Interview: „Isothiazolinone haben ein hohes Allergie­potenzial“

Spül­mittel im Test Test

Wolfgang Uter.

Spül­mittel und viele andere Produkte enthalten das Konservierungs­mittel Methylisothiazolinon. Warum das kritisch ist, erläutert der Dermatologe Wolfgang Uter, Professor für Dermatologie an der Universität Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD).

Problematischer Konservierungs­stoff

Was ist an Methylisothiazolinon problematisch?

Der Stoff besitzt das Potenzial, selbst in relativ geringer Konzentration eine Allergie zu erzeugen. Ist das passiert, kann jeder Haut­kontakt einen allergischen Ausschlag auslösen.

Wie viele Methylisothiazolinon-Allergiker gibt es in Deutsch­land?

Wenn man konservativ hoch­rechnet, sind mindestens eine halbe Million Menschen gegen den Stoff allergisch – realistisch bis zu zwei Millionen.

Selbst in Kinder-Knete kommt er vor

In welchen Produkten wird das Konservierungs­mittel einge­setzt?

Es kann in allen Produkten vorkommen, die Wasser enthalten: Wand­farben, Reiniger, Pflege-Lotionen für Möbel und Böden, Auto­polituren, Sanitär­sprays, sogar in Filz­stiften und Slime-Knete für Kinder. In Kosmetika war es lange das Mittel der Wahl.

In Kosmetika ersetzten Isothiazolinone die in Verruf geratenen Parabene. Welche Folgen hatte das?

Der breite Einsatz in Kosmetika ab etwa 2004 hat eine massive Allergie-Epidemie ausgelöst. 2013 gab es deshalb einen Krisengipfel zwischen Dermatologen aus ganz Europa und der Kosmetik­industrie. Es wurde empfohlen, Methylisothiazolinone in Produkten, die auf der Haut bleiben wie Cremes und Salben, nicht mehr einzusetzen. Das galt jedoch nicht für Produkte, die wie Shampoos und Flüssigseife wieder abge­waschen werden. Erst seit letztem Jahr gibt es eine europäische Verordnung, die die Verwendung einschränkt.

In Haut­cremes verboten

Welche Konzentration ist erlaubt?

In Haut­cremes ist das Konservierungs­mittel seit 2017 verboten. Bei abwasch­barer Kosmetik liegt der Grenz­wert seit einigen Monaten bei 15 Milligramm pro Kilogramm. Diese nied­rige Konzentration gilt nach Studien­lage als unpro­blematisch. Seit der Begrenzung in Kosmetika fällt die Rate neu Erkrankter. Für andere Produkt­gruppen gilt diese Begrenzung nicht, etwa Wand­farben und Haus­halts­reiniger.

In den geprüften Spül­mitteln fanden wir Konzentrationen von bis zu 95 Milligramm pro Kilogramm. Ist das ein Problem für Allergiker?

Ja, durch­aus. Vor allem, wenn sie das Spül­mittel unver­dünnt zum Hände­waschen verwenden. Bei einer Studie mit Allergikern hat bereits eine Konzentration von 50 Milligramm pro Kilogramm bei über der Hälfte von ihnen einen Ausschlag ausgelöst.

Können die in den Spül­mitteln gefundenen Mengen eine Allergie bei Gesunden auslösen?

Das ist unwahr­scheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen. Noch immer gibt es Neuerkrankte, obwohl Methylisothiazolinon in vielen Kosmetika verboten ist. Aber die Ursache von Allergien ist immer schwer zu beweisen.

Beim Spülen Hand­schuhe tragen

Was raten Sie Allergikern?

Beim Spülen Hand­schuhe tragen, sofern man nicht gegen sie allergisch ist. Und auf die Kenn­zeichnung achten. Nicht nur Kosmetika, auch Haus­halts­reiniger müssen ihre Inhalts­stoffe auflisten. Viel problematischer sind Produkte, bei denen es keine Deklarations­pflicht gibt, zum Beispiel Auto­polituren und Filz­stifte. Ich plädiere daher für eine Voll­deklaration in allen Bereichen. Das wäre eine große Hilfe für Dermatologen und Patienten.

Gibt es sichere Konservierungs­mittel?

Das Problem ist immer, dass ein vermehrter Einsatz von Ersatz­stoffen ziemlich sicher zu neuen Allergien führt. Von daher sollten Hersteller allgemein versuchen, die Notwendig­keit von Konservierungs­mitteln zu reduzieren. Etwa durchs Verpackungs­design: Flaschen mit Pump-Mecha­nismus verkeimen weniger schnell als Verschlüsse, die offen stehen können.

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