahrtsverbänden sowie bei den Sozialdiensten der Krankenhäuser.
  • Infomaterial. Lassen Sie sich Informationsmaterial von den Ihnen geeignet erscheinenden Einrichtungen zukommen. Fragen Sie gleich nach der Preisliste, der Pflegekonzeption und der Hausordnung. Anhand dieses Materials können Sie eine Vorauswahl treffen.
  • Freundlichkeit. Bevorzugen Sie Pflegeheime, die freundlich und kompetent Auskunft geben.
  • Besuch. Vereinbaren Sie einen Gesprächs- und Besichtigungstermin.
  • Vorbereitung. Bereiten Sie den Termin gut vor und überlegen Sie, was für die Betreuung des Pflegebedürftigen besonders wichtig ist.
  • Zweiter Termin. Scheuen Sie sich nicht, einen weiteren Termin zu vereinbaren, wenn Sie im Nachhinein noch Fragen haben.
  • Auf Probe. Nutzen Sie das Probewohnen. Viele Heime bieten das inzwischen an. Alternativ können Sie auch eine Kurzzeitpflege in dem favorisierten Heim verabreden, wenn Sie in Urlaub fahren.

Prüfen Sie diese Kriterien

  • Betreuungsqualität. Hier kommt es auf die Anzahl und die Qualifikation der Altenpfleger an. Mindestens die Hälfte des Personals muss eine abgeschlossene Ausbildung haben.
  • Atmosphäre. Ein angenehmes, offenes und lebendiges Klima auf den Fluren sagt viel über die Lebensqualität im Haus. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl! Wenn sich der Pflegebedürftige nicht wohl fühlt, sollten Sie das ernst nehmen.
  • Träger. Ist das Heim in privater Trägerschaft, erkundigen Sie sich wie es finanziert wird und ob der Träger mit den Pflegekassen einen Kostenübernahmevertrag abgeschlossen hat. Nur dann werden nämlich die Kosten von den Pflegekassen übernommen.
  • Therapie. Wichtig sind Angebote, die körperliche und geistige Beweglichkeit erhalten, etwa Schwimmen, Gymnastik, Bewegungsspiele, Gedächtnistraining oder Kreativkurse sowie die regelmäßige Mobilisation von Bettlägerigen. Achten Sie darauf, dass ausgebildete Therapeuten die Übungen leiten.
  • Menü. Der Speiseplan sollte abwechslungsreich und sein und viel Obst und Gemüse bieten. Auswahlmenüs und flexible Essenszeiten sind wünschenswert.

Details verraten viel

Blicken Sie besonders auf die Qualität der Pflege und die menschliche Atmosphäre. Diese Indizien helfen Ihnen zu beurteilen, ob die Pflege individuell organisiert ist:

  • Für jeden Bewohner gibt es einen persönlich verantwortlichen Pfleger.
  • Sie dürfen persönliche Gegenstände und Möbel von zu Hause mitbringen.
  • Auch nach 18 Uhr können Sie noch Speisen und Getränke bekommen.
  • Sie erhalten eigene Haus- und Zimmerschlüssel und können frei über Ihr Taschengeld entscheiden.

Je gleichförmiger und starrer aber die täglichen Abläufe im Heim geregelt sind, desto weniger kann das Personal auf die Bedürfnisse Einzelner eingehen. Größtmögliche Flexibilität, Wahl-, Kontroll- und Entscheidungsmöglichkeiten für die Bewohner verringern die Gefahr der allmählichen Hospitalisierung, der Abstumpfung also.

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