Förderung und Finanzierung : Finanzspritzen

Sprachweiterbildungen sind teuer, Praktika im Ausland auch. Ob Nachwuchs- oder Führungskraft – für jeden gibt es Fördertöpfe und die Chance zum Geldsparen.

Seit die Bundesregierung 1991 die „Begabtenförderung berufliche Bildung“ ins Leben gerufen hat, wurden 67 500 junge Fachkräfte unterstützt, die sich in ihrem Beruf oder fachübergreifend qualifizieren wollen. Einer der Förderschwerpunkte sind IntensivSprachkurse im Ausland.

Wer jung und auch schlau ist, kann seinen Sprachkurs in Irland, Spanien oder anderswo mit einem Stipendium der Begabtenförderung finanzieren. Um Geld aus diesem Fördertopf zu bekommen, müssen Bewerber unter 25 Jahre alt sein und ihre Berufsausbildung mit guter Note – 1,9 oder besser – abgeschlossen haben. Bis zu 1 700 Euro gibt es jährlich, maximal für drei Jahre.

Tipp: Um ein Stipendium zu beantragen, müssen Sie sich an Ihre zuständige Stelle wenden. Das ist die Stelle, die Ihren Ausbildungsvertrag unterzeichnet hat, in der Regel eine Kammer. Bevor Sie sich dort beraten lassen, überlegen Sie, welcher Sprachkurs für Sie in Frage kommt. Klären Sie im Gespräch, ob der Kurs förderungsfähig ist.

International unterwegs

Im Ausland arbeiten, interkulturelle Kontakte knüpfen und noch die Sprache lernen, das macht die Gesellschaft Internationale Weiterbildung und Entwicklung, kurz Inwent, möglich.

Die gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Wirtschaft fördert Nachwuchs-, Fach- und Führungskräfte, die Auslandserfahrungen sammeln wollen. Die Programme richten sich an Interessierte verschiedener Fachrichtungen und Branchen. Teilnehmen können Auszubildende, junge Berufstätige, Studenten und Hochschulabsolventen. Häufig gibt es Altersgrenzen. Das Spektrum reicht von der dreiwöchigen Fortbildung für Jungmanager in Russland bis zum einjährigen Praktikum plus Sprachkurs für Architekten in Mexiko.

Tipp: Die Internetdatenbank „Weiterbildung ohne Grenzen“ auf www.ibs.inwent.org gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Inwent-Förderprogramme. Für Praktika im Ausland ist Eigeninitiative gefragt. Die Suche nach einer geeigneten Firma überlässt Inwent den künftigen Teilnehmern. Bevor Sie sich also bei Inwent bewerben, sollten Sie Ihren Praktikumsplatz schon sicher in der Tasche haben.

Den Weg ins europäische Ausland erleichtern seit Januar 2007 die erneuerten Bildungsprogramme der Europäischen Union. Sprachkurs, Fortbildung, Studium, Unternehmenspraktikum – all das ist machbar. Bis zum Jahr 2013 stehen dafür sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Erklärtes Ziel: das Lernen von Sprachen und die sprachliche Vielfalt Europas fördern.

Die vier Bildungsprogramme richten sich an ganz unterschiedliche Zielgruppen. Mit „Erasmus“ können bis zum Jahr 2012 drei Millionen Studenten europaweit studieren, mit „Leonardo da Vinci“ jährlich 80 000 Berufstätige im Ausland lernen und arbeiten. „Comenius“ schickt Lehrer von heute und morgen an die Schulen in ganz Europa, und „Grundtvig“ fördert die Weiterbildung von Beschäftigten in der Erwachsenenbildung, wie Trainern und Dozenten.

Tipp: Studenten können nicht nur mit dem Erasmus-Programm Zeit im Ausland verbringen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist die größte Förderorganisation für den internationalen Akademikeraustausch. Einen Überblick über die Angebote und Förderungsmöglichkeiten gibt die DAAD-Stipendiendatenbank im Internet unter www.daad.de/foerderung.

In Nordrhein-Westfalen beantragen

Eine Sprachweiterbildung zum halben Preis bietet Nordrhein-Westfalen mit dem Bildungsscheck. 2006 hat das Bundesland dieses Förderprogramm für Mitarbeiter von kleinen und mittleren Unternehmen ins Leben gerufen. Die Mittel stellt der Europäische Sozialfonds zur Verfügung. Danach zahlen Beschäftigte von Firmen mit maximal 250 Mitarbeitern für eine berufliche Weiterbildung nur die Hälfte, die andere kommt vom Land. Pro Bildungsscheck gibt es bis zu 500 Euro. In den Genuss kommt allerdings nur, wer in Nordrhein-Westfalen arbeitet. Gefördert werden neben Sprachqualifizierungen auch Computerkurse und kaufmännische und technische Weiterbildungen.

Tipp: Den Bildungsscheck erhalten Sie in einer der 200 Beratungsstellen des Landes und können ihn dann bei einem Weiterbildungsanbieter Ihrer Wahl einlösen. Auf den Internetseiten des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums können Sie eine Liste der Beratungsstellen im Land abrufen: www.bildungsscheck.nrw.de.

Gezielt argumentieren

Durch die Globalisierung pflegen auch kleinere Betriebe Kontakte ins Ausland. Wer im Job Fremdsprachenkenntnisse benötigt, sollte bei seinem Arbeitgeber nachfragen, ob dieser dafür offen ist, in die Sprachfertigkeit der Mitarbeiter zu investieren. Vielleicht ist er für betriebsinterne Sprachkurse oder eine externe Schulung zu gewinnen.

Tipp: Erklären Sie Ihrem Chef, warum eine Sprachweiterbildung für Ihre Arbeit von Vorteil wäre. Zeigen Sie ihm auf, wie oft Sie die Sprache in Ihrem Job brauchen und in welchen Situationen Sie unsicher sind, zum Beispiel am Telefon, in Konferenzen oder im Schriftverkehr. Machen Sie deutlich, dass Sie bereit sind, für den Sprachkurs auch Ihre Freizeit zu opfern.

Auf eigene Kosten weiterbilden

Will der Arbeitgeber keinen Sprachkurs finanzieren, bleibt Arbeitnehmern immer noch die Möglichkeit, Bildungsurlaub für die Dauer der Weiterbildung zu beantragen. Die Kosten der Weiterbildung zahlt man dann zwar selbst, wird dafür aber vom Arbeitgeber freigestellt und bekommt sein Gehalt weiter.

In den meisten Bundesländern ist die bezahlte Freistellung von der Arbeit gesetzlich verankert. Achtung: In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen gibt es kein Gesetz und damit keinen gesetzlichen Anspruch. Je nach Bundesland stehen Arbeitnehmern drei bis fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr zu. Die Freistellung gilt auch für einen mit dem Job begründeten Sprachkurs. Die Bildungsurlaubsgesetze der Bundesländer stehen im Infoweb Weiterbildung unter www.iwwb.de/links/bildungsurlaub. Dort gibt es Links zu Datenbanken, die bei der Kurssuche helfen.

Tipp: Der Antrag auf Bildungsurlaub muss mindestens sechs Wochen vor Beginn des Seminars bei Ihrem Arbeitgeber eingehen. Sprechen Sie Ihre Planung daher rechtzeitig mit Ihrem Chef und Ihren Kollegen ab. Ihr Arbeitgeber kann den Bildungsurlaub nämlich aus zwingenden betrieblichen Gründen ablehnen, etwa, wenn im geplanten Zeitraum viele Kollegen im Urlaub sind.

Englisch fördert die Bundesagentur

Wer arbeitslos ist und für eine konkrete Arbeitsstelle berufsbezogene Fremdsprachenkenntnisse benötigt, sollte bei seiner Arbeitsagentur nachhaken. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) fördert vor allem Weiterbildungen für Englisch. Sprachdefizite dieser Art seien oftmals der Grund, wenn Arbeitslose nur schwer in bestimmte Jobs zu vermitteln seien, heißt es dort. Eine Förderung bescheinigt die BA mit dem Bildungsgutschein. Den können Arbeitslose dann bei zertifizierten Bildungsanbietern einlösen.

In der Weiterbildungsdatenbank Kursnet der BA finden sich über 500 meist berufsbezogene Englischkurse, für die der Gutschein gilt. Von Englisch im Berufsalltag bis zu Kursen für bestimmte Branchen wie Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe oder Sozial- und Gesundheitswesen reicht das Spektrum. Bei anderen Fremdsprachen wie Spanisch, Französisch und Italienisch beschränkt sich das Angebot auf eine Handvoll Kurse.

Um einen Bildungsgutschein zu ergattern, brauchen Arbeitslose gute Argumente. Der geplante Sprachkurs muss Erfolg versprechen. Konkret heißt das: Nach der Weiterbildung sollte dem Arbeitslosen ein neuer Job winken.

Tipp:Bereiten Sie sich auf den Termin bei Ihrem Arbeitsberater sehr gut vor. Stellen Sie in dem Gespräch ausführlich und verständlich dar, wie wichtig gute Sprachkenntnisse für Ihren Beruf sind. Machen Sie auch deutlich, inwiefern ein Sprachkurs Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern kann.

Sprachkurse bezahlt der Fiskus mit

Wer Steuern zahlt und für seine Sprachweiterbildung selbst Geld ausgegeben hat, darf sich einen Teil davon vom Finanzamt zurückholen. Ausgaben für Sprachkurse lassen sich als Werbungskosten von der Steuer absetzen, vorausgesetzt, die Sprache wird im Beruf tatsächlich benötigt und nicht aus privaten Gründen gelernt. Zu den Werbungskosten gehören die Kursgebühr und Kosten für Fahrt, Unterkunft und Verpflegung.

Auch Auslandssprachkurse sind steuerlich absetzbar. Hier schauen die Finanzämter allerdings ganz besonders genau hin, ob die Reise beruflich veranlasst oder nicht eher ein „subventionierter“ Urlaub ist. Dass neben der Kursgebühr auch Kosten für Flug- und Unterkunft anerkannt werden, ist eher selten.

Tipp: Je besser der Kurs auf Ihre beruflichen Erfordernisse zugeschnitten ist, desto eher wird das Finanzamt ihn anerkennen. Höhere Chancen hat auch eine Sprachreise mit ganztägigem Unterricht, die an Wochentagen kein touristisches Programm vorsieht oder zulässt. Letzteres könnte nämlich zu sehr auf den Urlaubsaspekt hinweisen. Legen Sie Ihrer Steuererklärung möglichst eine Bestätigung Ihres Arbeitgebers bei, dass Sie die Sprachreise aus rein beruflichen Gründen gemacht haben.

Bildungseifer belohnt der Staat

Ab Sommer 2008 will der Staat Weiterbildungswillige unter anderem mit einer staatlichen Prämie belohnen. Bis zu 154 Euro gibt es für jeden, der die gleiche Summe noch einmal selbst für eine Weiterbildung aufbringt. Das Angebot der Bundesregierung gilt jedoch nur für Personen mit niedrigem und mittlerem Jahreseinkommen von bis zu 17 900 Euro.

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