Staatlich geförderte Altersvorsorge Meldung

Matthias Broda ist geschäftsführender ­Gesellschafter einer Firma für Stahlrohrmöbel. Eine Direktversicherung ist für ihn die ideale Altersvorsorge.

Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Rente? Finanztest hilft, die rentabelste Form der staatlich geförderten Altersvorsorge zu ­finden. Die Lösung ist nicht für jeden gleich.

Ohne eigene Vorsorge fürs Alter geht es nicht. Davon ist Matthias Broda, geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Stahlmöbel- und Ausstellungsbaufirma System 180, fest überzeugt. Und diese Erkenntnis setzt sich bei immer mehr Menschen durch.

Allerdings nur sehr langsam, wie das Beispiel betriebliche Altersvorsorge zeigt: 46 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft sorgen wie Broda inzwischen über den Betrieb vor. Ende 2003 waren es nur 43 Prozent. So geht es zwar stetig nach oben – aber längst nicht rasch genug. Wenn das Tempo so bleibt, dauert es bis zum Jahr 2041, bis alle Beschäftigten in der privaten Wirtschaft eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente haben.

Vielleicht ginge es etwas schneller, wenn die Betriebsrente nicht in der jüngsten Vergangenheit etwas von ihrem Glanz eingebüßt hätte. Denn seit Januar 2004 müssen gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner den vollen statt wie zuvor nur den halben Beitragssatz zur Krankenversicherung zahlen. Dieser Schritt hat ihre Rente um rund 7 Prozent geschmälert. Die gesetzliche Regelung hat jüngst das Bundessozialgericht bestätigt.

Eine betriebliche Altersvorsorge, beispielsweise in Form einer Direktversicherung, ist in diesem Punkt gegenüber der staatlich geförderten Altersvorsorge mit einem Riester- oder einem Rürup-Vertrag stark benachteiligt. Zwar sind die Beiträge für die betriebliche Alters­vorsorge noch bis Ende 2008 für alle sozialabgabenfrei. Doch dieser Vorteil wiegt für pflichtversicherte Rentner den Nachteil nicht auf, dass sie nun volle Krankenversicherungsbeiträge auf ihre Rente zahlen.

Immer gut für Gutverdiener

Staatlich geförderte Altersvorsorge Meldung

Dennoch ist eine Direktversicherung für viele attraktiv. Unsere Beispielrechnungen zeigen, dass das vor allem für Arbeitnehmer gilt, die sowohl im Berufsleben als auch als Rentner hohe Einkünfte erzielen, die oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Sozialversicherung liegen (siehe Kasten „Steuern und Sozialabgaben“).

Wir haben in unseren Vergleichen von Betriebsrente, Riester- und Rürup-Rente angenommen, dass alle Verträge ohne staatliche Förderung 4 Prozent Ertrag im Jahr bringen. Dann haben wir berechnet, wie hoch die Rendite ausfällt, wenn die staatliche Förderung dazukommt. Die Steuer- und Abgabenlast während des Berufslebens haben wir ebenso berücksichtigt wie die im Alter.

Der Ertrag ist abhängig von der Laufzeit des Vertrags, vom Steuersatz und – bei Betriebsrenten – von der Höhe des Einkommens. Eine Nachsteuerrendite von 5,9 Prozent erzielt ein Spitzenverdiener zum Beispiel mit einer Direktversicherung, wenn er von 2005 an noch 15 Jahre bis zur Rente hat (siehe Tabelle „Betriebsrente II“).

Er darf dafür aber höchstens den steuerfreien Beitrag von zurzeit jährlich 4 296 Euro einzahlen, und er muss sowohl in der Beitrags- als auch in der Rentenphase ein Einkommen oberhalb der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung haben.

Unser Spitzenverdiener ist also entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichert. Außerdem hat er im Berufsleben einen Steuersatz von 44,31 Prozent bezahlt.

Doch auch bei niedrigeren Steuersätzen und längeren Beitragszeiten ist die Rendite attraktiv. Der 43-jährige Broda hat mit ­seiner Direktversicherung eine gute Wahl getroffen.

Liegt ein Arbeitnehmer dagegen unter der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung, verdient also derzeit nicht mehr als 42 300 Euro, fällt sein Ertrag viel geringer aus. Er erreicht nur eine Rendite von 4,2 Prozent (siehe „Betriebsrente I“). Denn für seine Beiträge muss er ab 2009 die vollen Sozialabgaben zahlen und im Alter gehen von der Rente die vollen Krankenversicherungsbeiträge ab.

Das drückt die Rendite. Wäre im Alter nur der halbe Beitragssatz für die Krankenversicherung fällig, wie dies bis Ende 2003 noch der Fall war, käme derselbe Arbeitnehmer ebenfalls auf eine Rendite von 5,9 Prozent.

Gute Rendite im Kollektiv

Staatlich geförderte Altersvorsorge Meldung

Die Berliner Stahlmöbelfirma ­System 180 bietet ihren Beschäftigten eine Betriebsrente an und zahlt dafür ­einen großen Teil des Beitrags.

Trotz der gesetzlichen Verschlechterung der Bedingungen lohnt sich die betrieb­liche Altersvorsorge aber auch weiterhin nicht nur für Spitzenverdiener. Dies gilt vor allem dann,

  • wenn die Firma für eine große Zahl von Beschäftigten einen Kollektivvertrag abschließt. Das spart Kosten und erhöht die Rendite für jeden Einzelnen (siehe unseren Test der Direktversicherungen).
  • wenn der Arbeitgeber einen Teil der Beiträge zuschießt.

Diese beiden Vorteile haben wir in unserer Renditeberechnung nicht berücksichtigt. Denn wenn sie nicht angeboten werden, ist ein Riester-Vertrag oft besser.

Mit voller Förderung riestern

Mit einem Riester-Vertrag kann ein ­Arbeitnehmer, der noch 15 Jahre bis zur ­Rente hat und einschließlich Solidaritätszuschlag einen Steuersatz von 44,31 ­Prozent zahlen muss, in unserem Beispiel ­eine Rendite von 6 Prozent erreichen. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent sind es immerhin noch 5,5 Prozent (siehe Tabelle „Riester-Verträge“).

Um die Förderung voll zu nutzen, müssen die Sparer den geförderten Jahreshöchstbeitrag zahlen, in diesem Jahr 1 050 Euro.

Doch sie zahlen nicht den gesamten Beitrag selbst: Ein Riester-Sparer mit einem Kind etwa muss nur 882 Euro aus eigener Tasche investieren, um zusammen mit der staatlichen Grundzulage (in diesem Jahr 76 Euro) und mit der Kinderzulage (92 Euro) auf den geförderten Höchstbeitrag von 1 050 Euro zu kommen.

In der Steuererklärung können Anleger für ihre eigenen Einzahlungen und die staatlichen Riester-Zulagen den Abzug als Sonderausgaben beantragen. Ist die Steuerersparnis durch den Abzug größer als die Zulagen, schreibt das Finanzamt die Differenz im Steuerbescheid gut.

Rürup-Rente unflexibel

Überraschend in unserem Rendite-Vergleich: ­Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, die dieses Jahr nicht mehr als 42 300 Euro verdienen, können mit der Rürup-Rente eine bessere Rendite erzielen als mit der betrieblichen Altersvorsorge.

Trotzdem bleibt die Rürup-Rente für die meisten nur dritte Wahl nach der Riester- und der Betriebsrente. Denn von allen staatlich geförderten Vorsorgeangeboten ist sie am unflexibelsten. Nicht einmal die Auszahlung eines Teils des angesparten ­Kapitals auf einen Schlag ist zu Beginn der Rentenphase möglich.

Einen Vorteil haben alle drei staatlich ­geförderten Vorsorgevarianten gemeinsam: Bei der Rendite schneiden sie besser ab als die klassische private Rentenversicherung. Diese ist allerdings flexibler. Denn statt einer Rente ist auch eine teilweise steuerfreie Auszahlung des gesamten angesparten Kapitals möglich.

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