Arbeiten in Spanien/Lateinamerika : Ohne Spanisch geht nicht viel

Trotz überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums liegen gute Jobs in Spanien nicht gerade auf der Straße. Noch weit schwieriger gestaltet sich die Arbeitssuche in den Ländern Lateinamerikas.

Eine Liebe fürs ganze Leben sei Spanien, schreibt Cees Nooteboom in seinem berühmten Reisebuch „Der Umweg nach Santiago“. Das Königreich auf der Iberischen Halbinsel höre, so der niederländische Schriftsteller, niemals auf zu überraschen.

Mit seiner Liebe steht Nooteboom nicht allein. Gerade die Deutschen wissen die Vorzüge Spaniens zu schätzen: das Klima, der lockere Umgangston, die reichen, regional verschiedenen Kulturen, Dialekte und Sprachen. Allein die Zahl der dauerhaft in Spanien wohnenden Deutschen zeigt die Anziehungskraft des Mittelmeeranrainers. Je nach Schätzung sollen es bis zu 800 000 sein, die sich den Wunsch nach mediterraner Lebensart erfüllt haben.

Arbeitsmarkt ist kein Eldorado

Doch im Falle des spanischen Arbeitsmarktes liegen Wunsch und Wirklichkeit weiter auseinander, als viele glauben. Obwohl Spanien zuletzt im (west-)europäischen Maßstab beachtliche wirtschaftliche Wachstumsraten von 3 bis 4 Prozent vorzuweisen hatte, ist sein Arbeitsmarkt alles andere als das sprichwörtliche Eldorado. Im Gegenteil: La vida buena, das gute Leben, ist – was die Aussichten auf Jobs angeht – anderswo.

„Für Deutsche gestaltet sich die Arbeitssuche in Spanien weitaus schwieriger als zum Beispiel in den angelsächsischen Ländern“, sagt auch Eberhard Niklas, Eures-Berater bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Eures – das ist ein Kooperationsprojekt zwischen Europäischer Kommission und den Arbeitsverwaltungen der EU-Staaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Es soll berufliche Mobilität fördern.

Eberhard Niklas ist einer von europaweit 700 Eures-Beratern, die Auswanderungswilligen bei der Stellensuche und Integration im neuen Land zur Seite stehen. Einerseits gebe es auf deutscher Seite eine enorme Nachfrage für Jobs in Spanien, sagt Niklas. Andererseits würden die Anforderungen an Sprachkenntnisse und Qualifikationen der Bewerber eher steigen: „Es fehlen Interessierte, die die Sprache perfekt beherrschen und anspruchsvolle berufliche Qualifikationen vorzuweisen haben“.

Eine Nische in Spanien für Fachkräfte ohne Sprachkenntnisse ist laut Niklas der Bau- und Immobiliensektor. Dort suchten von Deutschen gegründete kleinere Firmen häufig deutsche Handwerker. Wie lange dieser Boom anhalten wird, ist aber fraglich: Finanzmarkt-Experten warnen seit Monaten vor einem Einbruch der Immobilienpreise – und damit vor dem Ende des Baubooms auf der Iberischen Halbinsel.

Die Sprache ist der Schlüssel

Deutsche Handwerker auf spanischen Baustellen sind die Ausnahme. Das Gegenteil ist die Regel: Kenntnisse der Sprache und Kultur sind unabdingbar, um in Spanien dauerhaft heimisch zu werden. Doch das ist keinesfalls allen potenziellen Auswanderern klar, weiß zum Beispiel Carmen de Eguilior zu berichten, die als Eures-Beraterin in der Arbeitsagentur Inem in Madrid tätig ist.

„Viele Deutsche, die zu mir kommen, verfügen über ausgezeichnete Qualifikationen und Sprachkenntnisse. Da geht es in der Beratung nur noch darum zu sagen, in welcher Branche sie die besten Chancen haben“, erzählt de Eguilior. Auf der anderen Seite kämen aber viele mit geringen Sprachkenntnissen und einem eher unrealistischen Bild des spanischen Arbeitsmarktes. „Denen muss ich dann klar sagen, dass sie erst vernünftig Spanisch sprechen müssen, um eine Chance zu haben“, so de Eguilior.

Eine Möglichkeit, es dennoch zu schaffen, sei zum Beispiel, als Servicekraft im Dienstleistungssektor anzufangen. Dort, sagt die Expertin, gebe es immer Arbeit. Doch diese ist meist kein Zuckerschlecken: Ein Camarero – ein ganz normaler Kellner also – verdient in Madrid bei einer vollen Sechs-Tage-Woche zirka 1 000 Euro netto. Das ist alles andere als üppig, zumal die Lebenshaltungskosten in der spanischen Hauptstadt mit denen in Deutschland vergleichbar sind. Hinzu kommt, dass viele Servicekräfte in Konkurrenz mit den Einwanderern aus Nicht-EU-Staaten, hauptsächlich aus Lateinamerika, stehen, die oft für noch weniger Lohn arbeiten.

Der Dienstleistungssektor sei schlecht bezahlt, räumt zwar auch de Eguilior ein, aber so lerne man schnell die Sprache und habe die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, die bei der späteren Arbeitssuche noch Gold wert sein könnten. Auch das ist eine Erfahrung, die viele Deutsche in Spanien machen: Mehr noch als hierzulande ist eine persönliche Empfehlung oftmals hilfreicher als ein ausgefeiltes Bewerbungsschreiben, um seine beruflichen Ziele zu erreichen.

Persönliche Kontakte sind wertvoll

Wenn sich persönliche Kontakte in Spanien schon als wichtig erweisen, so sind sie im spanischsprachigen Lateinamerika der Schlüssel bei der Jobsuche: „Die persönliche Schiene ist einfach entscheidend“, bestätigt Kim Gronemeier, Lateinamerika-Referentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz.

Es sei, so Gronemeier, von Deutschland aus nur schwer möglich, einen Job in Lateinamerika zu ergattern. Neben Kontakten vor Ort seien Sprachkenntnisse und Wissen über die Zielkultur Grundvoraussetzungen, um einen Job zu bekommen. „Da können während der Studienzeit absolvierte Praktika entscheidend sein. Hilfreich ist auch, Präsenz zu zeigen, zum Beispiel auf Messen und Veranstaltungen“, sagt Gronemeier.

Doch das ist fast schon alles, was allgemein zu den spanischsprachigen Nationen zwischen Feuerland und dem Golf von Mexiko zu sagen ist – zu krass sind die Unterschiede zwischen den Nationen. Wirtschaftlich scheint es derzeit eher aufwärts zu gehen: Die Nachfrage auf dem Weltmarkt nach lateinamerikanischen Rohstoffen und Agrarerzeugnissen ist so hoch wie lange nicht mehr. Daneben gewinnt auch der Export von Industrieprodukten aus der Region an Bedeutung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2894 Nutzer finden das hilfreich.