Umfrage: Job und Fremdsprachen: Mehrsprachig zum Erfolg

Wer im Job erfolgreich sein will, sollte gutes Englisch lernen. Das ist wichtig, um zu mailen, zu telefonieren und Briefe zu schreiben. Dass das Schulenglisch in vielen Berufen nicht mehr ausreicht, bestätigen auch die Personalentwickler. Das ist ein Ergebnis unserer Umfrage zum Thema Job und Fremdsprachen, die die Stiftung Warentest für das neue test spezial „Sprachen lernen. Englisch & Spanisch. Die besten Kurse“ gestartet hat.

Englisch für den Job, Spanisch in erster Linie für das Privatleben. Das war die Antwort vieler Verbraucher auf die Frage, warum sie Sprachen lernen. Für das neue test Spezial „Sprachen lernen“ hatte die Stiftung Warentest Ende 2006 eine Umfrage gestartet. Wir wollten herausbekommen, welche Sprachen heute im Job wichtig sind, wer sie wann lernt und wie er sie im Berufsalltag einsetzt. Ausgewertet haben wir die Antworten von 446 Verbrauchern, 290 Unternehmensvertretern und außerdem 3  000 Stellenanzeigen.

Wichtigstes Fazit: Das Schulenglisch, das 90 Prozent der Befragten mitbringen, reicht längst nicht mehr. Denn rund 40 Prozent von ihnen üben nach Feierabend noch Englisch. Auffällig ist ebenfalls der Trend zu Spanisch. Immerhin ein Fünftel in unserer Umfrage widmet sich dieser Sprache. An dritter und vierter Stelle folgen Französisch (18 Prozent) und Russisch (4 Prozent).

Das deckt sich mit der Suchstatistik der Weiterbildungsdatenbank Berlin-Brandenburg. „Englisch“ ist dort zurzeit das häufigste Suchwort. Unsere Ergebnisse bestätigen auch die Volkshochschulstatistik, in der Englisch und Spanisch in der Beliebtheitsskala bei der Kurssuche noch vor Computerkursen rangierten. Ein großes Interesse an Englisch und Spanisch registrieren auch die Anbieter von Sprachreisen.

Die Gründe fürs Sprachenlernen offenbart die Umfrage ebenfalls. Englisch wird für den Job, Spanisch dagegen überwiegend fürs Privatleben gelernt.

Sprachen lernen Special

Antworten fanden wir auch auf die Frage, wie man heute Englisch und Spanisch lernt. Für alle Sprachen gilt: Audio-CDs und Bücher sind die beliebtesten Lernmedien, die viele auch parallel zu einem Sprachkurs benutzen. Knapp zwei Drittel der Befragten büffeln auf diese Weise Englisch, aber nur 43 Prozent Spanisch.

Mehr Spanischlerner in Kursen

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Wer Spanisch lernt, zieht es dagegen weitaus häufiger in Sprachkurse im In- und Ausland. Sicherlich auch, weil eine bekannte Sprache wie Englisch wesentlich einfacher per Lernmedium zu Hause aufzufrischen ist, als sich eine neue Sprache zu erarbeiten. Dafür investiert man schon mal in einen teureren Spanischkurs in Deutschland oder eine Sprachreise auf die Iberische Halbinsel.

Auffällig ist: Obwohl Englisch fast ausschließlich für den Job gepaukt wird, zahlt nur bei jedem siebten Umfrageteilnehmer der Arbeitgeber die Kosten. Sprachunterricht während der Arbeitszeit ist ebenfalls selten: 85 Prozent beschäftigen sich mit der englischen Sprache in ihrer Freizeit.

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Ob Englisch oder Spanisch – die beruflichen Tätigkeiten, die man in der Fremdsprache ausführt, sind die gleichen: Man schreibt Geschäftsbriefe, sendet E-Mails, telefoniert und nimmt an Diskussionen und Verhandlungen teil. Wer also einen Sprachkurs oder ein Computerprogramm sucht, weil er Englisch oder Spanisch für den Job braucht, sollte vor der Buchung oder dem Kauf darauf achten, dass das Medium die notwendigen Inhalte auch tatsächlich vermittelt.

Weitere Frage: Wie gut muss das Englisch sein, das Arbeitgeber heute verlangen? Die Analyse von 3 000 Stellenanzeigen ist eindeutig: Personalentwickler über alle Branchen hinweg erwarten ein gutes Englisch. Je höher die Stelle in der Hierarchie angesiedelt ist, desto besser sollten auch die Kenntnisse sein. Bewerber sollen meist „gutes“, „sehr gutes“, „verhandlungssicheres“ oder „exzellentes“ Englisch mitbringen. Was aber der Arbeitgeber jeweils darunter versteht oder wofür man die Sprache genau braucht, bleibt in der Anzeige oft unklar.

Mehr oder weniger erwünscht

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Eine Ausnahme stellt der Gesundheitsbereich dar, der zum Beispiel bei Kranken- und Gesundheitspersonal kein Englisch erwartet. Spanischkenntnisse werden dagegen weitaus seltener gefordert. Eine Ausnahme ist die obere Ebene der Chemiebranche. Dort sollte fast jede fünfte Führungskraft – etwa ein Laborleiter Chemie oder Senior Consultants Pharma – neben guten Englischkenntnissen auch gutes Spanisch mitbringen. Auch wer sich auf eine Stelle als Geschäftsführer einer Firma bewirbt, die Niederlassungen in Spanien und Lateinamerika hat, dem sollte die romanische Sprache nicht unbekannt sein.

Mündliche Prüfung bei Bewerbung

Sind in einer Stellenausschreibung ausdrücklich Englischkenntnisse gefordert, sollte der Bewerber damit rechnen, diese auch unter Beweis stellen zu müssen. In unserer Umfrage gaben Personalentwickler an, diese am häufigsten im mündlichen Gespräch zu überprüfen.

Auch die Investition in ein fremdsprachiges Zertifikat, zum Beispiel in Wirtschaftsenglisch oder Handelsspanisch lohnt sich. Immerhin zwei Drittel aller befragten Arbeitgeber erkennen ein derartiges Zertifikat als Nachweis für Fremdsprachenkenntnisse an. Ein Drittel der Personalentwickler bevorzugt einen schriftlichen Test.

Wer seine Sprachkenntnisse auf einen Blick grob einstufen möchte, weil er einen passenden Kurs sucht oder diese Angabe für eine Bewerbung braucht, dem hilft der 2001 eingeführte Gemeinsame Europäische Referenzrahmen, kurz GER , weiter. Der Rahmen hat insgesamt sechs Niveaustufen der „elementaren“, „selbstständigen“ und „kompetenten“ Sprachverwendung. Sie beschreiben, wie gut jemand in den jeweiligen Sprachfertigkeiten Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben ist. Natürlich kann jeder Interessierte seine Sprachkenntnisse auch mit den verschiedensten Sprachtests überprüfen und zum Beispiel für eine Bewerbung nachweisen.

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