Selbstständige: Die zweite Chance

Staatlich geförderte Altersvorsorge Special

Beste Lösung: Mit ihrem Riester-Vertrag kassiert die selbstständige Psychotherapeutin Monika Glathe Zulagen für sich und Tochter Felicia.

Selbstständige mit Anspruch auf Riester-Förderung sollten zugreifen. Auch Rürup-Verträge sind nun attraktiver, weil der Gesetzgeber im zweiten Anlauf nachgebessert hat.

Riester- oder Rürup-Rente? Die selbstständige Psychotherapeutin Monika Glathe hatte die Wahl und hat sich für eine Riester-Rentenversicherung entschieden, um mit Unterstützung des Staates für das Alter vorzusorgen. Sie bringt ihr die höchste Förderung.

Einen Riester-Vertrag können aber nicht alle Selbstständigen abschließen. Das geht nur, wenn sie Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen oder wenn ihr Ehepartner bereits einen Riester-Vertrag unterzeichnet hat.

Für alle anderen Gewerbetreibenden und Freiberufler ist die Rürup-Rente die einzige Möglichkeit, um steuerbegünstigt Geld für das Alter zu sparen.

Pflichtversicherte Selbstständige

Einen direkten Anspruch auf Riester-Förderung haben die knapp 350 000 Selbstständigen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Dazu zählen zum Beispiel Handwerksmeister mit eigenem Betrieb, selbstständige Lehrer und Journalisten.

Um die komplette staatliche Zulage zu erhalten, müssen sie 2007 inklusive Zulagen mindestens 3 Prozent ihres beitragspflichtigen Einkommens aus dem Vorjahr in den Riester-Vertrag einzahlen.

Ihre Beiträge und Zulagen können sie in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen.

Vertrag für den Ehepartner

Monika Glathe zahlt keine Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Sie konnte jedoch als „indirekt Förderberechtigte“ ihren Riester-Vertrag abschließen, weil ihr Ehepartner bereits einen Vertrag hat.

Monika Glathes Ehemann Stefan Schnietz hat als Angestellter Anspruch auf Förderung. Wenn er in seinen Riester-Vertrag jährlich die Mindesteinlage einzahlt, erhält auch die Psychotherapeutin die komplette staatliche Grundzulage von derzeit 114 Euro. Sie bekommt zudem die Kinderzulage von 138 Euro für die 11-jährige Tochter Felicia.

Ob Monika Glathe selbst Beiträge einzahlt, spielt für die Höhe ihrer Zulage keine Rolle. Entscheidend ist, ob in den Riester-Vertrag des Ehemanns ausreichend hohe Beiträge eingezahlt werden.

Sonderregel für Sonderausgaben

Selbstständige mit einem vom Ehepartner abgeleiteten Förderanspruch können ihre Beiträge und Zulagen jedoch nicht selbst als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen.

Die Zahlungen oder zumindest einen Teil davon dürfen sie nur dann beim Finanzamt abrechnen, wenn der Ehepartner den maximal geförderten Höchstbetrag von derzeit 1 575 Euro nicht überschritten hat. Das sollten Ehepaare berücksichtigen, wenn sie überlegen, wie viel Geld der Partner mit indirektem Anspruch einzahlt.

Nehmen wir an, ein Angestellter hat ein Bruttoeinkommen von 30 000 Euro im Jahr. Um die volle staatliche Zulage zu kassieren, müssen 900 Euro – das sind 3 Prozent des Bruttoeinkommens – aus eigenen Beiträgen und den Zulagen für beide Partner auf dem Riester-Konto eingehen.

Diese 900 Euro kann der Mann als Sonderausgaben beim Finanzamt abrechnen. Für die selbstständig tätige Ehefrau kann das Paar zusätzlich bis zu 675 Euro geltend machen. Für alles, was sie darüber hinaus einzahlt, gibt es 2007 keinen Steuervorteil.

Kurz vor der Rente profitieren

Die höchste Rendite liefern Riester-Verträge Selbstständigen, die nur noch wenige Jahre bis zum Rentenalter haben, hohe Steuern zahlen und den Förderhöchstbetrag nicht überschreiten. Je nach Steuersatz sind durch die staatliche Förderung Renditen über 9 Prozent möglich, wenn das Riester-Produkt an sich eine Rendite von 4 Prozent bringt.

Damit liegen die Riester-Renditen über den Erträgen für einen Rürup-Vertrag. Doch auch mit diesem Produkt sind seit einer Gesetzesänderung vor einigen Wochen ansehnliche Renditen möglich.

Selbstständige, die einen Rürup-Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit unterzeichnen, können bei einer Produktrendite von 4 Prozent aufgrund der Steuerersparnisse auf mehr als 7 Prozent Rendite kommen.

Mit Rürup große Summen anlegen

Im Vergleich zu einem Riester-Vertrag lohnt sich die Rürup-Rente vor allem für Selbstständige, die größere Summen für das Alter sparen wollen. Während über einen Riester-Vertrag in diesem Jahr maximal 1 575 Euro gefördert werden, unterstützt der Staat Einzahlungen in Rürup-Verträge bis zu 20 000 Euro im Jahr.

Diese maximale Rürup-Förderung bekommen Selbstständige, die keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung oder in ein berufsständisches Versorgungswerk zahlen. Von den eingezahlten 20 000 Euro dürfen sie in diesem Jahr 64 Prozent – das entspricht 12 800 Euro – als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Im kommenden Jahr sind es bereits 13 200 Euro (66 Prozent). Für Ehepaare sind die Werte jeweils doppelt so hoch.

Förderhöchstbeitrag berechnen

Für pflichtversicherte Handwerksmeister, Freiberufler wie Ärzte und Rechtsanwälte oder Künstler und Publizisten ist die maximal geförderte Anlagesumme geringer. Sie müssen von den 20 000 Euro zuerst ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder an ihr berufsständisches Versorgungswerk abziehen.

Ein Architekt, der 8 400 Euro an sein Versorgungswerk zahlt, könnte noch 11 600 Euro in einen Rürup-Vertrag investieren, um die maximale Förderung zu erhalten:

Für Rürup mehr als 7 000 Euro absetzen
Maximal geförderte Altersvorsorge: 20 000 Euro
- Beiträge Versorgungswerk: 8 400 Euro
Max. geförderter Rürup-Beitrag: 11 600 Euro
Sonderausgaben für Rürup (64 %): 7 424 Euro

Die Rürup-Beiträge kann er vom ersten Euro an steuermindernd geltend machen.

Aufgrund einer „gesetzestechnischen Panne“, wie sie der Ökonom und Namensgeber des Produkts Bert Rürup in einem Interview von Finanztest bezeichnet hatte, war das nach Einführung der Rürup-Rente zunächst nicht möglich.

Bis zu einer Gesetzesänderung Ende 2006 konnten viele selbstständige Rürup-Sparer kaum etwas von ihren Rürup-Beiträgen absetzen. Ihre Ausgaben für eine private Kranken-, Risikolebens- und Haftpflichtversicherung minderten den Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung.

Rendite-Berechnungen von Finanztest hatten daher noch vor gut einem Jahr ergeben, dass die Rürup-Rente, die als Vorsorgeinstrument für Selbstständige geschaffen worden war, am Ziel vorbei führte (siehe Rürup-Rente für Selbstständige). Das neue Gesetz hat den Fehler behoben.

Unflexibler Vertrag

Trotz der Verbesserung behält die Rürup-Rente einige Nachteile. Damit der Versicherte die Beiträge als Sonderausgaben geltend machen kann, muss der Vertrag strenge Bedingungen erfüllen:

  • Er kann später nicht vererbt oder auf eine andere Person übertragen werden.
  • Eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich.
  • Der Vertrag kann nicht verkauft oder beliehen werden.
  • Die erste Rentenzahlung darf nicht vor dem 60. Geburtstag erfolgen.

Für Selbstständige, die damit leben können, ist die Rürup-Rente aufgrund der Steuervorteile eine lohnende Alternative zur klassischen privaten Rentenversicherung. Diese ist zwar flexibler – zum Beispiel sind Kapitalauszahlungen möglich –, doch die Renditen bleiben hinter dem Rürup-Vertrag zurück.

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