Staatlich geförderte Altersvorsorge Special

Riester vorn: Für Monika Glathe und Stefan Schnietz mit Tochter Felicia sind Riester-Verträge das Beste. Auch Rürup-Policen bringen gute Renditen.

Der Staat fördert Riester-, Rürup- und Firmenverträge für die Altersvorsorge. Wir rechnen vor, was sich für Angestellte, Arbeiter, Beamte und Selbstständige am meisten lohnt.

Angefangen hat die staatlich geförderte Altersvorsorge im Jahr 2002 mit der Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester. Mittlerweile können Angestellte und Arbeiter nicht nur Riester-, sondern auch Rürup- und Firmenverträge mit Förderung abschließen.

Beamte haben die Wahl zwischen Riester und Rürup. Auch viele Selbstständige können mit diesen beiden Varianten für das Alter sparen (siehe Staatlich geförderte Altersvorsorge).

Welcher Weg ist der beste? Die Antwort zeigen uns drei Berliner: Der Psychologe Stefan Schnietz ist Angestellter. Seine Frau Monika Glathe arbeitet als selbstständige Psychotherapeutin. Margrit Graef gehört als Lehrerin zu den Beamten.

Beste Rendite mit Riester-Vertrag

Staatlich geförderte Altersvorsorge Special

Endspurt: Ältere Arbeitnehmer wie Margrit Graef, die bis zur Rente nur noch ein paar Jahre arbeiten, holen am meisten aus der geförderten Altersvorsorge heraus. Als Beamtin kann Margrit Graef zwischen Riester- und Rürup-Verträgen wählen.

Nehmen wir an, Margrit Graef schließt dieses Jahr einen Riester-Vertrag ab, der bis zur Rente noch zehn Jahre läuft und eine Grundrendite von 4,0 Prozent bringt. Durch staatliche Zulagen und Steuervergünstigungen steigt die Vertragsrendite auf 6,4 Prozent (mit 30 Prozent Steuersatz, siehe Tabelle „Die Vorteile für die Altersvorsorge“).

Über sechs Millionen Menschen haben mittlerweile einen Riester-Vertrag, aus dem sie im Alter eine Rente und zum Teil auch Kapital ausgezahlt bekommen können. Die meisten sind damit recht gut bedient, auch wenn die Auszahlung aus dem Vertrag später beim Finanzamt voll steuerpflichtig sein wird.

Die Riester-Verträge haben nur einen Nachteil: Der Staat fördert nur relativ geringe Einzahlungen. Der Höchstbetrag, für den Anleger Förderung bekommen, beträgt dieses Jahr 1 575 Euro (siehe Tabelle „Die Renditen der staatlich geförderten Altersvorsorge im Vergleich“).

Höhere Einzahlung in Rürup-Rente

Ein Angebot, in das Stefan Schnietz, Monika Glathe und Margrit Graef sehr viel mehr Geld einzahlen können, sind Rürup-Rentenversicherungen. Die kann jeder bekommen und mehrere Tausend Euro mit staatlicher Förderung investieren.

Die Förderung ist allerdings geringer als bei Riester. Die Lehrerin Margrit Graef kann nur mit 5,5 Prozent Rendite rechnen, wenn sie dieses Jahr eine Rürup-Versicherung mit 10-jähriger Laufzeit bis zur Rente abschließt. Das sind 0,9 Prozent weniger als bei Riester (mit 30 Prozent Steuersatz).

Rürup-Policen haben ihren Namen von dem Wirtschaftsexperten Bert Rürup. In der Versicherungswirtschaft heißen sie auch „Basis-Rente“. Versicherte können aus den Verträgen frühestens ab dem 60. Lebensjahr eine Rente erhalten.

Für die Beiträge gibt es Steuervergünstigungen. Das Finanzamt erkennt sie bis zur Höhe von 20 000 / 40 000 Euro (Alleinstehende / Ehepaare) an und zieht davon dieses Jahr 64 Prozent als Sonderausgaben ab. Das sind immerhin bis zu 12 800/ 25 600 Euro, die Rürup-Sparer beim Finanzamt absetzen können.

Arbeitnehmer wie Stefan Schnietz können aber nicht die vollen 20 000 Euro oder 40 000 Euro für ihre Rürup-Beiträge nutzen. Sie müssen den Betrag um den Rentenbeitrag kürzen, den sie zusammen mit dem Arbeitgeber in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Alleinstehende mit 40 000 Euro Bruttolohn im Jahr haben anschließend 12 040 Euro übrig (20 000 Euro minus 19,9 Prozent Rentenbeitrag von 40 000 Euro). Mehr sollten sie für eine Rürup-Rente nicht ausgeben

In der folgenden Tabelle stehen die Beträge, bis zu denen Einzahlungen bei anderen Bruttolöhnen sinnvoll sind.

So viel Rürup-Beitrag wird 2007 gefördert

Bruttolohn / Höchstbetrag
Alleinstehende
20 000 Euro: 16 020 Euro
30 000 Euro: 14 030 Euro
40 000 Euro: 12 040 Euro
50 000 Euro: 10 050 Euro
54 000 Euro:   9 135 Euro

Ehepaare
  40 000 Euro: 32 040 Euro
  50 000 Euro: 30 050 Euro
  60 000 Euro: 28 060 Euro
  70 000 Euro: 26 070 Euro
  80 000 Euro: 24 080 Euro
  90 000 Euro: 22 090 Euro
100 000 Euro: 20 100 Euro

Ehepaare können sich an den Höchstbeträgen in der Tabelle orientieren, wenn kein Partner 2007 in den alten Bundesländern mehr als 63 000 Euro und in den neuen Bundesländern mehr als 54 600 Euro verdient. Ob einer oder beide zusammen den Höchstbetrag ausschöpfen, ist egal.

Auch Beamte wie Margrit Graef können die Tabelle als Richtschnur nehmen, denn bei ihnen rechnet das Finanzamt die Höchstbeträge genauso aus wie bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern. Für Selbstständige gelten die Höchstbeträge dagegen nur, wenn sie 19,9 Prozent ihres Bruttoeinkommens in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen. Sonst müssen sie anders rechnen (siehe Staatlich geförderte Altersvorsorge).

Der Prozentsatz, den Rürup-Sparer von ihren Beiträgen absetzen können, steigt bis zum Jahr 2025 von 64 auf 100 Prozent. Je jünger sie sind, desto mehr Steuern sparen sie im Laufe der Zeit mit Rürup-Beiträgen.

Im Gegenzug wird von der Rürup-Rente immer mehr steuerpflichtig sein. Versicherte, die 2008 die erste Zahlung bekommen, müssen 56 Prozent Rente beim Finanzamt abrechnen. Beginnt die Rente im Jahr 2015, sind es schon 70 Prozent. Ab 2040 ist dann alles steuerpflichtig.

Für Jüngere ist die Rendite durch die Rürup-Förderung deshalb nicht so hoch wie für ältere Versicherte. Vereinbaren Stefan Schnietz oder Monika Glathe einen Vertrag, der bis zur Rente noch 25 Jahre läuft und 4,0 Prozent Grundrendite bringt, erhöht die Förderung diese nur auf 4,6 Prozent (mit 30 Prozent Steuersatz). Nicht geförderte Rentenversicherungen sind aber noch ungünstiger.

Vorsorge über die Firma

Für Beamte wie Margrit Graef und Selbstständige wie Monika Glathe ist die Auswahl der staatlich geförderten Altersvorsorge mit Riester und Rürup erschöpft. Für Arbeiter und Angestellte wie Stefan Schnietz kommt noch eine Altersvorsorge über den Betrieb infrage.

Sie können dieses Jahr bis zu 2 520 Euro Lohn steuerfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds investieren. Im Alter bekommen sie dafür eine Rente oder Kapital ausgezahlt.

Arbeitnehmer, die dieses Jahr brutto maximal 42 750 Euro verdienen, sparen für den abgezweigten Lohn auch alle Sozialabgaben. Für Bruttolöhne bis 54  600 / 63 000 Euro (neue / alte Bundesländer) fällt zumindest der Arbeitslosen- und Rentenbeitrag weg. Der Staat verzichtet aber nur noch bis Ende 2008 auf die Sozialabgaben.

Außerdem hat die Sache einen Haken: Renten oder Kapitalsummen aus der betrieblichen Altersvorsorge sind nicht nur voll steuerpflichtig. Der Staat kassiert dafür auch Sozialabgaben, wenn das versicherungspflichtige Einkommen im Alter die Bemessungsgrenze für die Krankenversicherung nicht übersteigt (zurzeit 42 750 Euro im Jahr).

Die Abzüge im Alter werden durch die Steuerfreiheit im Berufsleben oft nicht ausgeglichen. Wenn Verträge acht Jahre oder länger laufen, nagt die spätere Abgabenlast sogar an der Grundrendite. Schließt Stefan Schnietz eine Direktversicherung mit 25 Jahren Laufzeit ab, bleiben ihm von 4,0 Prozent Grundrendite 3,6 Prozent übrig (bei 30 Prozent Steuersatz). Selbst nichtgeförderte Rentenversicherungen sind günstiger.

Besser schneiden Arbeitnehmer ab, die kurz vor der Rente in Firmenverträge investieren. Mit maximal 42 750 Euro Bruttolohn und einer Laufzeit von fünf Jahren erhöht sich eine Produktrendite von 4,0 Prozent durch die Förderung auf 5,4 Prozent (bei 30 Prozent Steuersatz).

Spitze mit Spitzeneinnahmen

Nur Spitzenverdiener, die jetzt und im Alter mit ihren Einnahmen über den Bemessungsgrenzen für die Sozialversicherung liegen, können auch bei langen Laufzeiten für Firmenverträge gute Renditen bekommen. Läuft eine Direktversicherung noch 25 Jahre mit 4,0 Prozent Grundrendite, machen die Steuervorteile daraus 5,1 Prozent (44 Prozent Steuersatz). Mehr bietet selbst die Riester-Förderung nicht.

Renditehit vor der Rente

Alle drei Varianten der staatlich geförderten Altersvorsorge lohnen sich kurz vor der Rente am meisten. Da sich die staatliche Förderung der Einzahlung im Berufsleben nur noch auf wenige Jahre verteilt, erhöht sie die Rendite besonders stark.

Je höher der Grenzsteuersatz eines Berufstätigen ist, desto mehr kann er in den letzten Jahren noch aus der Altersvorsorge mit Staatsbonus herausholen.

So viel einzahlen, dass auch eine halbwegs hohe Rente herauskommt, können Berufstätige wie die Lehrerin Margrit Graef aber nur in Rürup-Verträge. Investiert die Berlinerin zehn Jahre lang jeweils 10 000 Euro, kann sie dafür im Ruhestand jeden Monat eine garantierte Rente von mehr als 430 Euro bekommen.

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