Sprachreisen Wirtschaftsenglisch Test

Ihre Englischkenntnisse für den Job wollten unsere Tester verbessern. Eine Sprachreise kann dafür ideal sein. Leider bot nur einer der Veranstalter guten Unterricht.

So hatte sich unsere Testerin Claudia Müller* ihre Sprachreise ins britische Oxford nicht vorgestellt. Rund 2 500 Euro hatte das Paket aus Sprachkurs und Unterkunft gekostet, gebucht bei fee Sprachreisen. Und nun gab es den gewählten Kurs „Englisch für Berufstätige“ in der Sprachschule nicht – zumindest nicht auf Müllers Niveau: „Ich wurde nicht eingestuft und landete in einer Gruppe mit deutlich schwächeren Teilnehmern.“

Berufliche Themen kamen im Kurs viel zu kurz. Dabei hatte Müller dem Veranstalter vor der Buchung klar gesagt, dass es ihr genau darum ging. Als zukünftige Mitarbeiterin einer Uni wird sie Projekte mit internationalen Partnern betreuen und vor allem viel Schriftverkehr auf Englisch haben. Dabei souveräner zu werden – das hatte sie sich von der Sprachreise versprochen.

Größtes Manko – der Unterricht

Sprachreiseveranstalter sind Spezialisten für organisierte Sprachreisen ins Ausland. Neben Sprachkurs und Unterkunft vermitteln sie bei Bedarf auch die An- und Abreise. Bei Problemen und Reklamationen sind die Veranstalter erster Ansprechpartner für die Kunden. Das ist der große Vorteil gegenüber selbstorganisierten Reisen.

Acht Anbieter haben wir getestet und 24 Testpersonen wie Claudia Müller auf zweiwöchige Reisen nach Großbritannien, Irland, Nordamerika und auf die Mittelmeerinsel Malta geschickt. Für sie waren ein Sprachkurs in „Business-Englisch“ und die Unterkunft in einer Gastfamilie gebucht.

Das Ergebnis unseres Tests ist ernüchternd: Nur ein Anbieter – Dr. Steinfels Sprachreisen – konnte im wichtigsten Prüfpunkt, dem Sprachunterricht, mit einem „guten“ Ergebnis überzeugen.

Die Hälfte der Veranstalter verfehlte das Thema. In ihren Business-Englisch-Kursen mit wöchentlich mindestens 25 Unterrichtseinheiten spielte Berufliches oft nur eine Nebenrolle.

Bei fee Sprachreisen in Oxford interpretierten die Teilnehmer häufiger Gedichte und Bilder, anstatt Fertigkeiten wie Verhandeln und Diskutieren zu trainieren.

Für Elsta unterrichtete auf Malta eine Lehrkraft, die wenig vom Geschäftsleben verstand. Damit fielen Themen aus Wirtschaft und Arbeitswelt flach.

Linguland Sprachreisen in Calgary steckte unseren 34-jährigen Tester mit Studenten im Alter von Anfang 20 in einen Kurs. „Keiner hatte einen Funken Berufserfahrung und Interesse an beruflichen Inhalten“, berichtete uns der Informatiker.

Eine andere Testerin musste in London sechs verschiedene Klassen von Linguland besuchen. „Der Unterricht war unsystematisch und oft ohne Berufsbezug“, lautete ihr Fazit. Dabei hatte die Psychologin auf eine homogene Lerngruppe und viele neue Vokabeln für ihr Fach gehofft.

Dass es anders gehen kann, erlebten unsere erwachsenen Sprachschüler mit Dr. Steinfels Sprachreisen in Großbritannien und den USA. Hier lernten Berufstätige aus aller Welt gemeinsam – der Schweizer Banker neben dem Börsenmakler aus Brasilien.

Die Dozenten gingen auf die Berufe der Teilnehmer ein. Diskussionen über Globalisierung und Finanzkrise, Fragen der Etikette im Geschäftsleben und kulturelle Besonderheiten standen auf dem Stundenplan. Unsere Tester hielten Präsentationen, analysierten Werbefilme und erstellten Bewerbungen für die USA.

Allerdings hätte keiner unserer Teilnehmer je beim Testsieger gebucht, weil sie vorab am Telefon derart „mangelhaft“ beraten wurden. „Steht alles im Katalog“, lautete die Antwort auf viele Fragen. Dabei ist eine gründliche Beratung im Vorfeld wichtig, damit Kurs und Reiseziel am Ende den Erwartungen des Kunden entsprechen.

Eine intensivere Beratung hätten sich die Sprachschüler vor allem zum Thema Bildungsurlaub und zum Visum für die USA gewünscht.

Für Business-Englisch-Kurse mit mehr als 18 Unterrichtsstunden pro Woche ist statt eines Touristen- ein Studentenvisum nötig. Das zu beantragen kostet Geld – etwa 300 Euro an Gebühren – und Zeit. Der Antrag sollte sechs bis acht Wochen vor der Abreise eingereicht werden. Mehr unter http://germany.usembassy.gov.

Thüringer Würstchen in Kanada

Positiv überrascht hat uns die überwiegend „gute“ Qualität der Privatunterkünfte. Das war in unserem Test vor drei Jahren noch ganz anders. Freundlich und bemüht – so beschrieben viele Tester ihre Gastgeber. Ein Thüringer bekam in Kanada sogar Rostbratwürstchen aus seiner Heimat serviert.

Schlechte Erfahrungen machten die Kursteilnehmer mit Elsta. Die Gastgeber zeigten wenig Interesse an ihren Gästen. Zwar dürfen Sprachreisende keinen Familienanschluss erwarten, ein paar freundliche Worte und etwas Aufgeschlossenheit sollten aber schon drin sein.

Kalt überrascht wurden die Tester auf Malta. Im Winter kann es auf der Mittelmeerinsel sehr ungemütlich werden. Heizungen gibt es in den Häusern oft nicht.

Selbst bei gutem Wetter ist Malta trotz günstiger Preise für fortgeschrittene Englischschüler nicht zu empfehlen. Englisch ist dort nur die Amtssprache. Gastfamilien und Lehrkräfte sprechen in der Regel Maltesisch als Muttersprache.

Das Resümee unseres Tests: Trotz aller Kritik ist eine Sprachreise die beste Möglichkeit, um in eine Sprache einzutauchen und Land und Leute kennenzulernen. Damit die Reise ein Erfolg wird, sollten sich die Lernwilligen aber vorab gründlich informieren. Die Veranstalter müssen in Zukunft stärker dafür sorgen, dass ihre Sprachschulen geeigneten Unterricht in Business-Englisch anbieten.

*Name von der Redaktion geändert

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